https://www.faz.net/-gtl-osku

Fußball : Puma wehrt sich: Millionenklage gegen die FIFA

  • Aktualisiert am

Das Corpus delicti: Kameruns Trikot-Einteiler Bild: dpa/dpaweb

Nach der harten Strafe gegen die Nationalmannschaft Kameruns wegen der Benutzung von Trikot-Einteilern wittert der Sportartikelhersteller Puma einen „Rachefeldzug“ und droht dem Internationalen Fußball-Verband.

          Der Sportartikel-Hersteller Puma zieht gegen den Internationalen Fußball-Verband (FIFA) vor Gericht.

          Im Streit um die Trikots der Nationalmannschaft Kameruns wird das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach in der kommenden Woche eine zivilrechtliche Klage beim Landgericht Nürnberg einreichen. „Irgendwer muß jetzt gegen die FIFA vorgehen. Das kann man sich nicht mehr gefallen lassen“, bestätigte Horst Widmann, rechte Hand von Puma-Vorstandschef Jochen Zeitz.

          Sechs Punkte Abzug, 125.000 Euro Strafe

          Nach Angaben von Puma soll dabei Schadenersatz „in Millionenhöhe“ geltend gemacht werden, nachdem der Weltverband den einteiligen Dreß der von Winfried Schäfer trainierten „unbezähmbaren Löwen“ verboten und Ende der vergangenen Woche eine drakonische Strafe gegen Kameruns Verband verhängt hatte. Weil die Kameruner zu Beginn des Jahres beim Afrika-Cup in einem Einteiler aufgelaufen waren, sollen dem ehemaligen Afrika-Meister nach einem Beschluß der FIFA-Disziplinarkommission in der Qualifikation für die WM-Endrunde 2006 sechs Punkte abgezogen werden. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von gut 125.000 Euro.

          Die bevorstehende Klage fand uneingeschränkte Unterstützung bei Nationaltrainer Schäfer, der nun kaum noch Aussichten auf eine WM-Teilnahme in seiner deutschen Heimat sieht: „Das ist ein Unding. Was da gelaufen ist, kann man nicht hinnehmen. Es kann nicht sein, was da abläuft.“ Aufgeben will Schäfer indes nicht: „Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich die FIFA durchsetzt. Wenn wir Löwen in die Enge getrieben werden, beißen wir zurück.“ Kameruns Fußball-Verband legte zudem einen Protest bei der FIFA ein.

          Bevorzugung von Adidas?

          Der Internationale Fußball-Verband beruft sich bei seiner Entscheidung auf Artikel 4 der Spielregeln, der vom International Board der FIFA zuletzt ausdrücklich bestätigt wurde. Dort heißt es, daß die Ausrüstung aus Schuhen, Schienbeinschützern, Stutzen, Trikot und Hose bestehen muß. Ob die einzelnen Ausrüstungsteile miteinander verbunden sein dürfen oder nicht, darüber machen die „Laws of the game“ aber keine Angaben. „In der Regel steht nichts darüber drin, daß das Hemd und die Hose nicht zusammengenäht sein dürfen“, meinte daher auch Widmann, nachdem sein Unternehmen die Rechtslage sowohl intern als auch von einer Anwaltskanzlei hat prüfen lassen.

          Puma vermutet andere Motive bei der FIFA für die rigorose Vorgehensweise, zumal Erzrivale Adidas Sponsor der FIFA ist. „Es ist Tatsache, daß Adidas in den vergangenen 30 Jahren einseitig bevorzugt worden ist. Das ist Willkür“, sagte Widmann und verwies beispielsweise darauf, daß die drei Streifen der Konkurrenz bis zu einer jüngst erfolgten Regel-Änderung als „Design-Element“ auf den Trikots gewertet worden seien - und nicht als Firmen-Logo - , wodurch andere Ausrüster deutlich weniger Werbefläche auf der Spielkleidung erhalten hätten.

          „Ich sehe das als einen Rachefeldzug“

          Zudem glaubt man bei Puma an eine persönliche Strafmaßnahme von Fifa-Präsident Joseph Blatter gegen den kamerunischen Präsidenten des afrikanischen Kontinentalverbandes (CAF). „Ich sehe das als einen Rachefeldzug von Blatter gegen Hayatou“, sagte Widmann. Issa Hayatou, der den Einteiler nach Angaben von Widmann ebenso wie die zuständige Fachabteilung der FIFA zunächst genehmigt hatte, gilt als scharfer Kritiker des FIFA-Chefs und war diesem bei dessen Wahl 2002 in Seoul als Gegenkandidat unterlegen.

          Eine friedliche Lösung scheint derzeit jedenfalls unmöglich. „Wir wollten das Thema nach den Regeln des Sports fair vom Tisch bringen und haben der FIFA ein erklärendes Gespräch angeboten“, berichtete Widmann. Der Termin sei jedoch kurzfristig abgesagt worden. Danach habe die FIFA keinen weiteren „zustandekommen lassen“. Wie dem auch sei: Puma will die Kameruner in diesem Konflikt auf jeden Fall weiter „rechtlich und finanziell“ unterstützen. Soll heißen: Falls es bei der Geldstrafe bleibt, zahlt sie der deutsche Ausrüster.

          Weitere Themen

          Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Torwartdebatte : Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Der DFB reagiert auf die Angriffe aus München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff weist die Kritik von Uli Hoeneß zurück. Der Bayern-Aufsichtsratschef hatte den DFB wegen der Haltung in der Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen kritisiert.

          „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“ Video-Seite öffnen

          Niko Kovač : „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“

          Der Bayern-Trainer freut sich über den Auftaktsieg in der Königsklasse und fordert, die Torwartdiskussion zwischen Neuer und Ter Stegen endlich zu den Akten zu legen.

          Die Schwachstellen des FC Arsenal

          Europa League : Die Schwachstellen des FC Arsenal

          Zum Europa-League-Auftakt wartet auf die Eintracht mit Arsenal ein schwerer Brocken. Doch jüngst offenbarten die „Gunners“ einige Schwächen –, die auch Adi Hütter nicht entgangen sein werden.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.

          Baden-Württemberg : Grüne mit 38 Prozent auf Rekordhoch

          Winfried Kretschmann will bei der kommenden Landtagswahl wieder als Spitzenkandidat antreten. Bei den Wählern im Südwesten stößt das auf große Zustimmung.
          Retourkutsche: Oliver Bierhoff reagiert auf die Angriffe aus München.

          Torwartdebatte : Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Der DFB reagiert auf die Angriffe aus München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff weist die Kritik von Uli Hoeneß zurück. Der Bayern-Aufsichtsratschef hatte den DFB wegen der Haltung in der Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen kritisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.