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Fußball-Europameisterschaft : Blick in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

2010 war Michel Platini Präsident der Europäischen Fußball-Union. Bild: AFP

Nach eineinhalb Jahren Corona ist die EM die groteske Erfüllung eines Platini’schen Traums. War es nicht genau das, was wir beschworen haben? Wollten wir nicht mehr Zufall, Glück und Underdogs?

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          Die Spannung steigt! Nein, keine Angst, es steht keine Neuansetzung des Eurovision Song Contest wegen eines Dopingfalls beim Sieger Italien an. Nein, die EM steht ins Haus. Also nicht in ein Haus in Europa, sondern in viele Häuser. Es ist nach eineinhalb Jahren Corona die groteske Erfüllung eines Platini’schen Traums: Eine paneuropäische EM, Heimvorteil allerorten, und außerdem, so sagte es Platini 2012 in Kiew, „muss jedes Land nur noch ein Stadion und einen Flughafen bauen“. Immerhin, diese Eigenheimdebatte blieb aus, neue Fußball-Tempel mit 100.000 Theaterstühlen wären in dieser Situation vielleicht auch der UEFA etwas zu viel des Guten.

          Campo-Feeling

          Gebaut wurde allerdings in Herzogenaurach. Die Visionäre um Bierhoff beschwören weiter das Campo-Feeling, das die Mannschaft 2014 durch ein langes Turnier zum WM-Titel trug. Spieler-WGs und „Marktplatz“ inklusive. Frankreich ist aber Favorit, darauf können sich die meisten einigen, darüber hinaus möchte man kein Buchmacher sein.

          Zu viele Faktoren sind in der Rechnung. Die Spanier trainieren parallel mit einer B-Elf, möglicher Quarantänen wegen. Die Engländer haben noch mehr Heimvorteil als die übrigen zehn austragenden Länder, obwohl sie jetzt auch wieder von der Insel dürften. So oder so, der sportliche Wert der EM ist diskutabel.

          Späte Erkenntnis

          Aber war es nicht genau das, was wir in den vergangenen Jahren beschworen haben? Wollten wir nicht mehr Zufall, Glück und Underdogs? Gut, der Griechenland-Sieg unter König Otto war aus ästhetischen Gründen verzichtbar. Aber es sind diese Geschichten, die bleiben. Videobeweis, Champions-League-Reformen und die späte Erkenntnis, dass der Fußball eben keine eigenen Gesetze hat (die Sportwissenschaft oder auch den Markt betreffend): All dies zementiert aber die bestehenden Verhältnisse und stellt sicher, dass sich solche Geschichten seltener wiederholen. Gruß nach München.

          Vorgeblich ist diese Pandemie eine Zeit der Ungewissheiten. Arbeit, Liebe, Leben, alles steht auf der Kippe. In Wirklichkeit haben wir uns schon ganz gut in neue Routinen eingemummelt, wie in ein Schafsfell vom Demeter-Hof. Die EM kann der Aufbruch in das Unbekannte sein, pars pro toto für ein Leben „nach“ Corona. Wie soll ein 7:1 gegen Lettland Rückschlüsse auf den Turnierverlauf der deutschen Auswahl geben? Eben: gar nicht. Wir wissen, dass wir nichts wissen, und das macht doch das Leben und den Fußball überhaupt erst so interessant.

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