https://www.faz.net/-gtl-371p

Fußball-Nationalelf : WM-Laune macht Beine und Tore

  • -Aktualisiert am

Selbstvertrauen getankt: Bierhoff und Kollegen Bild: dpa

Trotz 15 Absagen siegte die deutsche Nationalelf mit 4:2 gegen die USA. Teamchef Völler nutzte das Ergebnis zu einem Plädoyer für die Verbliebenen.

          3 Min.

          Das Plädoyer war nachhaltig. Rudi Völler sprach lange und leidenschaftlich. So als wollte er wie die Mannschaft beim 4:2 (1:1) gegen die USA zeigen, dass personelle Probleme kein Handicap sind und es nach „einem Abend mit schönem Fußball“ kein Recht gibt, die Absagen zum Thema zu machen.

          „Diese Mannschaft hat einen Bombencharakter“, erklärte Völler und hob mit Nachdruck seine Stimme, „für jeden einzelnen lege ich die Hand ins Feuer.“ Bei allen 15 Akteuren, die den zweiten Test des Jahres in Rostock nicht absolviert hatten, sei das Risiko zu groß gewesen und es eben nicht gegangen. Und selbst wenn Wörns, Ballack, Kehl und Co. zum Wochenende wieder wundersam genesen, so sieht Völler den Schwerpunkt der Nachbetrachtung woanders.

          Erleichterter DFB-Teamchef

          „Ich bin nach den wilden Diskussionen erleichtert, dass die Zuschauer ein schönes Spiel gesehen haben.“ Sehr, sehr sehenswert sei es auch diesmal wieder gewesen. 4:1 gegen die Ukraine, 7:1 gegen Israel, 4:2 gegen USA: Länderspiele als torreiche Spaß-Events. „Vor der WM freut das die Leute“, sagt Völler. Und erschrickt seine ausländischen Kollegen.

          Auch Bruce Arena, der US-Coach, der mit dem knappen 0:1 gegen Italien unlängst ein Erfolgserlebnis feierte, blieb nur dieselbe Erkenntnis, die schon seine Gefährten aus der Ukraine und Israel machten. Dass entschlossene deutsche Nationalspieler in Sachen Kopfball- und Zweikampfstärke schon zur WM-Spitze zählen. Und Tore „mit Köpfchen“ produziert - den Kopfballtoren von Oliver Neuville (61.) und Torsten Frings (68.) standen das Freistoßtor von Christian Ziege (44.) und das nach der besten deutschen Kombination per Fuß erzielte 3:1 von Oliver Bierhoff gegenüber (65.).

          Werbeveranstaltung

          „Physisch waren wir den Deutschen nicht gewachsen“, gab Arena kleinlaut zu, „sie sind besser präpariert als die Italiener.“ Völler verblüfft das ein wenig. Vor allem weil er weiß, wie schmal der Grat bei diesen Testspielen ist, die nur allzu schnell zum Muster ohne Wert mutieren. Und dann erinnerte der 41-Jährige an seine Eigenerfahrung als Nationalspieler, als aus der werbenden Veranstaltung direkt eine geschäftsschädigende Peinlichkeit wurde.

          Dass personelle Probleme gegen die USA fürchterlich enden können, ist schließlich nicht allzu lange her. 1999 setzte es in ähnlichen Fällen gegen die patriotischen US-Boys jeweils Niederlagen (0:2 und 0:3). Damals in Jacksonville wurde Ronald Maul für Heiko Gerber eingewechselt und beide sah man anschließend im Kreis der DFB-Elite nicht wieder.

          Nun war das anders. „Alle die hier gespielt haben, haben sich empfohlen.“ Vor allem der erstmals von Beginn an auflaufende Bremer Torsten Frings, neben Bernd Schneider und Oliver Neuville stärkster deutscher Feldspieler. „Er hat sehr, sehr gut gespielt“, hob auch Völler ihn explizit heraus.

