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Wettskandal : Prandelli flüchtet in Fatalismus

  • Aktualisiert am

„Ich mag keine Kreuzzüge“: Cesare Prandelli Bild: AFP

Der italienische Nationaltrainer Cesare Prandelli würde auf die Teilnahme an der EM verzichten, wenn die Öffentlichkeit dies wegen des Wettskandals verlange. Dem Sender „Raisport“ sagte Prandelli: „Es gibt wichtigere Dinge.“

          Der italienische Nationaltrainer Cesare Prandelli hat die Teilnahme seiner Mannschaft an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine in Frage gestellt und den Umgang der Medien mit dem Wettskandal in Italien kritisiert. Dem Sender „Raisport“ sagte Prandelli in einem Interview: „Mir gefallen Kreuzzüge nicht. Wenn sie uns sagen würden, dass wir zum Wohl des Fußballs nicht teilnehmen dürften, wäre das kein Problem: es gibt wichtigere Dinge.“

          Prandelli hatte zu Beginn der Woche Domencio Criscito aus dem Team genommen, gegen ihn und viele andere italienische Fußballspieler ermittelt die Staatsanwaltschaft in Cremona wegen des Verdachts des Wettbetrugs.

          In dem Interview äußerte sich Prandelli auch über seinen Torhüter Gianluigi Buffon vom italienischen Meister Juventus Turin: „Er ist eine starke Persönlichkeit und fähig, Momente, in denen es schwierig wird, zu verstecken, aber auch jemand wie er muss den Druck fühlen, unter dem er jetzt steht. Auch die Stärksten können sehr sensibel sein.“

          Bekannter Spieler: Gianluigi Buffon steht unter Druck

          Buffon ist in den vergangenen Tagen ins Zwielicht geraten, allerdings nicht wegen des Verdachts der Spielmanipulation. Italienische Medien berichten von Ermittlungen der Finanzbehörden, nach denen Buffon im Zeitraum zwischen Januar und September 2010 einem befreundeten Kioskbetreiber in Parma 14 Schecks mit einem Gesamtwert von rund 1,5 Millionen Euro übertragen habe. Unklar ist, was mit diesem Geld geschehen sollte. Der Kioskbetreiber hat Zugang zum staatlichen Lotto- und Wettsystem Lottomatica.

          Buffons Anwalt gab den Ermittlern an, dass der Torwart die Schecks einer Vertrauensperson gegeben habe, um Finanzgeschäfte in Parma für ihn zu regeln. Der italienische Fußball-Verband untersagt Spielern jede Wettbeteiligung, strafbar ist sie aber nicht. Sollte Buffon über einen Strohmann Wetten abgeschlossen haben, wäre dies unproblematisch, so lange es keine Wetten auf Spiele in Italien oder internationale Spiele waren.

          Dass der Weltmeister von 2006 gern wettet, ist bekannt. 2006 wurde deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen den Keeper eingeleitet, das aber eingestellt wurde. Buffon räumte damals ein, bis November 2005 zwei Millionen Euro auf alle möglichen legalen Wetten gesetzt zu haben.

          Buffon hatte in der vergangenen Woche in Bezug auf eine angebliche Ergebnisabsprache in der vergangenen Saison gesagt: „Wenn zwei Mannschaften unentschieden spielen wollen, ist das ihre Sache. Manchmal sagt man: Zwei Verletzte sind besser als ein Toter.“

          Am Mittwoch hatte der Kapitän der Azzurri betont, dass er damit keine Ergebnisabsprachen rechtfertigen wollte. Er habe lediglich die Situation beschrieben, in der zwei Mannschaften mit einem Unentschieden zufrieden sind. Dass die Medien über die Aktionen der Staatsanwaltschaft früher Bescheid wissen als die Betroffenen, bezeichnete Buffon als Schande.

          Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Cremona waren am Montag 19 Personen, darunter auch Stefano Mauri, der Kapitän von Lazio Rom, wegen des Verdachts des Sportbetrugs festgenommen worden. Polizisten durchsuchten im Trainingslager der Azzurri das Zimmer von Criscito. „Von mir aus hätte er zur EM fahren können“, sagte der Cremoneser Staatsanwalt Roberto Di Martino. Ein Reiseverbot sei nicht ausgesprochen worden. Criscito hat sich inzwischen öffentlich über die Ausmusterung beschwert.

          Im Gegensatz zu Criscito steht Buffons Teamkollege Leonardo Bonnucci weiterhin zum italienischen Aufgebot. Auch er steht unter Verdacht, allerdings nach Aussage Prandellis nicht unter solch starkem wie Criscito. Bonucci hat im Gegensatz zu Criscito keinen Ermittlungsbescheid der Staatsanwaltschaft erhalten.

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