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Fußball : Krawalle in Portugal

  • Aktualisiert am

Portugals Polizei trainiert den Ernstfall Bild: REUTERS

Das Fußball-Stadion in Guimaraes, eine von zehn Austragungsstätten der Euro 2004, wurde für 30 Tage geschlossen. Hintergrund sind die Ausschreitungen mit mehreren Verletzten nach der Partie zwischen Vitória de Guimarães und Boavista.

          Vier Monate vor der Fußball-EM herrscht im Gastgeberland Portugal wegen schwerer Krawalle bei einem Ligaspiel Bestürzung statt Vorfreude. Das für die Europameisterschaft vorgesehene Afonso-Henriques-Stadion in Guimarães im Norden des Landes ist am Dienstag für einen Monat gesperrt worden, und die Regierung erklärte den Kampf gegen Hooligans zur Staatssache.

          Hintergrund sind die Ausschreitungen mit mehreren Verletzten nach der Partie zwischen Vitória de Guimarães und Boavista (1:1) vom Sonntagabend. Sie wirkten auch deshalb wie ein Schock, weil genau dort vor einer Woche der ungarische Stürmer Miklos Feher von Benfica Lissabon auf dem Spielfeld tot zusammengebrochen war - die Bilder trauernder Fans gingen um die Welt. „Waren das nur Krokodilstränen?“, fragte eine portugiesische Zeitung am Dienstag.

          „Besorgt und beschämt zugleich“

          Nach einer von der Regierung einberufenen Krisensitzung reagierte die Disziplinarkommission der Liga jedenfalls mit Härte. Sie ordnete nicht nur die Schließung des Stadions an, sondern stellte auch das Sicherheitskonzept in Frage: „Daß nicht noch mehr passierte, ist angesichts der Untätigkeit und der schlechten Koordinierung der Polizei pures Glück.“ Die Randalierer seien „Primitivlinge“.

          Die Regierung erklärte, sie werde ein solches Verhalten nicht länger dulden. „Wir werden es nicht zulassen, daß die Investitionen und Anstrengungen so vieler Portugiesen in den Dreck gezogen werden“, sagte Sportstaatssekretär Hermínio Loureiro sichtlich irritiert. „Als Ausrichter der EM trägt Portugal eine große Verantwortung, wir müssen uns diese Anerkennung verdienen“, forderte er. Noch diesen Monat werde die Regierung im Parlament eine Gesetzesreform einbringen, die Hooligans von den Stadien fern halten soll. Verbandspräsident Gilberto Madaíl sagte: „Ich bin besorgt und beschämt zugleich.“

          Irrationaler Wahn

          Zu den Krawallen in der als „Wiege der Nation“ geltenden Stadt war es nach einem Platzverweis für Guimarães-Torwart Palatsy und anschließenden Handgreiflichkeiten zwischen den Spielern beider Mannschaften gekommen. Boavistas Keeper wurde am Kopf verletzt, die Schiedsrichter mit Stühlen beworfen. Die Polizei musste auf den Rängen gegen die Randalierer vorgehen, die im Stadion schwere Verwüstungen hinterließen. Der Bus der Gäste wurde mit Steinen beworfen. „Dies schadet dem Image der Region, des Landes und des Sports“, räumte der Chef der Lokalverwaltung, António Magalhães, ein.

          Die Regierung und die Ligaverantwortlichen riefen aber auch die Funktionäre zur Mäßigung auf. Unschöne Szenen hatte es am Wochenende nämlich auch beim Punktspiel zwischen Sporting Lissabon und dem FC Porto (1:1) gegeben. Dem Trainer der Gäste, José Mourinho, wird vorgeworfen, auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. „Er hat damit die Leidenschaft eines Fußballspiels an den Rand des irrationalen Wahns gebracht“, kritisierte die Zeitung „Público“. Die Gewalt in den
          Stadien werde durch solch verantwortungsloses Verhalten erst recht angeheizt.

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