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Fußball : Hansa hadert mit dem Schiedsrichter

  • -Aktualisiert am

Unverhoffter Jubel: Hertha BSC Bild: dpa

Das Spiel war enttäuschend, hatte keinen Sieger verdinet. Weil Hertha trotzdem siegte, war Hansa sauer auf den Schiedsrichter.

          3 Min.

          Wenn sich nach einer Bundesligapartie ein Dutzend schreibender Journalisten und mehrere Kamerateams auf den Schiedsrichter stürzen, ist das ein schlechtes Zeichen für den so genannten Unparteiischen. Der Referee als Hauptperson für die Medien - so spielte sich das auch in den Katakomben des Berliner Olympiastadions nach der Partie Hertha BSC gegen Hansa Rostock ab, Endstand 1:0.

          Jürgen Aust aus Köln war immerhin Manns genug, Rede und Antwort zu stehen. „Mit mir", sagte Friedhelm Funkel, der Trainer des FC Hansa Rostock, „wollte Herr Aust ja nicht reden und mir sein Verhalten erklären. Er hat mich einfach stehenlassen.“ Funkel sagte dies eine halbe Stunde nach seinem 250. Auftritt als Fußball-Lehrer in der Bundesliga mit ironischem Unterton. Zuvor war er noch deutlicher geworden. „Das war glatter Betrug, was Aust gemacht hat. Wir sind hier hundertprozentig benachteiligt worden", sagte Funkel erregt. Dabei war es für den Betrachter auf den ersten Blick nicht so leicht ersichtlich, warum Funkel sich so echauffierte.

          Streitpunkt: verweigerte Einwechselung

          Weder hatte Aust einen fragwürdigen Elfmeter gepfiffen, noch fälschlicherweise ein Tor aberkannt, oder eines für Hertha gewertet, das gar keines war. Nein, ganz banal: Jürgen Aust hatte lediglich eine Einwechslung der Hanseaten gestoppt. Das sorgte dafür, dass Funkel tobte, Torhüter Martin Pieckenhagen beim Gang in die Kabine Reporter beiseite schubste und andere Spieler Gegenstände in Richtung des Referees warfen. „Das entscheidende Tor wäre nie gefallen, wenn wir hätten einwechseln können", schimpfte Hansas Übungsleiter.

          Das muss erklärt werden. Es lief die Nachspielzeit. Genauer gesagt die 93. Spielminute, die es laut Statistik gar nicht gibt, aber im wahren Leben eben doch. Viele der 40.895 Fans waren auf dem Heimweg, 7.000 Rostocker feierten einen Punktgewinn. Denn alles schien klar um 17.20 Uhr: Eine gähnend langweilige Partie, in der sich beide Ensembles in der Produktion von Fehlpässen, Querschlägern und anderen Unzulänglichkeiten überboten hatten, endet mit dem einzig gerechten Ergebnis: Null zu null. Das Spiel war noch einmal unterbrochen, und Funkel sich mit dem Schiedsrichter-Assistenten über die Einwechslung von Timo Lange für René Rydlewicz einig. Weil der es aber ebensowenig eilig hatte, vom Feld zu kommen, wie zuvor seine ausgewechselten Kollegen Baumgart und Majak, sah sich Aust zum Handeln veranlasst: „Ich habe die Auswechslung unterbunden, weil sie zu schleppend verlief. Schon die beiden Auswechslungen zuvor liefen zögerlich ab. Ich hatte die Befürchtung, dass wieder auf Zeit gespielt wird."

          „Aust hat Zeit gestohlen und Punkt geklaut“

          Während Rydlewicz also in Richtung seines Trainers zur Seitenlinie trabte, ging das Spiel plötzlich weiter, weil Aust dies so anordnete. Nur wenige Augenblicke später gelangte der Ball von Piotr Reiss auf Pal Dardai, der aus 18 Metern für die Entscheidung sorgte - mit Herthas 17. Torschuss, dem nur vier der Rostocker entgegen standen. Man könnte sagen: Hansa hatte spät die Quittung für seine Mauertaktik bekommen. Doch das war den Gästen von der Ostsee zu einfach. „Ich kenne keine Regel, die dem Schiri so etwas erlaubt", sagte Funkel.

          Auch seine Spieler waren wütend. Weil Aust die Begegnung insgesamt fünf Minuten länger laufen ließ, sagte Verteidiger Rayk Schröder: „Der Aust hat uns erst die Zeit gestohlen - und dann auch noch einen Punkt geklaut." Aust fastigte mit seinem sein Verhalten die Hansa-Verschwörungstheorie, die schon nach einer der in Berlin üblichen, albernen Statistik-Einblendungen auf der Anzeigentafel („Hertha gewann die letzten fünf Heimspiele unter der Leitung von Aust") aufgekommen war. „Herr Aust wollte sich wohl seine Beliebtheit bei Hertha BSC erhalten", spottete Hansas Vorstandschef Eckhardt Rehberg. Noch am Samstag kündigte Hansas Führung an, man werde das Regelwerk nun genau prüfen und erwäge einen Protest.

          „Alles andere ist Mumpitz“

          Die Rostocker Verärgerung komplett machte die Gelb-Rote Karte, die der Unparteiische im allgemeinen Getümmel nach dem Tor Marcus Lantz gezeigt hatte. Der erregte Akteur habe ihn angefasst, erklärte der Spielleiter später.

          Immerhin hatte eine gähnend langweiligen Partie so noch eine spannende Komponente. Denn obwohl die Tabelle die Diskussion eigentlich aufdrängt, macht es wenig Sinn, angesichts der Leistung gegen Hansa, über Titelchancen für Hertha zu philosophieren. Das reine Zahlenwerk, 43 Punkte bedeuten nur drei weniger als sie Primus Bayern auf dem Konto hat, suggeriert: Hertha ist eine Top-Mannschaft. Aber spielerischen Glanz gab es nur selten von der Hauptstadt-Elf. „Wir denken von Spiel zu Spiel", sagte Torschütze Dardai, „und wenn wir am Ende Meister sind, bin ich froh." Nun habe man sich mit schwachen Auftritten in die Spitzengruppe vorgedribbelt - was sei wohl möglich für sein Team, wenn derzeit verletzte Kreativkräfte wie Deisler und Beinlich zurück kehren wurde Trainer Jürgen Röber gefragt. „Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen, auf die Meisterschaft. Wissen Sie was: Wir wollen um die Champions-League-Plätze mitspielen - alles andere ist Mumpitz." Manager Dieter Hoeneß schloss sich sofort an: „Wir sind kein Titelkandidat, für uns ist Platz drei oder vier drin."

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