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Fußball-Nationalelf : Scholl verzichtet auf die WM und tritt zurück

  • Aktualisiert am

Tut weh: Mehmet Scholl sagt die WM ab Bild: dpa

Deutschland gehen für die WM 2002 die „klugen Köpfe“ aus: Mehmet Scholl wird aus gesundheitlichen Gründen verzichten und aus der Nationalelf zurücktreten.

          Mehmet Scholl zelebriert Fußball. Tore und Tricks, Finten und Facetten prägen sein sehenswertes Spiel. Der 31-Jährige verkörpert einen selten gewordenen Spielertyp in der Bundesliga. Jedoch auch einen, der für Verletzungen äußerst anfällig ist: Komplizierte Operationen, schmerzhafte Verklebungen, entzündete Sehnen, lädierte Gelenke, Bänder-, Faser- und Einrisse sind ständige Begleiter seiner Karriere.

          Eine Karriere, der nun die weltmeisterliche Krönung versagt bleibt. Denn DFB-Teamchef Rudi Völler muss die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan endgültig ohne Mehmet Scholl planen. Seine offizielle Erklärung: „Auf Grund meiner gesundheitlichen Situation kann ich der deutschen Nationalmannschaft und Rudi Völler bei der WM nicht helfen.“

          36 Länderspiele und keines mehr

          Damit nicht genug: Der 36-fache Nationalspieler wird auch nie mehr das Dress mit dem Adler auf der Brust tragen. In einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ hat der Mittelfeldspieler auch noch seinen Abschied aus dem Nationalteam angekündigt.

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          „Ich erkläre hiermit definitiv meinen Rücktritt. Ich habe lange genug versucht, ein wichtiger Spieler für die Nationalmannschaft zu sein.“ Worte, die erahnen lassen, dass mehr als die Verletzungen der Grund für den Verzicht sind.

          Auskurieren statt Asien-Reise

          „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass Mehmet für die WM fit wird.
          Ich bedauere seine Entscheidung, muss sie aber akzeptieren, weil seine Begründungen nachvollziehbar sind“, meinte Rudi Völler nach einem Treffen am Montagabend mit dem Spieler.

          Offenbar will der sich lieber gründlich auskurieren, als in Asien anzutreten. Im August 2001 war Scholl am Knöchel operiert worden und rund vier Monate ausgefallen. Am Samstag stand er nach fast achtwöchiger Pause wegen Oberschenkel- und Rückenproblemen gegen Hertha BSC (3:0) erstmals wieder in der Startelf des FC Bayern.

          1994 nicht nominiert, 1998 verletzt

          Wie schon 1994 und 1998 wird es den WM-Spieler Scholl damit nicht geben. Bereits nach seinem 70-minütigen gelungenen Comeback für die Bayern am vergangenen Samstag hatte er durchblicken lassen, dass er der WM absagen werde. Der offenbar aufgeschreckte Rudi Völler war daraufhin am Montagabend nach München geflogen, um den Kreativspieler doch noch umzustimmen. „Er muss mit zur WM. Wir brauchen ihn“, hatte der DFB-Teamchef zuvor erklärt.

          „Eigentlich“, verriet Völler vor der Unterredung, „sollte Mehmet Scholl gegen Hertha noch gar nicht spielen. Nur wegen des Effenberg-Problemchens kam er überhaupt zum Einsatz.“

          Teamchef sprachlos

          Der Einsatz hat jedenfalls Spuren hinterlassen: Am Dienstag konnte der Europameister von 1996 wegen Sehnenschmerzen im Sprunggelenk nur Lauftraining absolvieren. Ein Einsatz am Wochenende beim VfL Wolfsburg scheint indes möglich.

          Doch seine Karriere ist von Verletzungen gezeichnet: 16 Wochen dauerte es, bis Mehmet Scholl nach einer Verletzung im Sommer 2001 wieder auf die Beine kam. Lange elf Wochen hat der Münchner gerade pausiert, als im Winter dieses Jahres erst ein leichter Bandscheibenvorfall eintrat, dann der Muskel des rechten Oberschenkels versagte.

          Es fehlen „kluge Köpfe“

          Fünf Wochen vor WM-Beginn kommt Scholls Entscheidung einem schweren Schlag für die Planungen des Teamchefs gleich. Ohne Scholl und einen womöglich nicht voll belastbaren Sebastian Deisler bleibt dem DFB-Teamchef nur noch Michael Ballack für die „Kreativabteilung“ im Mittelfeld. Wie sehr der Nationalelf solch „klugen Köpfe“ fehlen, war beim ideenarmen Auftritt gegen Argentinien deutlich zu spüren. Zumal Ballack in Sachen Dribbling nicht so stark wie Scholl oder Deisler agiert.

          Schonen für die Bayern?

          Er wolle, so erklärte Scholl, „die nächste Saison beim FC Bayern ohne Verletzungen“ durchziehen können. Dem Rekordmeister dürfte dies nach dem Abschied von Stefan Effenberg sehr entgegenkommen. Allerdings hatte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer in den vergangenen Tagen für eine Teilnahme Scholls in Südkorea und Japan plädiert.

          „Eine Absage wäre für mich unverständlich. Mehmet war noch nie bei einer WM. Wer ein großer Spieler werden will, muss einmal dabei gewesen sein“, sagte der „Kaiser“ und betonte zudem: „Seine Teilnahme ist für den deutschen Fußball extrem wichtig.“

          An einer Weltmeisterschaft hat der ehemalige Karlsruher, der seit zehn Jahren beim FC Bayern spielt, noch nicht teilgenommen. In die USA (1994) und nach Frankreich (1998) hatte ihn der damalige Bundestrainer Berti Vogts nicht mitgenommen. Lediglich bei der Euro 1996 war Scholl dabei: Im Finale gegen Tschechien (2:1 nach „Golden Goal“) wurde er für „Matchwinner“ Oliver Bierhoff ausgewechselt.

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