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Nach Ausschreitungen in Lille : Uefa ermittelt nicht gegen den DFB

  • Aktualisiert am

Rund ums Stadion blieb alles ruhig: ein deutscher Fan wird vor dem Stadion in Lille kontrolliert Bild: dpa

Weil deutsche Hooligans vor der Partie gegen die Ukraine in der Innenstadt statt im Stadion randalierten, verzichtet die Uefa darauf, gegen den DFB zu ermitteln. Der russische Verband muss dagegen schon am Dienstag mit Sanktionen rechnen.

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          Die Uefa wird nach der Auseinandersetzung zwischen deutschen und ukrainischen Fans im Vorfeld der EM-Partie am Sonntagabend in Lille keine Ermittlungen aufnehmen. Das bestätigte die Europäische Fußball-Union am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Vor der Partie der DFB-Elf waren zwei Menschen leicht verletzt worden. Mehr als 50 deutsche Hooligans hatten mehrere ukrainische Fans in der Innenstadt von Lille angegriffen. Nach Augenzeugenberichten sollen dabei vor Straßencafés Flaschen und Stühle geworfen worden sein. Auf Twitter wurden zudem mehrere Fotos verbreitet, die rechtsradikale Hooligans in Lille mit einer Reichkriegsflagge zeigten.

          Die Uefa ermittelt automatisch bei Vorfällen im oder direkt um das Stadion. Maßnahmen für Ereignisse außerhalb der Arenen werden nur in besonders schweren Fällen ergriffen. Dann ist die Uefa-Exekutive für die Sanktionierung zuständig. Das Gremium hatte am Sonntag eine Verwarnung an Russland und England ausgesprochen und mit einem EM-Ausschluss gedroht, sollten sich Fanausschreitungen wie am Wochenende in Marseille wiederholen.

          „Einige bringen ihre Familien mit“

          Gegen Russland hat zudem die Uefa-Disziplinarkommission ein Verfahren eingeleitet, wegen der Gewalt im EM-Stadion von Marseille am Samstag. Dort hatte russische Anhänger kurz nach dem Schlusspfiff einen englischen Fanblock gestürmt und auf Anhänger eingeprügelt. Ein Urteil wird am späten Dienstagnachmittag erwartet.

          Ein möglicher Ausschluss Russlands oder Englands wegen Ausschreitungen seiner Fans wäre aus Expertensicht für die Hooligans der größte Erfolg. „Das ist ja gerade die Motivation der Hooligans. Das wäre der allergrößte Erfolg für die Hooligangruppen, wenn die sowas hinkriegen würden“, sagte Professor Harald Lange, Leiter des Instituts für Fankultur, am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ein Spielverbot wäre für diejenigen, die nur an Krawalle interessiert sind, natürlich das Höchste, was sie erreichen können. Dann fühlen sie sich bestätigt, wir haben Einfluss, wir können die Geschicke lenken und es kaputt machen“, betonte Lange.


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          Vor dem Spiel der französischen Nationalmannschaft in Marseille am Mittwoch gegen Albanien hoffen die Spieler auf „maximale Sicherheit“. „Einige bringen ihre Familien mit“, betonte Moussa Sissoko bei einer Pressekonferenz am Montag im EM-Quartier der Franzosen in Clairefontaine. „Wir haben die schockierenden Bilder der Hooligans gesehen“, sagte der Mittelfeldspieler. Die Bilder von den Krawallen hätten alle sehr betroffen gemacht, meinte Sissoko.

          Nach Ansicht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze lässt sich das Risiko von Fan-Krawallen in Europa allerdings nicht gänzlich ausschalten. „Im europäischen Raum können wir uns ja relativ frei bewegen, darum sind Reisebewegungen von Störern schwer zu kontrollieren“, sagte ZIS-Chef Jürgen Lankes der Zeitung „Die Welt“. Nach Einschätzung des ZIS ist es fast unvermeidbar, dass auch deutsche Hooligans weiterhin in Frankreich randalieren. „Wir können ja nicht alle bekannten Störer in Deutschland festsetzen“, sagte Lankes.

          Unterdessen hat jedoch der deutsche Sicherheitsexperte Helmut Spahn den französischen Behörden Versäumnisse beim Kampf gegen Hooligan-Gewalt vorgeworfen. „Ehrlich gesagt ist es ein wenig erschreckend, dass die Franzosen die Standards der letzten 15 Jahre im Umgang mit Problem-Fans nicht wahrgenommen oder ignoriert haben“, sagte der Sicherheitschef der WM 2006 der „Bild“-Zeitung. Spahn kritisierte zudem die angeblich mangelhafte Zusammenarbeit der französischen Polizei mit szenekundigen Beamten aus den EM-Teilnehmerländern. Sein Urteil: „Ich glaube, dass sich die Probleme bei dieser EM kurzfristig nicht mehr lösen lassen.“



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