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Fußball-Nationalmannschaft : Nur Mitgefühl für Bierhoff

  • -Aktualisiert am

Weiter in der Kritik: Oliver Bierhoff Bild: AP

Ein verändertes Gesicht erhält das deutsche Fußball-Nationalteam für das Qualifikationsspiel in Finnland: Hungrige Talente, erfreute Rückkehrer und motivierte Bayern-Spieler drängen in die erste Elf.

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          Ist das die Mischung, die der Fußball-Nationalelf den Weg in der WM-Qualifikation weist? Elanvolle Talente wie Gerald Asamoah (22 Jahre), erfreute Rückkehrer wie Lars Ricken (24) und erfahrene Bayern-Recken wie Oliver Kahn (31) und Carsten Jancker (26) sowie Thomas Linke (31) stehen am Sonnabend gemeinsam in der deutschen Anfangself.

          Vor dem Abflug nach Helsinki wollte Rudi Völler das eigentlich noch nicht verraten - irgendwie hat der Teamchef das aber schon. Für Asamoah sehe er „eine sehr gute Chance“, für Ricken spräche ein „leichter Vorteil“, für Kahn sei „alles klar“, über Linkes Genesung sei er „sehr froh“. Und Jancker stellt sich angesichts der Formschwäche seiner Mitbewerber Miroslav Klose und Oliver Bierhoff selbst auf.

          Mitleid und Mitgefühl

          Denn zum Dauerthema der andauernden Bierhoff-Krise hat der Teamchef mittlerweile nicht mehr als mitleidsvolle Worte übrig. „Er durchlebt die schwierigste Phase seiner Karriere. Wir müssen ihm alle helfen.“ Doch sogleich war es Rudi Völler selbst, der erklärte, warum dem Stürmer der traurigen Gestalt nicht geholfen werden kann. „Ich habe in solchen Zeiten als Stürmer der Mannschaft mit anderen Eigenschaften geholfen. Oliver Bierhoff kann das mit seinem Spielstil nicht, weil er vorne auf die Flanken und hohen Bälle wartet.“ Argumente, den Kapitän aufzustellen? „Das ist schwierig“, bedauerte Rudi Völler.

          Das Mitleid für Bierhoff steht indes in keinem Verhältnis zum Mitgefühl, das Jörg Böhme auch am Donnerstag noch vom 41-Jährigen zuteil wurde. „Dagegen ist der Fußball so unwichtig“, erklärte Rudi Völler, „es ist selbstverständlich, dass Jörg Böhme nach hause durfte.“ Nach einem Telefonat habe der Schalker , dessen Frau Michaela im fünften Monat ihr Baby verlor, noch „einen sehr niedergeschlagenen Eindruck“ gemacht. Für ihn hatte Völler mehr Mitgefühl als für den schwachen Stürmer.

          Kühle Bremen-Bilanz

          Das erste Fazit der Saisonabschlusstournee fiel positiv aus. So sprach Völler in seiner Bremen-Bilanz von einer ansonsten „optimalen Vorbereitung.“ Der Aufenthalt in der Hansestadt endete so wie er angefangen an: mit Verspätung. Waren die Nationalspieler am Montag erst nach und nach im Parkhotel eingetrudelt, so ließ nun der Abflug nach Helsinki ein bisschen auf sich warten. Allzu groß umgewöhnen muss sich die nationale Kicker-Elite nicht: Waren sie in den vier bremischen Tagen schon Temperaturen um die 15 Grad gewohnt, wird das Thermometer in Finnland nur zehn Grad anzeigen. Auch aus diesem Grund sei Bremen, befand Mediendirektor Wolfgang Niersbach, doch der ausgezeichnete Ort gewesen.

          Auch Lars Ricken fühlte sich in Bremen sichtlich wohl. „Ich muss beim `Fünf-gegen-Zwei` nicht mehr in die Mitte“, sagte der 24-Jährige zum beim Training im Weserstadion vollzogenen Anerkennungsprozess im Kreis der Nationalelf. Die wichtigste Veränderung, die auch im Verein die Grundlage, für seinen Formgewinn ist, bildet jedoch ein anderer Positionswechsel. „Dass ich im Verein und dann in der Nationalelf sogar in der Viererkette rechte Verteidiger gespielt habe, war ein einschneidendes Erlebnis“, verriet Lars Ricken. Das sei nun einmal nicht seine Position.

          „Deshalb habe ich Borussia Dortmund geraten, einen rechten Verteidiger zu kaufen.“ Im Kreise der Nationalmannschaft muss sich Lars Ricken nicht sorgen. „Michael Skibbe kennt mich, ich spiele hier zentral.“ Und wohl von Anfang an. „Er ist aus seinem Loch raus und hat derzeit die Nase vorn“, sagte Völler zu den Einsatzchancen, die sich aus der Sperre für Sebastian Deisler (sah gelb-rot in Griechenland) ergeben. Neben Ricken ist Michael Ballack in der Kreativ-Zentrale gesetzt.

          Bayern wieder mittendrin

          Wenn die WM-Qualifikation mit den undankbaren Aufgaben in Finnland (Sonnabend 19 Uhr) und Albanien (Mittwoch) weitergeht, gilt auch für die Spieler des FC Bayern das Motto „mittendrin statt nur dabei“. Oliver Kahn wird wie erwartet für Jens Lehmann das Tor hüten, Carsten Jancker aller Voraussicht für den indisponierten Bierhoff stürmen. Und als Dritter im Bunde bietet sich der wiedergenesene Thomas Linke für den Dreier-Abwehrblock an. Der 31-Jährige Verteidiger berichtete erfreut von seinem „verfestigten Sprunggelenk“. Und der Bayern-Recke war auch sichtlich bemüht, mit dem Eindrück aufzuräumen, manch Mitspieler (Mehmet Scholl: „Nach dem Champions League-Finale bin ich krank.“) sei ganz gerne malade. „Ich freue mich weiterspielen zu können“, verriet Thomas Linke, „Ich habe kein Problem im Kopf, mich dafür zu motivieren.“ Hungrige Talente, erfreute Rückkehrer, motivierte Bayern: Keine schlechten Voraussetzungen für den fünften Sieg im fünften WM-Qualifikationsspiel.

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