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Fußball im Fernsehen : Bundesliga droht langfristig Minus

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Der Vertragspoker um die Rechte an der Fußball-Bundesliga beginnt möglicherweise in Kürze wieder von vorn.

          Der Fußball-Bundesliga drohen weitere Einnahmeverluste aus dem Fernseh-Geschäft. Weil die Lizenzsummen aus dem derzeit gültigen TV-Vertrag nicht zu refinanzieren sind, prüft die Infront Sports & Media AG mit ihrem Minderheitgesellschafter Günter Netzer offensichtlich, die erst vor kurzem erworbenen Bundesliga-Rechte wieder zurückzugeben.

          Tom Bender von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) versicherte am Sonntag, dass die Vereine nicht unmittelbar betroffen und die Einnahmen von jährlich 290 Millionen Euro bis 2004 gesichert seien. Die Prüfung der Rückgabe an die insolvente Kirch-Media macht aber deutlich, dass die Proficlubs langfristig mit noch weniger Geld rechnen müssen.

          Kernproblem: Sat.1 macht mit Fußball Minus

          Infront muss der Deutschen Fußball Liga (DFL) jeweils 290 Millionen Euro für diese und die kommende Saison überweisen. An Honoraren kassiert das Unternehmen allerdings nur rund 260 Millionen Euro. Premiere (148 Millionen), SAT.1 (80) sowie ARD und ZDF (19) zahlen dabei den Hauptanteil.

          Infront hat nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ Optionen, am 31. Januar oder am 31. März 2003 aus dem Vertrag auszusteigen. Die Bundesliga-Rechte würden dann an die insolvente Kirch-Media und ihre Gläubiger zurückfallen, die wiederum einen neuen Käufer suchen müssten. Kernproblem ist, dass Sat.1 mit der Bundesliga-Berichterstattung seit Jahren Minus macht und bei den derzeitigen Kosten ein Ausstieg immer wahrscheinlicher wird.

          Infront kann nicht auf höhere Einnahmen hoffen

          Ohne entsprechende Einnahmen aus dem so genannten Free-TV-Geschäft würde auch Infront als Zwischenhändler kein Geschäft machen können. „Es gibt noch keine Preisvorstellungen“, sagte Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler am Sonntag. Im ersten Quartal des neuen Jahres werde es voraussichtlich eine Entscheidung über die Zukunft von „ran“ geben. Faßler dementierte die „Spiegel“-Meldung, dass Sat.1 nur noch 50 Millionen statt bisher 80 Millionen Euro für die Erstrechte im Free TV zahlen will.

          Angesichts der Werbekrise ist kein anderer Sender in Sicht, der Infront eine Lizenzsumme in dieser Höhe zahlen könnte. Das Konsortium mit Netzer und anderen Managern sowie den Geldgebern Robert Louis-Dreyfus und Jacobs AG, das sich vom 1. Januar an offiziell Infront nennt, hatte das Sportrechte-Geschäft im Oktober erworben. Als Nachfolgerin der KirchSport AG besitzt Infront ein riesiges Rechtepaket, in dem neben der Fußball-WM 2006 auch die Bundesliga enthalten ist.

          Die 36 Profivereine erhalten daraus insgesamt 580 Millionen Euro für die laufende und für die kommende Bundesliga-Saison. „Der Vertrag mit uns ist nicht kündbar, und es gibt keine Ausstiegsklausel“, sagte Bender. Die Zahlungen sollen, anders als im alten Vertrag, abgesichert sein.

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