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Wayne Rooney : Wie eine Bulldogge

Warten auf den Einsatz: Bei der EM ist Wayne Rooney in den ersten beiden Spielen gesperrt Bild: REUTERS

Schon vor vielen Jahren setzte der Onkel im Wettbüro auf Wayne Rooney. Sein Neffe enttäuschte ihn nicht. Nun könnte der Engländer der teuerste Fußballer der Welt werden. Doch bei der EM muss er zunächst zuschauen. Teil 13 des FAZ.NET-EM-Countdowns.

          Manchmal ist es ganz einfach, sich einen Eintrag im Rekordbuch des Weltfußballs zu sichern. Wayne Rooney müsste den Besitzern von Paris St. Germain nur ein „Yes“ oder noch besser „Oui“ erwidern. Sie bieten angeblich die Ablösesumme von 120 Millionen Euro, um sich die Dienste des englischen Nationalstürmers von Manchester United zu sichern – bisheriger Rekordhalter ist Cristiano Ronaldo, der 2009 für 94 Millionen aus Manchester zu Real Madrid wechselte.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nach den Absagen von Lionel Messi, Carlos Tevez und Alexandre Pato versuchen die neureichen Franzosen nun, Rooney zu ködern. An den Finanzen wird es nicht scheitern, denn 240.000 Euro Wochenlohn, die er bei United verdient, wird PSG leicht übertreffen können. Ob allerdings Rooneys bisheriger Arbeitgeber, bei dem er einen Vertrag bis 2015 besitzt, und der Engländer selbst mitspielen, ist doch eher ungewiss.

          Als Rooney im armen nördlichen Liverpooler Stadtteil Croxteth mit seinen Eltern und zwei Brüdern aufwuchs und später im Jugendteam Copplehouse, für das er einmal 99 Tore in einer Saison erzielte, spielte, konnte er von solchen Summen nur träumen. In den Straßen des Viertels lernte sich der Sohn eines Boxers durchzusetzen. Mit elf entdeckt ihn Bob Pendleton und holte Rooney junior zum FC Everton, dem Lieblingsverein der Familie.

          Spaß beim Testen: Rooney mit Mannschaftskollege Joleon Lescott, der mit Dieter-Hoeneß-Gedächtnis-Turban vom Platz geht

          Der mutige Onkel John Morrey setzte schon damals nicht alles, aber zumindest umgerechnet 300 Euro, auf seinen Neffen. 1998 ging er zum Wettbüro Stanley und sagte voraus, dass Wayne bei der WM 2006 in der englischen Nationalmannschaft spielen werde. Der Buchmacher schlug bei einer Quote 250:1 ein. Am 10. Juni 2006, dem Tag des ersten Spiels gegen Paraguay, gingen 50.000 Pfund in den Besitz von Onkel John über.

          Rooney war gerade sechzehn, als er in der Premier League für Everton debütierte, zwei Monate später beendete er mit einem Traumtor aus 27 Metern die Serie des FC Arsenal von 30 ungeschlagenen Spielen in Folge.

          Gute Führung: Bei den Engländern könnte Rooney nach der EM sogar Kapitän werden

          Noch immer war er nicht siebzehn und damit jüngster Torschütze. Nicht nur der gegnerische Trainer Arsene Wenger schwärmte. Wenig später holte sich Rooney, der damals 150 Euro pro Woche verdiente, einen weiteren Altersrekord – den des jüngsten Rotsünders in der englischen Eliteliga.

          Schnell bekam er den Spitznamen „Roonaldo“ in Anlehnung an den brasilianischen Ronaldo. Everton wolle er niemals verlassen, sagte er in jugendlichem Leichtsinn. Rooney war inzwischen nicht nur jüngster englischer Nationalspieler, sondern auch jüngster Torschütze.

          Völlig abgehoben: Bei Manchester United ist der Stürmer der unumstrittene Star

          Nach einer starken EM, bei der er sich allerdings im Viertelfinale den Mittelfuß brach, lockte aber doch Manchester United – für 37 Millionen Euro wechselte Rooney schließlich zu den „Red Devils“. In Everton wurde er zur persona non grata und erhielt sogar Morddrohungen.

          Der Einstand in Old Trafford war beeindruckend. In seinem ersten Spiel schoss der Stürmer „mit seiner bulldoggenhaften Erscheinung und dieser furchtlosen Entschlossenheit“, wie die F.A.Z. damals schrieb, in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul gleich drei Tore. Pokale durfte Rooney trotz starker Leistungen vorerst nicht in Empfang nehmen, vielmehr brach er sich 2006 kurz vor der WM im Spiel gegen Chelsea abermals den Mittelfuß.

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          Nicht nur die Auszahlung des Wettgewinns von Onkel John Morrey war in Gefahr, sondern auch die Ambitionen Englands, in dessen Elf Rooney schon mit 20 unumstrittener Anführer war. Doch eine aufwendige „Wunderheilung“ sicherte den WM-Einsatz.

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