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Fußball-Nationalmannschaft : Form- und Formationssuche in Cardiff

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche: Rudi Völler Bild: dpa

Im Millennium-Stadion zu Cardiff probt die deutsche Nationalelf den Ernstfall für die WM. Nächstes Experiment: die Vierer-Abwehrkette.

          3 Min.

          Irgendwann muss ja mal der Ernstfall für die WM geprobt werden. Wenn schon die personell beängstigende Ausgangslage dies für das Testspiel in Wales (Dienstag 20.45 Uhr/ARD) nicht zulässt, dann wenigstens sollen die äußeren Umstände etwas vom japanischen Ambiente haben.

          Und so dient die Partie im „Millennium-Stadium“ von Cardiff nicht nur als Vorbereitung auf den WM-Gegner Irland sondern stellt auch gleich die Bedingungen für den Vergleich am 1. Juni in Sapporo gegen Saudi-Arabien nach.

          Hoher Krankenstand

          Wie der „Sapporo Dome“ ist auch das Stadion von Cardiff mit einem Hallendach versehen. Am Samstag vor einer Woche fand dort das englische FA-Cup-Finale statt, am Dienstag wird das Dach geschlossen. „Wir wollen den Spielern die Situation vor Augen führen“, sagte Bundestrainer Michael Skibbe.

          Skeptisch: Teamchef Rudi Völler

          Dummerweise kann nur wieder ein Teil der WM-Kandidaten genau hinsehen. Der fünf Spieler stark Block von Bayer Leverkusen befindet sich zeitgleich zwecks finaler Verpflichtung in der Champions League in Glasgow, andere wichtige Akteure sind im Krankenstand.

          Marko Rehmer kann nach seiner entzündeten Sehne im Sprunggelenk noch immer nicht richtig trainieren, bei Christian Wörns ist nach der Knieoperation nicht einmal die WM-Teilnahme gesichert. Der Dortmunder Mannschaftsarzt Michael Preuhs ist besorgt. Ob die Zeit für Wörns reiche, könne man noch nicht sagen.

          Viererkette für die WM vorgesehen

          Die unbefristeten Ausfälle von Rehmer und Wörns sind deshalb ein Problem, weil beide im Defensivbereich fest eingeplant sind. Vor allem für die von Völler derzeit bevorzugte Variante mit einer Vierer-Abwehrkette, in der Rehmer rechts und Wörns zentral gesetzt wären.

          In Wales werden nun Jörg Heinrich und Christian Ziege auf den Außenbahnen und wie gegen Kuwait abermals Christoph Metzelder und Thomas Linke zentral agieren. Die Frage nach dem richtigen System ist keine Glaubensfrage. „Dreier- oder Viererkette - wir können einiges ausprobieren“, meint Völler. „Mir ist das System egal, ich bin flexibel“, erklärt Metzelder.

          Ramelow zurückziehen?

          Und doch wird derzeit die Ausrichtung mit nur zwei zentralen Abwehrspielern bevorzugt. Andere Alternativen hat Völler verworfen. „Sebastian Kehl ist kein Abwehrchef. Diese Position spielt er in Dortmund auch nicht.“ Jens Jeremies wird ebenfalls nicht zurückgezogen, dem hat der Münchner gleich selbst widersprochen.

          Bleibt noch als Alternative, Carsten Ramelow als Absicherung gegen stärkere Kontrahenten - wie gegen Argentinien geschehen - auf der Position des verletzten Jens Nowotny einzubauen. „Er ist auf vielen Positionen wertvoll“, sagt Völler, „und das ist eine Möglichkeit für ihn.“

          Härtetest für Bode

          Doch in den Planspielen des Teamchefs geht die Tendenz zumindest für die WM-Spiele gegen die Saudis und Iren zu der vier Mann starken Abwehrformation. So ist auch Völlers Bekenntnis vor dem Kick in Cardiff zu verstehen. „Wir wollen mit vier Mann auf einer Linie spielen.“

          Das Quartett fürs Mittelfeld in Cardiff zeichnet sich ebenfalls ab: Dietmar Hamann, Jens Jeremies sowie die beiden Bremer Torsten Frings und Marco Bode sollen die Abwehr entlasten und den Angriff mit Oliver Bierhoff und Miroslav Klose einsetzen.

          „Wenn es nicht klappt, war die Vorbereitung ein Problem“

          Richtig eingespielt ist die Mannschaft nach sieben Tagen Vorbereitung nicht. Dennoch zog Völler nach dem Aufenthalt im Schwarzwald ein positives Fazit. „Es war eine gelungene Zeit“, fand der 42-Jährige.

          Ob die Nationalelf allerdings im Elztal wirklich weitergekommen ist, wird erst die Weltmeisterschaft zeigen. „Wenn wir gut abschneiden, war alles richtig“, sagt Jeremies. „Wenn es nicht klappt, war die Vorbereitung ein großes Problem.“

          Völlers Widerspruch

          Eigentlich ist sie das aber schon. Denn selbst das finale Vorbereitungsspiel auf deutschem Boden am Samstag gegen Österreich wird kaum dazu dienen, der Wunschformation näher zu kommen. Völler widerspricht sich sogar selbst. Einerseits will er sich „in Leverkusen der Mannschaft annähern, die in Japan das erste Spiel bestreiten soll“.

          Andererseits hat er den psychisch und physisch angeschlagenen Spielern von Bayer Leverkusen bereits in Aussicht gestellt, in vertrauter Umgebung nicht unbedingt mitwirken zu müssen. „Wir müssen sehen, ob es Sinn macht, die Leverkusener Spieler zweieinhalb Tage nach dem Champions-League-Finale einzusetzen.“

          Nationalelf bangt mit Bayer

          Zumal auch die Nationalmannschaft die Sorge erfasst, die Bayer-Profis könnten am 17. Mai traumatisiert zum Kader stößen. „Wenn sie das Finale auch noch verlieren“, erklärt der mitfühlende Jeremies, „dann müssen wir zusammenhalten und sie hochpäppeln.“

          „Im Prinzip hoffen alle, dass das Erfolgserlebnis kommt“, sagt Völler. Carsten Ramelow, Michael Ballack, Bernd Schneider und Oliver Neuville sind seit dem erlösenden Ukraine-Erlebnis Schlüsselspieler für den Teamchef. „Es sind jetzt einige dabei, die gehen auf dem Zahnfleisch.“ Da könnte es dem Bayer-Block ganz gut tun, in der BayArena außen vor zu bleiben.

          Also wird wohl alles darauf hinauslaufen, dass Völlers Wunschelf erst am 26. Mai zu besichtigen ist; im Testspiel im WM-Quartier von Miyazaki gegen eine japanische Junioren-Auswahl.

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