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Fußball-Nationalmannschaft : Pluspunkte nach einer Trainingseinheit in Spielform

  • -Aktualisiert am

Oliver Bierhoff: Stammplatz erspielt? Bild: dpa

Jens Jeremies und Oliver Bierhoff untermauerten beim 7:0 gegen Kuwait ihre Ansprüche auf einen Stammplatz in der Nationalmannschaft.

          3 Min.

          Es herrschte allerorten strahlend Sonnenschein. Hier ein Spaß, dort ein Lachen. Locker und gelöst trainierte die deutsche Nationalelf am Freitagmorgen im idyllischen Elztal.

          Es übt sich leichter, wenn am Abend zuvor auf der Anzeigetafel ein 7:0 aufleuchtete. So wie nach dem Benefizspiel von Freiburg, wo manch einer die mangelnde Klasse des Gegners aus Kuwait ganz gern verdrängen wollte.

          Die Verlegenheitself von Rudi Völler, die nach zwölf Ausfällen leicht und locker einen allenfalls drittklassigen Kontrahenten beherrschte, tut gut daran, den Sieg in die richtigen Relationen zu rücken.

          „Sinn des Spiels erfüllt“

          „Eine Trainingsstunde auf gehobenem Niveau“, hatte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder beobachtet. Und der DFB-Präsident meinte nicht die Einheit am Freitagmorgen sondern das Spiel am Donnerstagabend. „Ein 7:0 gegen Kuwait ist nicht der Normalfall“, fand indes Rudi Völler. Der Teamchef sah den „Sinn des Spiels erfüllt“ und zeigte sich „unwahrscheinlich zufrieden.“ Die Seinen hätten „erste Halbzeit alles umgesetzt, was ich ihnen auf den Weg gegeben hat.“

          Auf gutem Weg etwa ist Oliver Bierhoff - fünf Tore in vier Länderspielen 2002. Und wer damit Fritz Walter in der ewigen Torschützenliste überholt hat, stellt Ansprüche. „Für mich ist jedes Länderspiel und jedes Tor wichtig“, sagte der 34-Jährige und leitete nach seinen Toren 34 bis 36 im nationalen Auftrag sogleich die internationale Schlussfolgerung ein. „Für mich sprechen bei der WM die Tore und die Tatsache, dass ich bei solchen Turnieren Erfahrung habe.“

          Damit hatte der dreifache Torschütze (24., 43. und 71./Foulelfmeter), neben dem sich noch Torsten Frings (10.), Sebastian Deisler (40.), Al-Sahmari (45./Eigentor) und Carsten Jancker in die Torschützenliste eintrugen, ein bisschen zu viel in das Benefizspiel hinein interpretieren wollen. Hatte Bierhoff nicht selbst von „einer wichtigen Trainingseinheit in Spielform“ gesprochen?

          Jeremies hat Kraft zu langen Läufen

          Und in Trainingseinheiten werden keine Plätze für die WM vergeben. Völler: „Wichtig war der Test für die Spieler, die zuletzt nicht so häufig zum Einsatz kamen.“ Und davon hat der Teamchef mehr in seinem 23-Mann-Kader als ihm lieb sein kann. Insofern kam der Sparringspartner aus Asien, der die Theorien seines Ex-Trainer Berti Vogts offensichtlich nur schwerlich in die Praxis umsetzen kann, gerade recht.

          Vor allem für Sebastian Deisler, der sein wechselhaftes Comeback zwar mit einem Tor krönte, doch nach der einstündigen Rückkehr feststellte: „Es läuft noch nicht alles rund, wie es mal war.“ Der 22-Jährige benötigt nach fast siebenmonatiger Zwangspause vor allem Zeit, „auch gedanklich bin ich noch nicht so weit“, räumte Deisler ein.

          Jens Jeremies, endlich wieder Aktivposten auf angestammter Mittelfeldposition, ist immer noch in der Aufbauphase aber bei den Rehabilitationsmaßnahmen ein bisschen weiter. „Das war der Spieler, der er vor seiner Verletzung war“, lobte Völler, der bei Jeremies „die Kraft zu langen Läufen“ registrierte.

          Saudi Arabien stärker als Kuwait

          Auch Debütant Christian Rahn, in der personellen Not auf links gestellt, hatte ihm gut gefallen. „Er hat alle Möglichkeiten und wir werden ihn wiedersehen“, prognostiziert der Teamchef mit einer gewissen Einschränkung: „In ein paar Monaten oder in ein paar Jahren.“ Dass neben Rahn vom Absteiger St. Pauli auch der Bremer Fabian Ernst und der Bochumer Paul Freier als „Auffüller“ aus der U 21 jetzt nominelle Nationalspieler sind, sagt alles über den Kick gegen Kuwait.

          Völler: „In dieser Kombination werden wir sicher nicht mehr so häufig auftreten.“ Und auch Rückschlüsse auf das erste WM-Gruppenspiel am 1. Juni gegen Saudi-Arabien verbieten sich für den 41-Jährige. „Die Saudis sind stärker“, erklärte Völler auf Nachfrage von FAZ.NET. Begründung: „Die haben zwar ähnliche Spielertypen wie Kuwait aber auch mehr Power und Qualität.“

          Kader gewinnt an Quantität

          Mehr Quantität erhält die deutsche Elf beim nächsten WM-Test am kommenden Dienstag in Wales. Nachdem die im Uefa-Cup-Finale nicht eingesetzten Christoph Metzelder und Sebastian Kehl („Die Pfiffe gegen mich möchte ich nicht kommentieren.“) schon für das Spiel in Freiburg anreisen mussten (Völler: „Sie haben wenig geschlafen und ihre Sache gut gemacht.“), werden die Teamkollegen Jörg Heinrich und Jens Lehmann am Freitag eintreffen, der Schalker Gerald Asamoah stößt einen Tag nach dem Pokal-Finale dazu.

          Abwehspieler Christian Wörns muss dagegen um die WM bangen. Nach anhaltenden Beschwerden im linken Knie, muss sich der Dortmunder einer Athroskopie unterziehen. Es droht eine Operation des Innenmeniskus. DFB-Trainer Michael Skibbe ist indes „zuversichtlich, dass Christian 10 bis 14 Tage nach der Operation wieder trainings- und für die WM auch spielfähig sein wird.“ Sollte dies nicht der Fall, sein würde der Bremer Frank Baumann in die sowieso schon stark dezimierte Abwehr nachrücken.

          Nur auf die Akteure von Bayer Leverkusen muss Völler noch warten. Erst am 17. Mai, fünf Tage vor dem Abflug nach Japan, ist der Kader komplett. Funktionieren tut die Gruppe schon jetzt. „Der Teamgeist ist intakt“, stellt der Teamchef heraus und wertete als entscheidende Szene von Freiburg weder ein Bierhoff-Tor noch ein Jeremies-Solo. „Das war die Situation, in der Oliver Kahn bis zur Mittellinie aus seinem Tor lief, um Carsten Jancker zu gratulieren.“

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