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Fußball : Hoeneß: Hitzfeld zu ehrlich zu jungen Spielern

  • -Aktualisiert am

Uli Hoeneß: „Geld ist nicht das Maß aller Dinge” Bild: dpa

Uli Hoeneß hat noch zwei große Ziele: Champions-League-Sieger werden und ein neues Stadion in München bauen. 2005 geht er in Rente.

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          Es gab Zeiten, da hat Uli Hoeneß jedes Talent auf dem deutschen Fußball-Markt weggekauft. Extrembeispiel ist der Karlsruher SC, dessen Aufbauarbeit der Manager von Bayern München in den 90er Jahren Saison für Saison zerstörte. Michael Sternkopf machte 1990 den Anfang, 1992 kam Mehmet Scholl, 1994 Oliver Kahn und 1997 Michael Tarnat und Thorsten Fink im Doppelpack.

          Doch die Zeiten sind für Hoeneß und die Bayern härter geworden. Zuletzt musste sich der erfolgreichste Manager der Bundesliga reihenweise Absagen gefallen lassen. „Das ist ein Prozess, den müssen wir momentan so akzeptieren“, sagte Hoeneß bei den Sport-Business-Tagen in Frankfurt. „Wir wollen nicht mit dem Geld um uns werfen.“ Sebastian Deisler, Christian Timm und Tomas Rosicky waren die jüngsten Niederlagen am Verhandlungstisch.

          Die Dortmunder waren cleverer

          Wie schmerzhaft die Absagen den 49-Jährigen getroffen haben, zeigt seine Spitze gegen Trainer Ottmar Hitzfeld. „Geld ist nicht das Maß aller Dinge. Hitzfeld ist bei uns in jedem Gespräch dabei und manchmal ist er leider zu ehrlich zu den jungen Spielern“, meint Hoeneß. Beispielsweise habe Hitzfeld Christian Timm klar gemacht, dass Mehmet Scholl natürlich nicht rausgeworfen werde. Aber Scholl sei 30 Jahre alt, Timm erst 20, in zwei Jahren passe das perfekt. Ergebnis: Timm blieb beim 1. FC Köln.

          Zweites Beispiel ist das tschechische Spielmacher-Talent Tomas Rosicky. Hoeneß: „Da waren die Dortmunder cleverer. Die haben ihm das Trikot mit der Nummer zehn vor die Nase gehalten und gesagt, darin spielst du. Bei uns trägt Herr Effenberg die zehn und da muss Rosicky erst reinwachsen. Und das wollen die jungen Spieler heute nicht mehr.“ Der Fall Deisler ist ähnlich. Bruder und Manager Kollege Dieter Hoeneß gab dem starken Techniker eine Spielgarantie. „Dafür muss er jetzt immer spielen, auch wenn er verletzt ist“, meckerte Uli Hoeneß.

          Personen nicht Strukturen

          Doch die Kritik an Ottmar Hitzfeld ist berechtigt und könnte auch heftiger ausfallen. Der Erfolgstrainer hat ein kleines Makel, er kann nicht mit jungen Spielern umgehen. Und das ist in der ganzen Liga bekannt. In Dortmund gelang es ihm nach Meistertitel (1996) und Champions-League-Sieg (1997) nicht, die Mannschaft zu verjüngen und einen Neuanfang zu starten. Trotz aller Erfolge schwehlt in München der gleiche Konflikt. Derzeit versucht Hoeneß mit dem englischen Verteidiger Sol Campell (26 Jahre) von Tottenham Hotspur und Jegor Titow (24) von Spartak Moskau wieder zwei gestandene Profis nach München zu locken.

          Obwohl der FC Bayern bei den Spielergehältern längst nicht mit der europäischen Konkurrenz aus Italien, Spanien und England mithalten kann, lehnt Hoeneß einen Börsengang des FC Bayern weiter ab. „Ich wehre mich dagegen, dass die Leute sagen, man muss eine AG sein, um Spieler zu kaufen, das ist Blödsinn.“ Im Fall Borussia Dortmund sei der Schritt aber sinnvoll und richtig gewesen, meinte Hoeneß. Der Erfolg eines Fußball-Vereins hänge allerdings von den Personen ab, nicht von seiner Struktur. „Auch eine AG nützt nichts, wenn die Personen nichts sind“, sagte der Manager und ließ den Namen Eintracht Frankfurt fallen.

          Auf einen Tag, an dem seine 1979 gestartete Manager-Karriere beim FC Bayern endet, will sich Hoeneß nicht festlegen lassen. Die Rahmendaten stehen jedoch fest. Zwei große Wünsche hat Hoeneß noch: Champions League Sieger werden und mit Bayern München in ein neues Münchener Stadion (“Das schönste in Europa.“) führen. Das Stadion soll trotz aller Widrigkeiten 2005 stehen, der Champions-League-Sieg müsse ja nicht ganz so lange dauern.

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