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Fußball : Niemand will die Holländer trainieren

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Retter des holländischen Fußballs? Johan Cruyff Bild: dpa

Hollands Fußball plagt ein Problem: Niemand will die Nationalmannschaft trainieren.

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          Der Königlich-Niederländische Fußball-Bund (KNVB) macht sich im eigenen Land immer mehr zur Lachnummer. Nach der Absage von Dick Advocaat hat das Possenspiel um die Besetzung des Nationaltrainers einen neuen Höhepunkt erreicht - und beginnt womöglich wieder von vorne.

          "Das ist unglaublich. Beim Verband haben sie keine Ahnung von Fußball. Wir haben so viele Topleute, die zum Teil auch noch frei sind. Zum Beispiel Ruud Gullit und Marco van Basten. Warum spricht man nicht mit ihnen?“, schimpfte Ex-Nationalspieler Gerald Vanenburg.

          Hiddink, Rijkaard und Stevens sagen allesamt ab

          Fast zwei Monate nach dem peinlichen Aus in der WM-Qualifikation und dem Rücktritt von Louis van Gaal herrscht im niederländischen Fußball noch immer große Ratlosigkeit. Bis zur Auslosung der EM-Qualifikation am 25. Januar in Porto sollte ein neuer Bondscoach präsentiert werden, doch daraus wird nun wohl nichts.

          Mit „Oranje” gescheitert: Louis van Gaal

          Denn zu amateurhaft verlief bisher die Suche nach einem geeigneten Kandidaten. Dabei waren etliche Namen im Gespräch. Die früheren Nationaltrainer Guus Hiddink (jetzt Südkorea) und Frank Rijkaard (Sparta Rotterdam) hatten aber ebenso wie der Schalker Huub Stevens noch vor Advocaat, der bei Glasgow Rangers unter Vertrag steht, dankend abgelehnt. Wim van Hanegem, Vize-Weltmeister von 1974, erschien den Verantwortlichen beim KNVB als zu wenig repräsentativ. Gullit, Europameister von 1988 und mittlerweile TV-Kommentator, galt vielen als zu locker im Umgang mit den Spielern.

          Macht es jetzt Johan Cruyff?

          National-Idol Johan Cruyff sagte da lieber gleich ab: „Ich will nicht dauernd gegen den Strom schwimmen.“ Vielmehr ist „König Johan“ plötzlich als Technischer Direktor im Gespräch. Was er machen soll: die Organisation beim „Oranje“-Team in die Hand nehmen. Das berichtet zumindest die Fachzeitschrift Voetball International. Der Vize-Weltmeister von 1974 will nämlich nicht mehr selbst auf der Trainerbank sitzen. Das sollen andere.

          Die jedoch zierten sich. Der nach der ersten Absage von Cruyff vorgeschlagene Wim Jansen, immerhin schon mit Feyenoord Rotterdam und Celtic Glasgow Meister, sagte umgehend ab. Und der ehemalige Weltklasse-Stürmer van Basten wurde wegen fehlender Trainer-Lizenz abgelehnt. „Das ist doch lächerlich“, empört sich Vanenburg, der in der Bundesliga bei 1860 München unter Vertrag stand: „Gebt ihm das Amt und lasst ihn lernen, wie man vor einer Mannschaft steht. Aber soll man ihm noch beibringen, wie Fußball funktioniert?“

          Bloß kein Deutscher

          Wohl kaum, denn van Basten galt einst als bester Stürmer der Welt. Van Basten selbst, der sich bereits für einen Lehrgang angemeldet hat, regt sich derweil über die zwielichtige Rolle van Gaals bei der Trainersuche auf: „Wieso kann er bei der Einstellung seines Nachfolgers eine Rolle spielen?

          Es ist unbegreiflich, dass er immer noch seine Meinung einbringen kann.“ Sogar die Verpflichtung eines Ausländers wird nun in Betracht gezogen. Die Clubchefs von Feyenoord Rotterdam, Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven hatten sich jüngst dafür ausgesprochen - unter einer Bedingung: „Wenn es bloß kein Deutscher wird“.

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