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Fußball : Magath in Frankfurt entlassen

  • -Aktualisiert am

Frisch entmachtet: Felix Magath Bild: dpa

Eintracht Frankfurt hat schneller gehandelt als alle dachten: Trainer Felix Magath ist entlassen worden.

          Die Amtszeit von Felix Magath hat nur knapp über ein Jahr gedauert. Aufsichtsrat und Vorstand der neuen Eintracht Frankfurt Fußball AG handelten nach dem 1:5-Debakel gegen den 1. FC Köln überraschend schnell. Der Trainer wurde entlassen, um die sportliche Krise zu beenden. „Ein Rückschlag“, gestand der Vorstandsvorsitzende Steven Jedlicki, „wir wollten eigentlich Kontinuität reinbringen.“ Nun hat der Verein den 14. Trainer der letzten zehn Jahre entlassen.

          Magath, erst am 19. Dezember 1999 eingestellt, wurde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Eine teure Entscheidung: Der Vertrag mit dem Coach lief noch bis 2003. Wie immer hat sich Magath eine Abfindung, schätzungsweise in siebenstelliger Höhe, festschreiben lassen. Jedlicki, der mächtige Mann der Eintracht, kommentierte den Rauswurf: „Es hat etwas nicht gestimmt. Wir haben bei unserem Gespräch am Sonntagmorgen den Enthusiasmus und die Ideen bei ihm vermisst, wie wir aus der Krise herauskommen.“ “

          Magath enttäuscht und frustriert

          Magath wollte die Vorwürfe nicht hinnehmen und reagierte enttäuscht wie frustriert: „Als ich hierher kam, war der Club fast in der Kreisklasse.“ Gar nichts sei vor einem Jahr vorhanden gewesen, wetterte der 47-Jährige, „wir hatten nur elf Punkte und einen Haufen Schulden. Eine Zukunft habe ich dem Verein gegeben.“ Jedlicki sah das anders und monierte, dass ihm bei Magath „für die Zukunft ein Plan“ gefehlt habe. Der Verein fühlte sich am Montagabend bei der Mitgliederversammlung bestätigt: Es gab Applaus bei der Verkündung der Magath-Entlassung.

          Vorwurf aus der Führungsetage: Magaths Machtanspruch sei zu groß gewesen. „Er wollte von uns hören, dass wir langfristig mit ihm arbeiten und er das alleinige Sagen hat“, kritisierte Jedlicki. Rechtsanwalt und Aufsichtsratsmitglied Robin Fritz, der für Octagon und die Eintracht AG alle Verträge abschließt, wurde noch deutlicher: „Wenn alles an die Öffentlichkeit gekommen wäre, wie Herr Magath bis zur persönlichen Beschimpfung hin seine Forderungen gestellt hat, das war schlicht und einfach unerträglich. Mit solchen Steinzeit-Konzepten kann man keine Mannschaft führen.“ Der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Gödel fügte hinzu: „Wir haben seine Persönlichkeit und überzogene Haltung gespürt. Er wollte der Einzige sein, der mit den Spielern sprechen durfte.“ Gödel: „Er wollte ja sogar verbieten, wer eine SMS an die Spieler verschickt. Das geht doch nicht. Die Spieler brauchen doch auch eine menschliche Wärme.“

          Toppmöller und Schäfer die Kandidaten?

          Als einer der Nachfolger gilt sicherlich Klaus Toppmöller, bereits in der Saison 1993/94 am Riederwald im Amt. Er hat nie ein Hehl draus gemacht, wieder in die erste Bundesliga zurückkehren zu wollen. Er trat vor der Jahreswende beim Zweitligisen 1. FC Saarbrücken zurück, weil die Saarländer ihm ein Engagement bei Bayer Leverkusen mit einer hohen Ablöseforderung versagten. Gehandelt wird auch Winfried Schäfer. Der Ex-Coach von TeBe Berlin weilte am Samstag bereits im Waldstadion, „das hatte aber nichts zu sagen“, so Gödel. Zur Spekulation Otto Rehhagel wollte der Aufsichtsratsvorsitzende keine Stellung beziehen.

          Bis auf weiteres soll Sportdirektor Rolf Dohmen, der zwischen 1980 und ´82 für den Karlsruher SC 59 Bundesligaspiele bestritt, das Training leiten und das Team auch am Sonntag in Rostock betreuen. Die Rolle von Magath-Intimus und Co-Trainer Manfred Kaltz ist noch nicht geklärt.

          Magaths Marotten und Methoden

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