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Fußball : Multikulti verwirrt Finke

  • -Aktualisiert am

Lieber noch Mal nachzählen: Volker Finke Bild: dpa

Drei ausländische Spieler aus Nicht-EU-Ländern pro Team sind genug. Volker Finke hätte fast den vierten eingewechselt und seinem SC Freiburg so den Punkt gegen Dortmund geraubt..

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          Es gibt wohl solche Momente, da werden Sportjournalisten sofort aufmerksam, in Sekundenschnelle sind sie wach, starren ihr Gegenüber an und warten auf eine Antwort als gäbe es kein Entrinnen. Ein paar Medienvertreter stürzten sich am Samstag abend im Presseraum des Dreisamstadions regelrecht zum Tisch von Volker Finke.

          Vorbei an allen anderen, nur nach vorne in die erste Reihe. „Wie, warum, wieso“, die Fragen prasselten wie Hagelkörner auf den Trainer des Sportclub Freiburg herab. Das 2:2 gegen den entthronten Tabellenführer, die bemerkenswerte Aufholjagd seiner Mannschaft nach einem 0:2-Rückstand interessierte nur noch am Rande. Viel packender schien, dass es Finke um Haaresbreite so ergangen wäre wie einst Christoph Daum mit Stuttgart gegen Leeds United im Europapokal und Otto Rehhagel mit Kaiserslautern in der Bundesliga gegen Bochum.

          Für Tage waren sie zum Gespött der Branche geworden, weil sie einen vierten ausländischen Spieler einwechselten, der aus einem Nicht-EU-Land kommt. Bei Finke ist es bei einem Beinahe-Unfall geblieben. Als er da an der Linie stand und neben sich Zoubaier Baya als Ersatzmann hatte, da kam Soumaila Coulibaly angerannt und verhinderte das Mißgeschick in letzter Sekunde. Obwohl nichts passiert ist, „weil wir die Punkte am grünen Tisch verloren hätten“ wie Freiburgs Manager Andreas Rettig gestand, machte Finke keine besonders gute Figur. Er fühlte sich ertappt und reagierte gereizt und griff sogar zu einer Notlüge. Boubacar Diarra, so schwindelte Finke, habe inzwischen einen französischen Paß. Das ganze hätte also sowieso nichts ausgemacht.

          Das war natürlich mitnichten so. In dieser 63. Minute hätte Finke die Dortmunder fast zum Tabellenführer gemacht: mit einer falschen Einwechslung. Betreten gestand Manager Rettig: „So weit ich weiß, hat er noch keinen französischen Paß, der kommt wohl erst im April“. Was Finke in dieser Minute vielleicht durcheinander brachte, war das Gratulationsschreiben des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. „Das habe ich auch gesehen“, sagte Rettig. Zuvor hatte sich Finke eher herausreden wollen: „Hier passen viele Menschen zusammen auf“, sagte er genervt. Und Rettig versicherte: „Wir haben einen Trainer, der bis drei zählen kann“.

          Freiburgs Assistenztrainer Achim Sarstedt beeilte sich mit einer ganz anderen Erklärung. „Wir wollten uns bei But nur erkundigen, ob und wie lange er noch weiter spielen kann“. Die nächsten Tage werden sich die Freiburger wie damals Daum und Rehhagel Hohn und Spott anhören müssen, obwohl nur in der Theorie etwas passiert ist. But musste bleiben, der Wechsel wurde kurzfristig abgesagt. Finke hatte für Aufregung gesorgt und konnte noch so inbrünstig über die „starke Leistung“ seiner Mannschaft reden, kaum einer hörte ihm mehr zu. Dabei hätte sein Team das genauso verdient gehabt wie die Dortmunder, die nach einer starken ersten Halbzeit in einem sehr unterhaltsamen Spiel „viel zu spät gemerkt haben, dass wir hier gewinnen können“ wie BVB Stürmer Fredi Bobic meinte. Auch sein Trainer Matthias Sammer ärgerte sich angesichts der 2:0 Führung über das Unentschieden. „Die zwei verlorenen Punkte ärgern mich, sonst nicht viel. Dass wir die Tabellenführung verloren haben, damit kann ich leben.“

          Für Volker Finke gab es an diesem Abend nicht mehr viel Freude. Ein Punkt gegen den hohen Favoriten aus Dortmund, das war leider nicht mehr das Thema des Abends. Dafür hatte allein er gesorgt. Und eigentlich war nicht der zweifache Torschütze Adel Sellimi der die Treffer von Dede und Guiseppe Reina ausglich der Held, sondern eben dieser Soumaila Coulibaly, der warnend an die Seitenlinie rannte und rief: „Nix But“.



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