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Fußball : Krise des Clubs: Nürnberg beklagt Seuche

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Nürnberger Depressionen Bild: dpa

Der 1. FC Nürnberg schwächelt: Seit fünf Spielen ist der Club ohne Sieg. Was sind die Gründe?

          2 Min.

          Das Gesicht eingefallen, die Miene angespannt: Klaus Augenthaler war die personifizierte Krise des Clubs. Selbst sein Duz-Freund Waldemar Hartmann vom Bayerischen Rundfunk vermochte am Montagabend den Weißbier-Trinker nicht aufzuheitern.

          „Ihr werdet es schon schaffen“, sagte Hartmann dem zugeschalteten Nürnberger Trainer. Doch der, der mit dem 1. FC Nürnberg allen Krisen zum Trotz, den Aufstieg erreichen wird, wirkte wie einer, der sein Schaffen gerade in Frage stellt. „Wir haben die Seuche“, stammelte Augenthaler, der mit depressivem Gesichtsausdruck im Dunkeln der Bremer Brücke stand.

          „So grausam kann Fußball sein“

          „So grausam kann Fußball sein“, stöhnte Augenthaler. Mühsam verbarg der Trainer des 1. FC Nürnberg seine Enttäuschung über die 1:2-Niederlage in letzter Minute beim VfL Osnabrück. Seit fünf Spielen ist der Spitzenreiter der zweiten Fußball-Bundesliga sieglos, der programmierte Aufstieg ins Oberhaus wird nicht zum glanzvollen Durchmarsch.

          Der Club verspielt die Krönung einer glorreich-erfolgreichen Saison. Von der Euphorie rund ums Frankenstadion ist keine Rede mehr. Bei einer Podiumsdiskussion kurz vor Ostern musste Augenthaler neben seiner Vorliebe für Zigaretten und Weißbier (“Ich will Mensch und kein Vorbild sein.“) erklären, warum der designierte Erstligist seinen Talentschuppen mit den Wiblishauser und Klos, Johansson und Jarolim nicht mit erprobten Führungsfiguren verstärkt.

          Absagen von Jörg Reeb und Peter Peschel

          Der Coach gestand ein, dass man sich etwa um Jörg Reeb bemüht habe. „Er hätte bei uns, inklusive aller Prämien, bis zu 1,8 Millionen Mark im Jahr verdienen können. Doch er hat beim 1.FC Köln unterschrieben - für 2,8 Millionen pro Jahr.“ Derart in Rage, redete der 43-Jährige auch über andere geplatzte Transfers.

          „Oder nehmen wir den Bochumer Peter Peschel. Auch den wollten wir, auch der wäre auch gekommen. Allerdings hat er die Klausel, dass er bei einem eventuellen Abstieg aus der Bundesliga Abstriche beim Gehalt machen müsste, nicht akzeptiert. Solche Dinge gibt es beim 1. FCN nicht mehr.“ Augenthaler und Club-Manager Edgar Geenen stehen für Solidität und Seriösität beim einstigen Skandalverein.

          Blackout von Andreas Köpke

          Sportlich ist es nun aber wieder schlimm gekommen beim Club: Geenen bangt schon vor dem nächsten Heimspiel, obwohl am Sonntag ein mutmaßlicher Absteiger ins Frankenstadion kommt: „Jetzt wird es auch gegen Ulm ganz, ganz schwer.“

          Dann wird Andreas Köpke fehlen. Osnabrück war für den ehemaligen Nationaltorwart eine traurige Station seiner Abschiedstournee. Nach 39 Minuten wurde sein Handspiel außerhalb des Strafraums mit der Roten Karte bestraft. „Der Osnabrücker Thioune hat den Ball vorher mit der Hand berührt“, ereiferte sich Köpke, der von Dariusz Kampa abgelöst wurde. Kampa fiel auch nicht viel ein, das andauernde Dilemma in Worte zu kleiden. „Es ist ganz bitter“, stammelte er, „wir fallen immer tiefer in das Loch.“

          Verkehrte Fußball-Welt

          Augenthaler wiederum redet seine Spieler zwar stark (“Wir haben eine junge Mannschaft, die halt auch Schwankungen hat.“), doch die Schwäche kann er nicht erklären. „Ich werde die Spieler nicht verdammen.“ Denn bei einem Abstiegskandidaten standen die Nürnberger unter Dauerdruck. Doch dann fiel in der zweiten Minute der Nachspielzeit das Osnabrücker Siegtor durch Christian Claaßen, der nach einer Ecke des überragenden Ansgar Brinkmann per Kopf traf.

          Während die Nürnberger geschockt vom Rasen schlichen, versanken Spieler und Fans des Aufsteigers in einem Freudenrausch. 16.100 Zuschauer feierten die Osnabrücker wie beim Elfmeter-Thriller im Juni 2000, als der VfL gegen Union Berlin gewann und nach sieben Jahren die Rückkehr in die 2. Bundesliga schaffte. Die Begeisterung an der traditionsreichen Bremer Brücke erinnert an die besten Zeiten des Vereins. Verkehrte Fußball-Welt: Der Beinahe-Absteiger feierte, der Fast-Aufsteiger trauerte.

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