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Fußball-Finanzchaos : Kinowelt-Chef Kölmel kritisiert Klubs und DFB

  • Aktualisiert am

Verantwortlich für das Finanz-Chaos?: Michael Kölmel Bild: Kinowelt Medien AG

Etliche Traditionsklubs bangen um ihre Lizenz, doch Kinowelt-Chef Michael Kölmel verteidigt sich: „Da stimmt was nicht, der DFB behandelt nicht alle gleich.“

          3 Min.

          Fehlende Bankbürgschaften des Sponsors Sportwelt könnten gleich mehreren Traditionsklubs die Existenz kosten. „Das ist eine ganz schlimme Entwicklung. Das ist eine Katastrophe für die Klubs und den deutschen Fußball“, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.

          Unterdessen hat „Kinowelt“-Chef Michael Kölmel hat die drastischen Maßnahmen seines Unternehmens gegen mehrere von ihm gesponserte Fußball-Vereine verteidigt und den nun vom Lizenz-Entzug bedrohten Clubs Misswirtschaft vorgeworfen. Zugleich richtete er heftige Attacken in Richtung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

          „Ich verbürge mich nur noch für Vereine, die seriös arbeiten. Bei den betreffenden Clubs geht es um Überschuldung im großen Stil. Um riesige Beträge, die verpulvert werden. Mit Bürgschaften würde ich denen einen Blanko-Scheck für ein Handeln geben, das ich nicht mehr verantworten und tolerieren kann“, erklärte Kölmel in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ .

          Der Rechtevermarkter hat allerdings nun angekündigt, auch in der kommenden Saison mit seinen Partnern in den Regionalligen zusammenzuarbeiten. „Gerüchte, nach welchen sich die Sportwelt von einigen Klubs trennen, und die Sportwelt bestehende vertragliche Vereinbarungen nicht einhalten werde, sind falsch“, schrieb das Unternehmen in einer Presse-Erklärung.

          Ratlosigkeit beim DFB

          Schon vor den Lizenzerteilungen am Mittwoch schaltete der DFB seinen Chefjustitiar Goetz Eilers ein. „Wenn wir Lizenzen nicht erteilen sollten, sehe ich Prozesse auf uns zukommen. Das ist ein schwieriges Unterfangen. Deshalb habe ich unseren Chefjustitiar beauftragt, die Rechtsposition des DFB zu überprüfen“, sagte DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle und fügte hinzu: „Ich habe im Moment keine Vorstellung, wie dieses Thema ausgeht.“

          Betroffen von den Finanzproblemen der Sportwelt, einem Tochterunternehmen der Münchner Kinowelt Medien AG, sind Rot-Weiß Essen, Sachsen Leipzig, der SSV Ulm, Eintracht Braunschweig und Regionalliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf . Grund: Die „Sportwelt“ will die vom DFB geforderten Bankbürgschaften nicht übenehmen.

          Hoffnung in Magdeburg

          Hoffnung machte Kölmel hingegen dem gleichfalls vom Konkurs bedrohten Regionalliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg. Es werde am Montag weitere Gespräche geben. „Um den 1. FC Magdeburg wäre es schade. Der jetzige Präsident Lutz Trümper kann nichts für die Sünden aus der Vergangenheit“, sagte Kölmel.

          Zugleich wandte er sich gegen eine Ungleichbehandlung „seiner“ 14 Vereine durch den DFB. „Schon im letzten Jahr mussten meine Vereine Bankbürgschaften bringen, andere aber nicht. Da stimmt was nicht, der DFB behandelt nicht alle gleich. Aber diese 3. Liga ist sowieso eine Chaos-Liga mit lauter Sozialfällen“, kritisierte der Münchner.

          „Diese Bürgschaften sind eine ganz absurde Geschichte. Wenn ich einem Club eine Million Mark gebe, er zudem drei Millionen Sponsorengelder auftreibt, will der DFB von mir eine Bürgschaft über vier Millionen. Wenn ein Verein keinen Hauptsponsor findet, wird die Bankbürgschaft gezogen und ich verliere alles. Das ist ein Wahnsinn“, machte Kölmel seinen Standpunkt klar.

          Misswirtschaft in Düsseldorf

          Scharf attackierte Kölmel vor allem auch den Umgang mit seinen Geldern in Düsseldorf und Leipzig. „Diese Vereine fahren den Karren an die Wand und hoffen, dass wieder die Sportwelt auftaucht und sie aus dem brennenden Wrack rettet. Das Schlimme ist, mit dieser Bürgschaften-Sache deckt der DFB das Missmanagement auch noch“, monierte Kölmel. Und: „Alle betreffenden Vereine haben von mir Geld bekommen, das sie bis 2003 einsetzen sollten. Das ganze Geld ist schon weg. Und sie haben es nicht, wie von mir gefordert, in die Infrastruktur gesteckt, sondern in etliche Trainerentlassungen und überteuerte Spieler,deren Verträge auch bei Abstieg noch gelten.“

          Fortuna soll alleine in dieser Saison ein Minus von über zwei Millionen Mark erwirtschaftet haben. “ Die haben mein Geld eimerweise rausgeschmissen“.

          Keine Fristverlängerung in Frankfurt

          Das Unternehmen des Rechte-Vermarkters Dr. Michael Kölmel, dessen Aktie am Neuen Markt von über 60 Euro auf unter fünf Euro gefallen ist, ist außerdem unter anderem an Bundesligist Borussia Mönchengladbach und den Zweitligisten Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim, Karlsruher SC und Union Berlin beteiligt.

          „Ich habe die Klubs immer davor gewarnt, sich an ein einziges Unternehmen zu binden. Trotzdem: Was Kölmel macht, ist Vertrauensbruch“, kritisierte Nelle. Eine Fristverlängerung zur Vorlage der Bilanzen will der DFB den bedrohten Vereinen trotz der allgemein prekären Lage nicht gewähren. „Das ist ausgeschlossen, der Termin steht seit Monaten fest. Wir können aufgrund der Chancengleichheit keine Ausnahme machen, sonst öffnen wir dem Chaos Tür und Tor“, meinte DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer.





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