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Start in Fußball-EM : Holland, wie es leibt und lebt – und streitet

  • -Aktualisiert am

Steht in der Kritik: Niederlandes Frank de Boer Bild: Reuters

Die Niederländer verpassten die EM 2016 und die WM 2018. Ihre Krise war tief und dunkel. Doch auch jetzt, da sie zurück auf der Fußball-Bühne sind, zerfleischen sie sich wieder selbst.

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          Die meisten Anhänger der deutschen Nationalelf blicken im Groll zurück auf die Jahre nach dem glorreichen Triumph von Rio 2014. Gute Spiele waren selten, und echte Erfolge blieben Ausnahmen. Verglichen mit der stürmischen Zeit, die hinter der niederländischen Elftal liegt, ging es rund um die Mannschaft von Bundestrainer Löw aber zu wie auf einer Kaffeefahrt.

          Fußball-EM

          Die Niederländer verpassten erst die EM 2016, dann die WM 2018. Die Nationaltrainer Guus Hiddink und Danny Blind wurden entlassen, Dick Advocaat versuchte, die scheiternde Qualifikation für die WM in Russland zu retten, vergebens. Unter Ronald Koeman stabilisierte sich die Mannschaft, doch dieser Trainer verabschiedete sich 2020 zum FC Barcelona.

          Verschiedene Verbandsfunktionäre mussten gehen, eine halbe Generation an holländischen Profis hatte nie die Chance, ein großes Turnier zu spielen. Die Krise war tief und dunkel. Und jetzt, da die Holländer zurück sind, zerfleischen sie sich wieder selbst. „Die Stimmung ist nicht gerade positiv“, sagt der ehemalige Nationalspieler Youri Mulder der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor dem Start an diesem Sonntag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-EM, in der ARD und bei MagentaTV) gegen die Ukraine.

          De Boer verwechselt Namen

          Wieder einmal wird eine Debatte um das richtige System geführt, weil Bondscoach Frank de Boer vom traditionellen 4-3-3 mit zwei Flügelstürmern abweicht. Anderswo werden Systeme zwei-, dreimal pro Spiel gewechselt, in Holland wollen sich viele Beobachter nicht vom 4-3-3-Dogma des Fußballweisen Johan Cruyff lösen. Auf einer chaotisch wirkenden Pressekonferenz verwechselte de Boer zudem Spielernamen.

          Und Anwar El Ghazi von Aston Villa, der zum vorläufigen EM-Kader gehört hatte, erhielt während eines Live-Interviews eine Textnachricht von de Boer mit dem Inhalt, dass er aus dem endgültigen Aufgebot geflogen sei. Das wurde dem Trainer genauso als Stillosigkeit ausgelegt wie sein Entschluss, den im Mai an Covid erkrankten Jasper Cillessen nicht mit zum Turnier zu nehmen, obwohl der Torhüter gar nicht ernsthaft erkrankte und längst wieder genesen ist. „Manchmal ist es ganz schön, nicht zu den Favoriten zu gehören“, sagt der Verteidiger Matthijs de Ligt angesichts der schwierigen Vorgeschichte, mit der die Niederländer in die EM starten.

          Tippspiel zur Fußball-EM
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          Im Team scheint die Unruhe keine Missklänge zu erzeugen. Auf Pressekonferenzen wird ausgiebig von der guten Atmosphäre geschwärmt, und der erfahrene Verteidiger Daley Blind glaubt: „Es wird gut funktionieren.“ Selbst den Ausfall des Liverpooler Verteidigers Virgil van Dijk glauben sie kompensieren zu können. Denn mit de Ligt von Juventus Turin, mit Stefan de Vrij, der mit Inter Mailand italienischer Meister wurde, mit Blind und dem talentierten Jurriën Timber stehen andere gute Abwehrspieler parat.

          Frenkie de Jong ist in der abgelaufenen Saison beim FC Barcelona zu einem wichtigen Impulsgeber im Mittelfeld geworden, Georginio Wijnaldum, der nach der EM von Liverpool zu Paris St-Germain wechselt, spielt seit Jahren auf dem höchsten Niveau, und vorne stürmen Memphis Depay und Wolfsburgs Wout Weghorst. Beide haben eine Saison in Topform hinter sich und trafen auch in der Vorbereitung.

          De Boer, der vor seinem Job beim Nationalteam bei Crystal Palace, bei Inter Mailand und bei Atlanta United scheiterte, bleibt zwar umstritten. Er selbst zählt seine Mannschaft auch nicht zu den vier besten Teams dieser EM, sagt aber auch: „Selbstverständlich wollen wir das Turnier gewinnen.“

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