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Fußball : Rummenigge fordert Lizensierungsverfahren für Europa

  • Aktualisiert am

Hat sich mal wieder zu Wort gemeldet: Karl-Heinz Rummenigge Bild: dpa

Karl-Heinz Rummenigge hat sich erneut für ein europaweit einheiltiches Lizensierungsverfahren ausgesprochen. Nur so sei für alle Vereine die Chancengleichheit gewahrt.

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          Karl-Heinz Rummenigge sieht nur in einem europaweiten Lizenzierungsverfahren die Chancengleichheit mit Clubs aus Italien und Spanien gewahrt. „Wir haben derzeit keine Waffengleichheit“, sagte der Vizepräsident des deutschen Meisters und Champions-League-Siegers FC Bayern München.

          Viele europäische Spitzenvereine haben sich nach Rummenigges Ansicht einen Vorteil verschafft, indem sie hemmungslos Topspieler mit hohen Gehältern geködert und ihre Clubs so an den Rand des Ruin getrieben haben.

          Zeit der "Irrsinnsgehälter vorbei

          Die Bundesliga-Clubs müssen sich indes einer strengen Wirtschafts-Prüfung unterziehen. Rummenigges Forderung, die von den meisten Bundesliga-Vertretern geteilt wird, ist längst schon bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) erhört worden. Seit einiger Zeit arbeitet Generalsekretär Gerhard Aigner daran, ein einheitliches Lizenzierungsverfahren für Europa zu entwickeln.

          Rummenigge ist zudem zuversichtlich, „dass wieder Rationalität in das Geschäft einkehrt und auch die Transfersummen wieder nach unten gehen“. Die Zeit der „Irrsinnsgehälter“ neige sich dem Ende entgegen, behauptete der ehemalige Nationalspieler. Längst hätten sowohl Italiener als auch Spanier erhebliche finanzielle Probleme, so Rummenigge.

          Hintergrund: Auf vielen Topclubs wie Lazio Rom, dem FC Valencia, Juventus Turin oder dem mittlerweile insolvente AC Florenz lasten Schulden in Höhe von mehrere Millionen Euro. Nach Rummenigges Informationen soll allein Juventus mit Verbindlichkeiten rund 453 Millionen Euro zu kämpfen haben. „Dann weiß man auch, warum die Turiner im Dezember an die Börse gegangen sind.“

          Neues Verfahren frühestens ab 2004

          Den deutschen Rekordmeister bezeichnete der „Außenminister“ des FC Bayern in diesem Zusammenhang sogar als „Vorbild“ in Europa, „da wir es geschafft haben, ohne finanzielle Absurditäten die Champions League zu gewinnen“. Er wisse sogar, dass sich Uefa-Präsident Lennart Johansson einen Triumph der Münchner in der „Königsklasse“ gewünscht hätte - „damit man sieht, dass es auch anders geht“.

          Ganz so schnell wie von Rummenigge gefordert wird das europaweite Verfahren aber noch nicht kommen, obwohl es von existenzieller Bedeutung ist. Ab 2004 soll es nach Uefa-Plänen eingeführt werden. Generalsekretär Aigner hatte die Einführung als „gewaltsamen Einschnitt von grundsätzlicher Bedeutung“ bezeichnet. In Deutschland hat sich die wirtschaftliche Tauglichkeits-Prüfung in fast 39 Jahren Bundesliga bewährt. Das deutsche System gilt als vorbildlich in Europa.

          Europapokal-Ausschluss als Druckmittel

          Nur die Franzosen und Niederländer haben ähnlich strenge Kriterien. Aigner hat sich bereits Unterlagen aus den Verbänden zuschicken lassen und wertet sie aus. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat sich ebenfalls für die Europa-Lizenz zum Spielen und Wirtschaften ausgesprochen. Allerdings mache das alles nur Sinn, „wenn sich die Clubs dem System unterwerfen und Sanktionen bei Verstößen akzeptieren“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). An eine Gentlemen's Agreement glaube er nicht.

          Uefa-Mann Aigner meint ein Druckmittel gefunden zu haben: „Die Verweigerung der Teilnahme am Europapokal.“ Bayern-Vize Rummenigge sieht in dem europäischen Lizenzierungsverfahren auch eine Möglichkeit, die Spirale bei den Spielergehälter zu stoppen. Wenn das Verfahren komme, habe sich auch die Diskussion um ein Salary Cap, die Festsetzung von Gehaltsobergrenzen, erledigt. Im übrigen: „Im Fußball haben die Spieler schon immer exorbitant verdient. Das war auch schon zu meiner Zeit so.“

          "Börse und Fußball passt nicht"

          In einem Interview mit der F.A.Z. sprach sich Rummenigge zudem vehement gegen einen baldigen Börsengang des FC Bayern aus. „Ich bin der Ansicht, dass Börse und Fußball von der Philosophie her nicht zusammenpassen. Wir sind auch ohne Börse zu sportlichem Erfolg verdammt. Wir brauchen den Druck nicht, während dem Spiel auch noch auf den
          Aktienkurs schielen zu müssen“, sagte Rummenigge in der FAZ.

          Es sei doch nicht das Ziel eines Fußball-Klubs, Dividenden zu erwirtschaften, sondern größtmöglichen sportlichen Erfolg zu erzielen, meinte Rummenigge. Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte erst kürzlich angekündigt, sich einen Börsengang in „drei oder vier Jahren, wenn das Börsenumfeld freundlicher ist“, durchaus vorstellen zu können.

          Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Februar wird der FC Bayern die bereits eingeleitete Umwandlung in eine Aktiengesellschaft offiziell vollziehen. Als strategischer Partner wird dann der Sportartikelhersteller adidas zehn Prozent der Anteile für knapp 77 Millionen Euro übernehmen. Der Börsenwert des FC Bayern wird dementsprechend auf 770 Millionen Euro geschätzt.

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