https://www.faz.net/-gtl-2gkc

Fußball : Transferstreit: Kompromiss in Sicht ?

  • Aktualisiert am

Haben die neue Transferregelung besiegelt: Fifa-Präsident Blatter und Uefa-Chef Johansson Bild: dpa

Auch der zweite Züricher Gipfel ist gescheitert. Die internationalen Fußball-Institutionen fanden keinen Kompromiss im Streit um die Transfer-Reform.

          2 Min.

          Auch der zweite Fußball-Gipfel in Zürich hat im Streit um die Transfer-Reform zu keinem Durchbruch geführt. Nach mehr als acht Stunden brachen die internationalen Fußball-Institutionen ihre Gespräche wie schon beim ersten Zusammentreffen vor einer Woche ergebnislos ab.

          Die internationale Spielervereinigung (FIFPro) und die europäischen Großvereine G 14 konnten sich in der Frage von künftigen Vertragslaufzeiten und vor allem der Möglichkeit der einseitigen Vertragsauflösung nicht auf eine einheitliche Linie verständigen. „Wir haben genug, ich bin nicht mehr optimistisch“, sagte Philippe Piat von der FIFPro. „Die Vereine wollen das alte System in neuen Kleidern präsentieren.“

          Gegen eine Transferregelung im neuen Gewand sind dagegen Fußball-Funktionäre wie Arsenal Londons Team-Manager Arsène Wenger: „Wenn den Spielern eine dreimonatige Kündigungsfrist eingeräumt wird, werde ich als Clubtrainer aufhören.“ Für Karlheinz Rummenigge vom FC Bayern München hat vor allem die Spielervereinigung zu weitreichende Forderungen gestellt: „Die Clubs haben sich weiter bewegt, als sie wollten“, sagte der Verhandlungsführer der G 14. „Wir sind zwei Schritte entgegen gekommen, die FIFPro hat einen zurück gemacht.“

          Verärgert: Gerhard Mayer-Vorfelder

          Die EU verlangt Ergebnisse

          Damit stehen der Fußball-Weltverband FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA vor einem Dilemma. Fifa-Präsident Sepp Blatter und Uefa-Chef Lennart Johansson können beim anstehenden politischen Gipfel mit den EU-Kommissaren keinen gemeinsamen Reformvorschlag aller Fußball-Institutionen präsentieren. Genau diesen hatte die EU-Kommission aber verlangt, um in der Folgezeit juristische Klagen auszuschließen.

          Gerhard Mayer-Vorfelder, geschäftsführender Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ist dennoch optimistisch, dass es beim Gipfeltreffen in Brüssel zu einer Einigung im Streit um die Reform des internationalen Transfersystems kommen wird. „Entscheidend wird es sein, eine Lösung zu finden, die von allen Beteiligten getragen wird“, sagt Mayer-Vorfelder. „Sollte es nicht dazu kommen, bleibt immer noch der Klageweg.“

          Der ehemalige Chef des VfB Stuttgart sieht deutliche Signale für eine Annäherung, zumal keiner der Beteiligten eine Klage anstrebt. „Auf hoher See und vor Gericht befindet man sich in Gottes Hand, deshalb glaube ich an eine einvernehmliche Lösung“, sagte der 67-Jährige.

          Rummenigge: „FIFPro ist das Problem“

          Während Blatter am Wochenende ebenfalls noch optimistisch eine unmittelbar bevorstehende Einigung prophezeit hatte, hatte Bayern Münchens Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge als G 14-Repräsentant vor allzu großer Zuversicht gewarnt - und die Situation damit scheinbar richtig eingeschätzt. Die Profi-Vereinigung präsentierte einen Kompromissvorschlag, nach dem Profis ihren Vertrag kündigen können, wenn sie unter einem gewissen Prozentsatz an Spielen eingesetzt wurden.

          „Dann müssten wir unserem Trainer Ottmar Hitzfeld ja sagen: Bitte setze diesen Spieler ein“, erläuterte Rummenigge, „damit er auf seine 15-Prozent-Quote kommt und zum Saisonende nicht weg ist.“ Das Problem, so Rummenigge, sei die FIFPro - mit Fifa, Uefa und den Ligen seien die Vereine nämlich auf einer Linie.

          Talente sollen geschützt werden

          Die G 14 lehnt eine einseitige Kündigungsmöglichkeit kategorisch ab. In der Frage der künftigen Vertragsdauer haben sich beide Seiten angenähert, aber ebenfalls nicht geeinigt. Die G 14 rückte von ihrer ursprünglichen Fünf-Jahre-Forderung ab und erklärte sich bereit, die Vertragsfristen abhängig vom Alter der Spieler zu gestalten.

          Übereinstimmung herrscht zwischen allen Beteiligten lediglich in Randaspekten. Länderübergreifende Vereinswechsel von Jugendspielern sollen künftig weitgehend untersagt werden. Damit sollen vor allem afrikanische Talente geschützt werden. Bei Transfers von Spielern unter 23 Jahren sollen die Vereine, die an der Ausbildung des Fußballers beteiligt waren, finanziell entschädigt werden.

          Außerdem soll es künftig maximal zwei Transferperioden pro Saison geben. Dies ist in der Bundesliga, in der nach der Winterpause keine Vereinswechsel mehr gestattet sind, ohnehin schon gängige Praxis.

          Weitere Themen

          Dieser BVB reicht nicht

          Pleite in Champions League : Dieser BVB reicht nicht

          Mit der ersten Chance trifft Inter Mailand gegen Dortmund. Der BVB erholt sich davon bis zum Schlusspfiff nicht und muss sogar noch einen weiteren Rückschlag einstecken. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Das war nichts: Axel Witsel (Zweiter von links) und Borussia Dortmund verlieren in Mailand.

          Pleite in Champions League : Dieser BVB reicht nicht

          Mit der ersten Chance trifft Inter Mailand gegen Dortmund. Der BVB erholt sich davon bis zum Schlusspfiff nicht und muss sogar noch einen weiteren Rückschlag einstecken. Besonders eine Situation dürfte die Borussia deshalb besonders ärgern.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.