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Fußball-Nationalmannschaft : Von Sorgen und Rückschlägen

  • -Aktualisiert am

Die Zeit wird knapp: Rudi Völler und Sebastian Deisler Bild: dpa

Durch eine Reihe von Verletzungen wird die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die WM empfindlich gestört.

          2 Min.

          Die Erkenntnisse einer empfindlich gestörten WM-Vorbereitung halten sich für Rudi Völler in engen Grenzen. Eine Einsicht ist dem Teamchef im idyllischen Elztal bei Freiburg aber schon gekommen. „Ich muss das Trainingsspiel künftig eine Minute eher beenden.“

          Denn in just erwähnter letzte Minute der abermals recht lockeren Einheit am Samstagmorgen unter den dichten Wolken im Hochschwarzwald unterlief ausgerechnet dem Kapitän ein überflüssiger wie unmotivierter Fauxpas.

          Oliver Kahn stürzte in überwunden geglaubter „Kamikaze“-Manier aus dem Tor, sprang mit beiden Beinen voraus und traf an der Außenlinie Teamkamerad Carsten Jancker am Knöchel. Dick bandagiert, mit schmerzverzerrtem Gesicht und verletzter Kapsel am Sprunggelenk verließ der Münchner den Rasen.

          Kein Rüffel nach rüdem Foul: Torwart und Teamchef

          Unglücklicher Zusammenprall?

          Getroffen von Kahn, der am Donnerstag gegen Kuwait noch aus dem Tor geeilt war, um dem Kollegen für das Ende der notorischen Torlosigkeit zu gratulieren. Den Kapitän zu kritisieren, der einen DFB-Sponsor wegen Klebebildchen mit seinem Konterfei verklagt hat, wagt keiner.

          „Das war ein unglücklicher Zusammenprall, Zweikämpfe gehören halt zum Training“, spielte Völler die Attacke herunter, „es geht bei uns ansonsten gesittet zu.“ Doch die Miene des 42-Jährigen verriet, dass er den Vorfall als arg ärgerlich betrachtete. Wenn sich die Seinen verletzten, dann bitte nicht gegenseitig.

          „Verletzungen sind ein bisschen zu oft“

          Der geschwollene Knöchel seines Problem-Stürmers ist das Synonym für derartige Schwierigkeiten. Der Kader wirkt ein bisschen malade, beinahe tauglich für die Aufnahme in den umliegenden Reha-Kliniken des Elztals.
          Sebastian Deisler kann nach einem Pferdekuss wieder nur eingeschränkt trainieren, bei Marko Rehmer ist jetzt die Sehne entzündet, so dass das geplante Mitwirken im Testspiel gegen Wales (Dienstag 20.45 Uhr/ARD) ausfällt.

          „Die Verletzungen sind ein bisschen zu oft. Das ist nicht der Normalfall“, klagt Völler und blickt gedankenverloren in die Kaffeetasse. Der stets angenehm unaufgeregte Teamchef wirkt dieser Tage angespannt. Schließlich hat er es zu verantworten, eine gefährliche große Gruppe von Rekonvaleszenten ohne Spielpraxis in seinen WM-Kader zu benennen.

          Er behält sich vor, von seiner acht Spieler umfassenden Abrufliste Gebrauch zu machen. Einen Zeitpunkt nennt Völler nicht. Sein Motto: vorerst abwarten, auf Besserung hoffen. Nominierungsschluss beim Weltverband ist schließlich erst der 21. Mai. Ein bisschen Zeit bleibt.

          WM bei Wörns noch nicht in Gefahr

          Manchmal kommen ja auch gute Nachrichten. Christian Ziege übt beispielsweise im nationalen Auftrag wieder voll mit, nachdem er am Vortag beim Trainingsspielchen schon die U 21-Spieler eingeschüchtert hatte. Dazu gab Christian Wörns Entwarnung: Am Sonnabend wurde beim 30-Jährigen Dortmunder, der verletzungsbedingt nur eines der vergangenen fünf Länderspiele absolviert hat, eine Arthroskopie am linken Knie durchgeführt und entzündetes Gewebe am Meniskus entfernt. Ein unkomplizierter Eingriff.

          Für die WM besteht Hoffnung. „Wenn neben Jens Nowotny auch Christian Wörns ausfällt“, sagt Völler, „wäre das ganz bitter.“ Aber auch die Chance für Frank Baumann, der im Fall einer Absage nachrücken würde. Völler möchte es vermeiden und ist „bei Rehmer und Wörns grundsätzlich optimistisch.“

          Feinschliff in Miyazaki

          Dennoch kann von einer geordneten Vorbereitung keine Rede sein. „Den Feinschliff müssen wir uns in Miyazaki holen“, gibt Völler vorab schon zu. Auf die britische Insel werden am Montag die sieben U 21-Akteure mitreisen, um den Kader aufzufüllen, auch wenn Gerald Asamoah am Sonntag nach dem Pokal-Finale und Dietmar Hamann via Liverpool in Cardiff noch dazustoßen. Erst am 17. Mai ist der Kader komplett, wenn der Block von Bayer Leverkusen das Aufgebot auf Sollstärke bringt.

          Der ehemalige Leverkusener Sportdirektor hat im Hinblick auf das Champions League-Finale am Mittwoch nun bereits umgedacht. „Der Ausgang ist mir egal: Ich wünsche mir nur, dass sich keiner mehr verletzt.“ Völler sollte das auch Kahn noch mitteilen.

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