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Fußball : Leverkusen lebt Sparsamkeit vor

  • Aktualisiert am

Bald bei Bayer: der Brasilianer Franca Bild: dpa

Ungewohnt zurückhaltende Töne, ungewohnte Zurückhaltung auf dem Transfermarkt: Bayer Leverkusen übt sich in Bescheidenheit.

          2 Min.

          Reiner Calmund probt gerade eine Diät. Der Erfolg ist am "XXL-Manager" noch nicht wirklich abzulesen. Dennoch könnte die Aktion durchaus symbolisch sein: Irgendwie spart der Herbstmeister gerade auf allen Ebenen.

          Da ist zum einen Trainer Klaus Toppmöller. Bayern sei Favorit, besser besetzt und, wenn alles normal laufe, auch der alte und neue Meister. Kein Wort von den gewichtigen Taten der Vorrunde. Schmalspur-Selbstbewusstsein.

          Franca kostet 7,5 Millionen Euro

          Nicht viel forscher geht der Verein auch auf dem Transfermarkt zu Werke. Bayer 04 Leverkusen hat mit Rücksicht auf die Lage des Mutterkonzerns auf eine Last-Minute-Aktion verzichtet und den Brasilianer Franca erst zum 1. Juli verpflichtet. Der 25-jährige Stürmer vom FC Sao Paulo wird nach Angaben von Bayer-Manager Reiner Calmund 7,5 Millionen Euro (14,67 Millionen Mark) kosten und einen Fünf-Jahres- Vertrag bis 2007 erhalten.

          Strecken für den Erfolg: Michael Ballack

          Damit beendete der Werksverein Überlegungen über einen Transfer Francas zum Rückrunden-Start. Eine Engagement schon in der Winterpause hätte nicht in die bundesweite Konjunkturlage und die finanzielle Situation der durch die Lipobay- Affäre belasteten Bayer AG gepasst, hieß es aus Vereinskreisen.

          150 Tore in 300 Spielen

          Franca spielt seit 1996 beim zweimaligen Weltpokalsieger und schoss in mehr als 300 Spielen rund 150 Tore für Sao Paulo. „Wir sehen Franca auf Grund seiner variablen Einsatzmöglichkeiten als absolute Verstärkung sowohl im Angriff als auch im offensiven Mittelfeld“, meinte Calmund.

          Mit Ulf Kirsten, Oliver Neuville, Dimitar Berbatow und Thomas Brdaric verfüge man über vier erstklassige Spieler. Außerdem stünden im offensiven Mittelfeld neben Bernd Schneider, Yildiray Bastürk und Zé Roberto auch Michael Ballack, der in der neuen Saison zu Bayer München wechselt, zur Verfügung.

          Ulf Kirsten bald Sportdirektor?

          „Wir glauben, dass dieser unveränderte Kader auch in der zweiten Saisonhälfte an die überzeugenden Leistungen der Hinrunde anknüpfen wird“, so Calmund. An den 1,83 Meter und 69 Kilogramm schweren Franca hatte im vergangenen Jahr auch der AC Florenz Interesse gehabt.

          Der neue Star trifft in Leverkusen auf seine Landsleute Zé Roberto und Lucio. Er könnte in die Rolle schlüpfen, die Bayer-Torjäger Ulf Kirsten langsam aufgeben will. Möglicherweise wird der 36-Jährige in der kommenden Saison die Doppelfunktion als Sportdirektor und Spieler auf Abruf übernehmen. „Die Entscheidung wird in den nächsten zwei Wochen fallen“, erklärte Kirsten.

          Für Leverkusen ist der Franca-Transfer einer der teuersten der Vereinsgeschichte. Für die neue Saison ist bisher noch Torsten Frings von Werder Bremen im Gespräch. Allerdings bemüht sich auch Borussia Dortmund um den 25-Jährigen. Calmund hat Frings gar in dessen Haus bei Bremen besucht - doch der umworbene Mittelfeldmann hat schon durchblicken lassen, dass er Dortmund bevorzugt.

          Vergangene Fehler vermeiden

          Aber auch mit dieser Niederlage kann Bayer offensichtlich leben. Keine forschen Töne, keine verbalen Attacken sind das Motto dieser Winterpause. Vielleicht lernt der Verein aber auch nur aus Fehlern der Vergangenheit.

          Es ist nicht allzu lange her, da propagierte Daum-Nachfolger Berti Vogts den Neuanfang nach der Winterpause. Dabei sollen gleich drei Neuzugänge - Lucio, Placente und Berbatov kamen für zusammen rund 32 Millionen Mark - helfen, den Traum von der Schale Wirklichkeit werden zu lassen. Wie er endete, weiß man noch zu genau.

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