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Fußball-Kommentar : Entschuldigen Sie mal, Herr Zwanziger!

  • -Aktualisiert am

„Eine Entschuldigung von Ballack reicht nicht”: DFB-Präsident Theo Zwanziger Bild: dpa

Ballack wählte für seine Kritik den Weg über die Medien. Auch Löw und Co. gingen mit ihren Kontern an die Öffentlichkeit. Nur Bierhoff schweigt - und legt damit eine Handlungsweise an den Tag, die er derzeit exklusiv hat.

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          Wo steckt eigentlich dieser Bierhoff? Da tobt dieser interessante Streit in der Nationalmannschaft, und was macht der Manager? Sagt einfach kein Wort dazu – obwohl er doch den Sommer über so ausfüllend mit Ballack gestritten hatte – und legt damit eine Handlungsweise an den Tag, die er derzeit exklusiv hat. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Der Mann kann seine Füße tatsächlich ruhig halten, deren Herkunft Rudi Völler ja einst in einem ganz anderen Zwist in Malta und nicht in Brasilien ortete. Oder aber, er hat nicht nur einen klugen Berater, sondern hört auch noch auf ihn. Hätte er auch exklusiv.

          Ansonsten gilt: Der Vorwurf an Ballack, mit seinem Anliegen – was immer es mit welcher Absicht gewesen sein mag – an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, wird mit barer Münze zurückgezahlt. Die Öffentlichkeitsarbeit des DFB sei eine Katastrophe, hieß es deshalb aus München, und wenn sich einer mit geschickter Krisenbewältigung auskennt, dann ja wohl Uli Hoeneß, der gelassene Großmeister im Umgang mit Kritik. Aber hat er diesmal vielleicht sogar recht?

          Auf Ballack warte kein Gespräch, sondern eine Anhörung

          Wenn selbst Ottmar Hitzfeld zustimmt, der Erfinder der nichtssagenden Fußballdiplomatie, der jedem Streit aus dem Weg ging und ihn im Zweifel lieber in sich hineinfraß, bis die Wangen hohl wurden? Er wäre längst nach London geflogen, hatte Hitzfeld gesagt und sich damit so weit aus dem Fenster gelegt, wie man es einst nach Rummenigges Theorieentwurf über den Zusammenhang zwischen Rotation und Mathematik erwartet hatte.

          Und der Bundestrainer? Schweigt seit seinem ersten öffentlichen Wutanfall in der Regel, und seine Äußerungen über die angekündigte Ballack-Entschuldigung sind der DFB-Homepage entnommen. Das hätte man sich im Dienst der Sache auch noch sparen können, aber Löw musste ohnehin nie was sagen, weil sein Anwalt derweil den Zeitungen verraten hat, was wohl jeder wissen sollte. Wieso eigentlich der Anwalt? Na, egal, auf jeden Fall warte da nämlich kein Gespräch auf Ballack, sondern eine Anhörung. Aha.

          Öffentliche Retourkutsche: Nach London? Ich? Niemals!

          Der Deeskalationseffekt dieser Information hielt sich merkwürdigerweise in Grenzen. Nur den Vorwurf von Hoeneß und Hitzfeld konnte sich Löw natürlich nicht bieten lassen. Prompt kam die öffentliche Retourkutsche: Nach London? Ich? Niemals! Aber wenn alle mitreden, will auch der Präsident mal was sagen. Nun haben Präsidenten wohl selten Berater oder lassen sich nichts sagen. Also sprach Theo Zwanziger: Eine Entschuldigung von Ballack reiche nicht – aber er werde jede Entscheidung des Bundestrainers mittragen. Auch interessant, wenn auch zugegebenermaßen reichlich unlogisch.

          Nur der Bierhoff schweigt und freut sich vielleicht, weil er derweil unbemerkt in Südafrika nach Hotels suchen kann, die den Medienvertretern die Arbeit bei der WM 2010 bestmöglich erschweren oder zumindest verteuern werden. Das hat schon ganz gut hingehauen bei der Alpen-EM, geht aber bestimmt noch viel besser. Und jetzt redet keiner darüber. Wir sind mitten in einer großen Verschwörung!

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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