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Lösung für Löws Nachfolge : Erst Rangnick, dann Klopp

Der Mann für den Übergang? Ralf Rangnick könnte Teil der Lösung für den DFB sein. Bild: EPA

Das Fußball-Volk wünscht sich Jürgen Klopp als Bundestrainer. Und der DFB sollte alle Varianten ausloten, um das irgendwann möglich zu machen. Ralf Rangnick sollte den Anfang machen.

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          Wer folgt auf Löw? Wenn es nach den Fußballfans ginge, wäre die Sache schon entschieden: Klopp. Das eindeutige Votum der deutschen Anhänger kümmert sich jedoch nicht um laufende Verträge.

          Doch in dem klaren Votum kommt eine andere Wirklichkeit zum Ausdruck: eine große Sehnsucht nach Leidenschaft, Identifikation und Erfolg, die die Nationalelf in den vergangenen Jahren nicht mehr erfüllen konnte. Nicht zuletzt von diesem Wunsch sollte sich die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Direktor Bierhoff auf der Suche nach einem neuen Bundestrainer leiten lassen.

          Wohl kein anderer deutscher Trainer wäre in der Lage, das große emotionale Vakuum rund um das wichtigste Team des Landes so schlagartig und überzeugend zu füllen, wie es Klopp möglich wäre. Auch wenn er noch einige Jahre an Liverpool gebunden ist, wäre es mit Blick auf die langfristige Entwicklung der Nationalelf und der EM 2024 in Deutschland gleichwohl sinnvoll und notwendig, alle Varianten und Wege auszuloten, um eine solche Topbesetzung für den deutschen Fußball möglich zu machen. Daher klingt es vernünftig, wenn der zuständige DFB-Direktor Bierhoff ankündigt, sich bei der wichtigsten sportlichen Personalie des Verbandes zeitlich nicht unter Druck zu setzen.

          Weil er selbst derzeit nicht zur Verfügung stehen kann, hat Klopp dem DFB am Mittwoch vom Spielfeldrand aus einen Tipp gegeben, wie der Anfang einer solchen innovativen Lösung aussehen könnte, um einen weit ins Hintertreffen geratenen Verband dringend benötigte Kompetenzen und Perspektiven zu verschaffen.„Ralf Rangnick würde dem DFB guttun. Das wäre meine erste Lösung“, sagte Klopp mit fachlichem und pragmatischem Blick auf einen Trainer und Sportdirektor, der mit seiner Aufbauarbeit in Hoffenheim und Leipzig Maßstäbe gesetzt hat. Und der vertraglich nicht gebunden ist.

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          Rangnick wäre als unmittelbarer Nachfolger Löws sofort zu haben. Aber nicht nur das. Für ihn spricht auch, dass er zu gegebener Zeit seine Entwicklerqualitäten langfristig und strukturell in den Verband einbringen könnte. Etwa in der DFB-Akademie als Sportdirektor. Für ein solches Wechselspiel, das Rangnick schon vorlebte, böte sich für den DFB die Zeit nach der WM 2022 an, weil bis dahin auch Liverpool genug Zeit bliebe, einen Nachfolger für Klopp zu finden. Oder den Bayern für Flick.

          Das wäre ein Coup – und ein echter Neuanfang. Mit weniger sollte sich der DFB auch nicht zufriedengeben. Doch es ist fraglich, ob der Verband und Bierhoff einen tiefgreifenden und damit im Alltag auch komplizierten und konfliktreichen Wandel wollen. Zweifel sind angebracht: Auf der Pressekonferenz zum Abschied von Löw blieb Selbstkritik ein Fremdwort.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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