          Charakterstärke

          Vielleicht war auch in den Tagen an der Ostsee zu viel von den Fehlenden und zu wenig von den Verbliebenen geredet worden. Etwa von den Charakterstarken. Wie Thomas Linke, der „unbedingt meine erste WM spielen und dafür alles tun will.“ Oder den Nachrückern wie Torsten Frings, der sich „über diese Chance sehr freute“ und zeigen wollte, was er könne.

          Oder den Legionären wie Christian Ziege und Oliver Bierhoff, die jede DFB-Einladung als willkommene Gelegenheit nutzen „alte Freunde zu treffen“. Beide zählten zu den Torschützen, beide zählen fest zum Kreis der „an einem Strang ziehenden Einheit“ (Völler).

          Mit Deutschland ist zu rechnen

          Zusammen mit den nicht auf taube Ohren stoßenden Appellen an Moral und Mannschaftspunkt kam eine Vorstellung heraus, die nicht nur das Publikum im Ostseestadion zur Feierstunde und La-ola-Welle bewog. Mehr oder minder animiert auch die Akteure. „Ich hoffe, dass es so weitergeht“, sagte Neuville und räumte nach einem Satz das Podium des Presseraumes. Weit weniger wortkarg gab sich der neue Kapitän.

          Ziege fand, „dass mit Deutschland wieder zu rechnen ist“. Warum? „Bei uns braucht keiner Extrawürste.“ Bierhoff fügte der Erkenntnis, dass „ich wie alle anderen hervorragend gespielt habe“ noch die Einsicht an, dass diese DFB-Auswahl keinen Star mehr habe. „Dafür aber eine ausgeglichene Mannschaft, bei der man abwarten muss, wie es bei der WM läuft.“ Oder schon das nächsten Aufeinandertreffen mit Argentinien. Dieses Spiel am 17. April ist nicht nur für Bierhoff „der mit Abstand wichtigste Test vor der WM.“

          Nicht die Zeit der Entschuldigung

          Denn die Nationalelf ist immer noch nicht vor Rückschlägen gefeit. Die Amerikaner kamen durch Clint Mathis schließlich nicht nur zu zwei Toren, sondern auch zu weiteren Chancen. Der Defensivverbund erscheint in fast jedem Länderspiel nicht optimal abgestimmt. „Schwierigkeiten zwischen Frank Baumann und Bernd Schneider“ machte Völler diesmal dafür verantwortlich. Aber an diesem Abend nicht zum Hauptthema. Völler: „Es kann ja nicht sein, dass wir uns für vier oder sieben Tore nach einem solchen Spiel noch rechtfertigen oder entschuldigen müssen.“

          Weitere Themen

          Schlechte Gefühle bei der Eintracht

          Fußball-Bundesliga : Schlechte Gefühle bei der Eintracht

          Die Frankfurter bleiben in der Bundesliga ungeschlagen, aber in der entscheidenden Sekunde beim Spiel gegen den 1. FC Köln haut Daichi Kamada über den Ball. Trainer Adi Hütter spricht von „zwei verlorenen Punkten“.

          Topmeldungen

          Dresden: Kriminaltechniker und die Tatortgruppe des LKA Sachsen betrachten einen Tatort.

          Syrer festgenommen : Mutmaßlich islamistischer Angriff auf Touristen in Dresden

          Nach dem Angriff auf zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen am 4. Oktober wurde Haftbefehl gegen einen 20 Jahre alten Mann aus Syrien erlassen. Er ist „erheblich vorbestraft“. Es stehe der Verdacht einer islamistisch motivierten Tat im Raum, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
          Die Ministerpräsidenten im Oktober 2019

          Abdankung der Parlamente : Mehr Macht? Für wen?

          Solange sich der Bundestag als Kanzlerwahlverein, Mehrheitsbeschaffer und Personalreserve für die Regierung versteht, ist er eben nicht das Herz der Demokratie.

          Wieder mal ein Rückfall : Die chronische Krankheit des BVB

          Die Dortmunder verlassen Rom nach der 1:3-Niederlage in der Champions League schwankend zwischen Zorn und Ratlosigkeit. Solche Momente des Versagens sind ein wiederkehrendes Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.