https://www.faz.net/-gtl-373y

Fußball : Hang zu Frauen wird Hany Ramzy zum Verhängnis

  • Aktualisiert am

Ausgespielt: Hany Ramzy Bild: dpa

Wegen sexueller Nötigung wurde Hany Ramzy zu acht Monaten Freihheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Ägypter ist beim 1. FC Kaiserslautern fristlos entlassen worden.

          Ein Mann hat sich ins Abseits manövriert. Hany Ramzy ist sein Hang zum weiblichen Geschlecht, eine ebenso entwickelte Leidenschaft wie sein Engagement beim Fußball, zum Verhängnis geworden.

          Der 1. FC Kaiserslautern hat den 32 Jahre alten Kapitän der ägyptischen Nationalmannschaft sofort ausgemustert, nachdem er ohne Wissen seines Arbeitgebers wegen sexueller Nötigung zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war.

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hat Ramzy im August letzten Jahres eine ihm flüchtig bekannte Frau gegen ihren Willen an sich gezogen und sie unter körperlicher Kraftanwendung gezwungen, sich von ihm küssen und anfassen zu lassen. Der Defensivspieler habe die Tat gestanden, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft vom 1. März 2002.

          Immer voller Einsatz: Hany Ramzy

          Bild der Familienidylle trog

          Vorstandschef Jürgen Friedrich vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserlautern hat eine Begnadigung ausgeschlossen. „Die Grenzen sind überschritten worden. Wir wollen keinen Eiertanz“, begründete Friedrich, der sich lediglich noch zu einem Gespräch mit Ramzys Anwalt trifft. Nun steht der lebenslustige Profi vor einem Scherbenhaufen. Er hatte erst am 10. Januar in seiner Heimat seine langjährige italienische Freundin Emanuela geheiratet, mit der er einen halbjährigen Sohn hat. Doch das Bild der Familienidylle trog ohnehin.

          Hany Ramzy: Das war vordergründig der leidenschaftlich kämpfende Defensivspieler, der es mit eher bescheiden ausgestatten fußballerischen Mitteln verstand, das Optimum an Leistung dank hohen kämpferischen Einsatzes herauszukitzeln. Doch sobald er sich der dreckverschmierten Arbeitskleidung entledigt hatte, trat die Wandlung ein: Wenige Stunden später sah man ihn adrett gekleidet in fast allen gängigen Szene-Kneipen, Bars und Diskotheken.

          Affären des attraktiven Ägypters

          Das war in seiner Schweizer Zeit beim Xamax Neuchatel so, das war in seiner besten Phase, den vier Jahren zwischen 1994 und 1998 beim SV Werder Bremen so. Ramzy ging viel und gerne aus - und in unmittelbarer Nähe meist eine oder mehrere attraktive junge Damen. Ramzy war beliebt - in Bremen brüsteten sich Frauen oft gar, eine Affäre mit dem attraktiven Ägypter gehabt zu haben. Seine Vorliebe wiederum für das weibliche Geschlecht war in der Szene bekannt.

          Otto Rehhagel hat das geduldet, in Kaiserslautern, wohin ihn Rehhagel 1998 lotste, sah man ebenfalls generös über derlei „Aktivitäten“ hinweg. Zumal sich um Ramzy zwar viele Gerüchte rankten, indes selten konkrete Ärgernisse aber an die Öffentlichkeit drangen.

          Körperliche Kraftanwendung

          Doch nun ist Gegenteiliges passiert. Das Amtsgericht hatte festgestellt, dass Ramzy im August vorigen Jahres in einer Gaststätte in Kaiserslautern die sexuelle Straftat beging. Er zog die Frau gegen ihren Widerstand an sich, und nötigte sie sexuell.

          Im Hinblick auf die schutzwürdigen Interessen der Frau sei keine Pressemitteilung geschrieben worden. Seine Suspendierung schlug im Mannschaftskreis „wie eine Bombe“ ein. „Wir sind geschockt, sagte Mannschaftskapitän Thomas Hengen, „das müssen wir erst mal verdauen.“

          Schuldvorwurf akzeptiert

          Ramzy hat den Schuldvorwurf, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Bleh vom Landgericht Kaiserslautern bestätigte, akzeptiert. Damit habe er zumindest der betroffenen Frau erspart, an der Hauptverhandlung Mitte Februar teilnehmen zu müssen. Das Eingeständnis sei auch zu seinen Gunsten beim Strafmaß berücksichtigt worden. Die Strafe ist rechtskräftig.

          Nach einem Gespräch mit dem Profi trafen Aufsichtsrat und Vorstand bei einer Sitzung am Donnerstagabend die Entscheidung, dass Ramzy ab sofort nicht mehr für den FCK spielen wird. Diese Entscheidung sei trotz der großen Wertschätzung für die sportliche Leistungsfähigkeit des Spielers und seiner enormen Bedeutung für Mannschaft und Verein gerade in der entscheidenden Schlussphase der Saison gefallen.

          Große Wertschätzung

          So steht es in einer offiziellen Erklärung des Clubs, die von Aufsichtsratschef Robert Wieschemann und dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich unterzeichnet ist.
          Aufsichtsrat und Vorstand trafen noch bei einer Sitzung am Donnerstagabend die Entscheidung, dass Ramzy ab sofort nicht mehr für den FCK spielen wird.

          Diese Entscheidung sei trotz der großen Wertschätzung für die sportliche Leistungsfähigkeit des Spielers und seiner enormen Bedeutung für Mannschaft und Verein gerade in der entscheidenden Schlussphase der Saison gefallen.

          Weg aus Deutschland?

          Was nun aus Ramzy wird? Aller Voraussicht wird er Deutschland verlassen. Dann stehen 203 Bundesliga-Spiele, 105 für den 1. FC Kaiserslautern, 98 für Werder Bremen zu Buche. Der 32-Jährige brachte es auf 120 Länderspiele, zuletzt war er beim Afrika-Cup in Mali dabei. Danach beendete er seine internationele Laufbahn. Möglicherweise gilt das auch für die gesamte Karriere.

          Weitere Themen

          Zicken und Angsthasen

          EM im Springreiten : Zicken und Angsthasen

          Die deutschen Springreiter liegen nach einem nervenaufreibenden zweiten Tag und vor dem Showdown bei der Europameisterschaft auf Platz zwei hinter Belgien. „Gold ist möglich“.

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Der Exosuit : Was uns nach den E-Tretrollern erwartet

          Noch hat sich Deutschland nicht an die E-Tretroller gewöhnt, da kommt schon die nächste Innovation aus Amerika: Die E-Buxe könnte den Straßenverkehr revolutionieren oder noch mehr belasten. Eine Glosse.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.
          Amerikas Botschafter Richard Grenell kritisiert eine neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten.

          F.A.Z. exklusiv : Richard Grenell kritisiert neue EU-Verordnung

          Die EU sorgt mit neuen Verordnungen für Medizinprodukte für neuen bürokratischen Aufwand. Der amerikanische Botschafter Grenell meint: „Viele werden sich für die Patienten nicht positiv auswirken.“ Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.