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Fußball : Jürgen Klopp: 325 Mal auf dem Platz - jetzt daneben

  • -Aktualisiert am

Jürgen Klopp: Gestern Spieler heute Trainer Bild: dpa

Er gehört zum FSV Mainz 05 wie das marode Stadion, der ständige Abstiegskampf und die wechselnden Trainer. Jürgen Klopp. Nach 325 Spielen ist er auf die Trainerbank gewechselt.

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          Der Mann ist eine Symbolfigur am Bruchweg: 325 Zweitligaspiele hat Jürgen Klopp seit 1990 für den FSV Mainz 05 bestritten, zunächst als Stürmer (52 Tore), später als Verteidiger. Technisch, das gibt der 33 Jahre alte Diplom-Sportwissenschaftler unumwunden zu, gehörte er nie zu den Besten.

          Unermüdliche Einsatzbereitschaft und taktisches Verständnis sind die herausragenden Eigenschaften von Klopp, der in Mainz seit sechs Tagen eine neue Mission hat: Als Interimstrainer soll er den kriselnden Klub vor dem Abstieg retten. Teil eins und zwei des neuen Jobs hat er mit maximalen Erfolg gelöst. Einen Tag nach der Entlassung von Eckhard Krautzun gewann Mainz 05 gegen den MSV Duisburg (1:0), am Samstag 3:1 gegen den Chemnitzer FC. Am Sonntag einigten sich FSV-Präsident Harald Struntz und Klopp auf einen Trainerjob bis zum Saisonende. Verhandlungen über eine Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus sollen in Kürze geführt werden.

          Kultstatus in Mainz

          Damit ist Klopp hinter Matthias Sammer (Borussia Dortmund) der zweitjüngste Trainer im deutschen Profi-Fußball. Klopp ist der richtige Mann am richtigen Ort. Keiner kennt die Gesetzmäßigkeiten im Mainzer Fußball so gut wie er, in den zurückliegenden elf Jahren hat er mit dem Klub siebenmal gegen die Drittklassigkeit angespielt und niemals verloren. Zwei Cheftrainer, René Vandereycken und Krautzun, haben sich in dieser Saison schon versucht am Bruchweg - beide scheiterten. Vandereycken verstrickte sich in diversen Systemumstellungen und wurde nach zwölf Spieltagen von den Mainzer Fans aufs Widerwärtigste beschimpft und dann entlassen; Krautzun brachte in neun Spielen nur sechs Punkte auf die Habenseite. Klopp ist der mittlerweile sechste 05-Trainer in zwölf Monaten, und sein Aufstieg vom rechten Verteidiger zum verantwortlichen Übungsleiter war eine unerwartete, aber nicht unlogische Beförderung. Als Mitglied des Trainerstabs war er langfristig ohnehin vorgesehen. Kurz vor dem Schlußpfiff gegen Chemnitz waren alle Kameras ausschließlich auf ihn gerichtet. Klopp hatte die Hände in den Jackentaschen vergraben - und lächelte. „Nein“, sagte er, „Streß hatte ich nicht.“

          Als „die Woche der Wahrheit“ noch unter Krautzun mit 1:3 in Fürth begonnen hatte, besann man sich auf eine naheliegende Personalie: Jürgen Klopp. Der ist zwar im Besitz des A-Trainer-Scheins, als weitere berufliche Qualifikation ist aber nur seine Tätigkeit als D-Jugendtrainer von Eintracht Frankfurt bekannt. Das war vor zehn Jahren. Der Rest ist die Geschichte von der Karriere im ICE-Tempo. Aus dem Kader für das Duisburg-Spiel strich sich Klopp selbst, und nach dem Schlußpfiff gegen Chemnitz hallte es durchs Stadion: „Jürgen, Jürgen...“ Der Kultstatus von Klopp in Mainz hat beinahe beängstigende Ausmaße erreicht, aber um Personen, das betont er immer wieder, gehe es bei der Trainerfrage ganz gewiß nicht. „Wir stehen da unten in der Tabelle nicht grundlos drin.“ Das klingt nach einem gehörigen Anteil Mitschuld der Mannschaft und individuell angestrebter Wiedergutmachung.

          „Die Wende ist eingetreten“

          Angriffsflächen bietet der Dreiunddreißjährige noch keine. Er genießt das Vertrauen von 05-Manager Christian Heidel und Präsident Strutz. Klopp ist eloquent und höflich, die branchenüblichen Floskeln und Durchhalteparolen sind ihm fremd. Bislang sind auch keine Psychotricks, wie sie einst sein Lehrmeister Wolfgang Frank in Mainz anzuwenden pflegte, bekannt geworden. Der gebürtige Schwabe aus Freudenstadt im Schwarzwald konzentriert sich auf das Wesentliche. Er appellierte an das Verantwortungsbewusstsein seiner ehemaligen Mitspieler, förderte die Tugenden Leidenschaft und Einsatzbereitschaft. Und erläuterte an der Magnettafel, wie die Mainzer Profis beim Ballbesitz des Gegners zu stehen haben. „Die Wende, die wir haben wollten, ist eingetreten“, sagt Heidel.

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