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Fußball-Kongress der F.A.Z. : An 50+1 scheiden sich die Geister

  • -Aktualisiert am

Rettigs Polemik: „Die Klubs, die Investoren haben, können ja dann in einer eigenen Liga spielen.“ Bild: dapd

Die 50+1-Regel sorgt beim Football Summit für steile Thesen und reichlich Emotionen. Die einen wollen sie beerdigen, die anderen halten sie für die Rettung der Fußball-Seele.

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          „Die Klubs, die Investoren haben, können ja dann in einer eigenen Liga spielen.“ Die Aussage von Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli, war zwar nicht hundertprozentig ernst gemeint. Gleichwohl spiegelte sie die Debatte um die 50+1-Regel auf der dritten Fußball-Konferenz des F.A.Z.-Forums relativ gut wieder: Das Thema sorgte nicht nur für steile Thesen, sondern auch für reichlich Emotionen. „Die 50+1-Regel sollte beerdigt werden“, sagte Martin Kind, Präsident von Hannover 96. Dazu gebe es keine Alternative. „Fußballvereine sind Wirtschaftsunternehmen, nichts anderes“, sagte Kind. Die 50+1-Regel sei in der Praxis schon lange überholt, seit ihrer Einführung leide sie an Kinderkrankheiten, da „nicht alle Probleme zu Ende gedacht“ worden seien vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und von der Deutschen Fußball Liga (DFL).

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          Er akzeptiere, dass es andere Meinungen gebe, sagte der 96-Präsident. Allerdings gebe es seiner Ansicht nach keine Alternative zur Abschaffung der 50+1-Regel. Laut Kind sind 70 Prozent der Vereine schon Kapitalgesellschaften. Denn „das Kapital erwartet Investition, Haushalt und Geschäftsführung und hat die Entscheidung zu treffen.“ Die Vereine müssten sich auch in der Infrastruktur permanent weiterentwickeln. Kind teilte die Meinung von Karl-Heinz-Rummenigge: Die DFL sei eine GmbH, die Vereine könnten für sich selbst entscheiden. „Ich empfehle auch im Sinne des europäischen Wettbewerbs, dass die 50+1-Regel beendet wird.“ Mit Blick auf Andreas Rettig, Geschäftsführer des Zweitligaklubs FC St. Pauli, sagte Kind, es reiche nicht aus, sich einfach nur gegen die Aufhebung der Regel zu stellen, es brauche ein „Zukunftskonzept“.

          Auch Jörg Wulfken, Partner bei PricewaterhouseCoopers, plädierte für die Abschaffung der 50+1-Regel. „Für mich ist die Regel tot“, sagte er. Gleichwohl dürfe man den Fußball nicht in die Regellosigkeit entlassen. „Fußball und Wirtschaft haben eines gemeinsam: Man braucht gute Regeln und Verlässlichkeit“, sagte Wulfken. Es komme darauf an, das Kapital innerhalb des Vereins sinnvoll einzusetzen. Die 50+1-Regel bestimme jedoch nicht, was mit dem Geld geschieht, kritisierte er.

          „Wir betreiben Fußball für die Menschen“

          Rettig argumentierte in eine ganz andere Richtung. Er kritisierte Kind und seine Marschrichtung zur Öffnung der Investorenregel in Deutschland. „Wir müssen die Autonomie der Verbände stärken, damit der Fußball seine Bedeutung nicht verliert“, sagte der Geschäftsführer des FC St. Pauli. Fußball sei nicht nur wirtschaftlich und rechtlich zu verstehen, sondern auch im Sinne des Sports und der Menschen. Die Motivation der rund 1,3 Millionen Vereinsmitglieder in Deutschland bestehe darin, mitzubestimmen und teilzuhaben. „Sollte 50+1 fallen, fehlt mir die Phantasie, dass diese Leute weiterhin ihr Herzblut für ihren Verein geben“, sagte Rettig.

          Auch Peter Peters, Vorstand Finanzen und Organisation des FC Schalke 04 und Vizepräsident der DFL, verwies auf die Selbstbestimmung der Vereine, auf die man stolz sein könne. Auf dieser Grundlage, sagte er, werde es eine „vernünftige, moderate Weiterentwicklung“ geben. „Jeder Klub hat eine Seele. Wir betreiben Fußball für die Menschen. Trotzdem weiß ich nicht, wie die Vereine in 100 Jahre ticken.“

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