https://www.faz.net/-gtl-702t7

Wojciech Szczesny : Eliteschüler im Harvard des Fußballs

Beim FC Arsenal und in der polnischen Nationalelf gibt Wojciech Szczesny im Tor den Ton an Bild: picture alliance / dpa

Bekannt wurde Wojciech Szczesny durch eine Parade, die 25 Millionen Euro wert war. Nun ist er die Nummer eins bei Arsenal und in Polens Nationalelf. Dabei bremste ihn 2008 eine kuriose Verletzung. Teil 1 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

          4 Min.

          Reine Handarbeit ist bei Torhütern längst aus der Mode gekommen. Einfach nur Bälle abwehren oder fangen entspricht schon seit Jahren nicht mehr dem Idealbild desjenigen, der auf dem Fußballplatz das Spielgerät als einziger mit allen Körperteilen ungestraft berühren darf. Auch Stoppen und Passen mit beiden Füßen gehören heute wie selbstverständlich zum Handwerkszeug.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die jungen Torhüter dieser Tage gehören einer Generation an, die es gar nicht anders kennt. Wie Wojciech Szczesny. Die Zeiten, in denen der „Fänger“ Rückpässe von Mitspielern mit dem Fuß mit den Händen aufnehmen durfte, hat er nicht mehr erlebt. Als der Weltverband dies von 1992 an untersagte, war der Pole gerade zwei Jahre alt.

          In seiner Kindheit gaben ihm die Eltern vieles in die Hand – allerdings keine Bälle. Dabei war Vater Maciej selbst Fußballer, der siebenmal für die Nationalmannschaft das Tor hütete und mit vier verschiedenen Vereinen in Polen Meister wurde.

          Der Sohnemann begann seine Sportkarriere aber mit einer Tanzpartnerin und mit einem Speer in der Hand. Erst im Alter von vierzehn Jahren stand Wojciech Szczesny bei Agrykola Warschau erstmals in einem Fußballtor – aber nicht lange. Torwarttrainer Krzysztof Dowhari von Legia Warschau entdeckte das Talent und ließ sich den Wechsel immerhin 3000 Euro kosten.

          Landsmann Lukasz Fabianski (rechts) verdrängte Szczesny nicht nur im Verein, sondern auch in der Nationalmannschaft
          Landsmann Lukasz Fabianski (rechts) verdrängte Szczesny nicht nur im Verein, sondern auch in der Nationalmannschaft : Bild: picture alliance / dpa

          Die Investition sollte sich schnell rechnen, zumindest finanziell, denn lange blieb Szczesny wieder nicht. Die Späher des FC Arsenal waren auf den Schlussmann aufmerksam geworden. Der Mitbesitzer und Hauptsponsor von Legia Warschau, Mariusz Walter, fand wenig Gefallen daran, sein größtes Talent nach London ziehen zu lassen.

          Szczesnys Vater, der inzwischen als Fernsehexperte arbeitete, brauchte jedoch nur eine Frage zu stellen, um ein Umdenken zu bewirken: „Wenn Ihr Kind das Angebot hätte, in Harvard zu studieren, würden Sie ablehnen?“ Walter, als Medienunternehmer im gleichen Berufszweig tätig und selbst Vater zweier Kinder, schüttelte nur den Kopf. „Arsenal ist das Harvard des Fußballs“, sagte Szczesny senior und schickte Wojciech nach England.

          Keine Angst vor dem Gegner: Szczesny springt dem Stürmer und dem Ball entschlossen entgegen
          Keine Angst vor dem Gegner: Szczesny springt dem Stürmer und dem Ball entschlossen entgegen : Bild: picture alliance / dpa

          Doch in der Eliteausbildung lief nicht alles glatt. Als Szczesny, dessen Bruder Jan auch Torhüter ist, auf dem Weg in die erste Arsenal-Mannschaft war, passierte im November 2008 das Malheur. Beim Krafttraining verlor er das Gleichgewicht, stürzte und brach sich beide Unterarme – für einen Torwart der größte anzunehmende Unfall. Die kuriose Verletzung verzögerte seinen Aufstieg um fünf Monate. Die großen Narben nimmt er derweil mit Humor: „Ich sage immer, die eine ist aus dem Krieg, die andere von einem Haiangriff.“

          Ende 2009 debütierte er in der polnischen Elf. Der neue Trainer Franciszek Smuda testete junge Spieler – und war beeindruckt von Szczesny. In London aber baute Arsène Wenger kaum auf den 1,95 Meter großen Torhüter. Zwar gab Szczesny sein Debüt in der ersten Mannschaft, allerdings nur in einem unwichtigen Pokalwettbewerb.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der schottische Staatsphilosoph David Hume (1711 bis 1776) war einer der ersten, der sich zur Staatsverschuldung geäußert hat.

          Staatsverschuldung : Zerstörerischer Staatskredit

          Das Für und Wider von Staatsverschuldung ist ein wichtiges Thema unter bekannten Philosophen wie David Hume und Ökonomen wie Lorenz von Stein. Heutzutage geraten aber vor allem die Einwände in Vergessenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.