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Coronavirus in Europa : Diese Szenarien gibt es für die Fußball-EM

  • Aktualisiert am

Tore der Nationalmannschaft dürften vorerst nicht bejubelt werden. Bild: obs

Dass die EM in diesem Sommer wie geplant stattfindet, erscheint in der Corona-Krise völlig illusorisch. Fußball-Europa berät nun. Für das Turnier ergeben sich verschiedene Optionen. Alle haben Vor- und Nachteile.

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          Auch Joachim Löw blickt nach Nyon. Am Dienstag entscheidet die Europäische Fußball-Union über die Verlegung der Fußball-Europameisterschaft 2020. Die Ausrichtung in zwölf Ländern im Sommer (12. Juni bis 12. Juli) erscheint aufgrund der Coronavirus-Pandemie illusorisch. „Ich rechne fest mit einer Verlegung des Turniers“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius in der ARD. Offen ist, in welchen Zeitraum. In den Winter 2020? Oder den Sommer 2021? Eine Komplett-Absage kann sich die Uefa kaum leisten. Auf den Bundestrainer kommt in jedem Fall eine lange Pause zu – die DFB-Elf wäre erst wieder am 3. September zum Start der neuen Nations League gegen Spanien im Einsatz.

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          Die Entscheider: Geplant sind mehrere Telefonkonferenzen. An der Elefantenrunde am Vormittag sollen Vertreter der 55 Uefa-Mitgliedsverbände sowie die Führungsriegen der Klub-Vereinigung ECA, des Ligen-Interessenverbundes European Leagues und der Spielergewerkschaft Fifpro teilnehmen. „Die Diskussionen umfassen alle nationalen und europäischen Wettbewerbe, einschließlich der EM 2020“, teilte die Uefa mit. Es gibt viel Redebedarf. Für den deutschen Fußball nimmt DFB-Vizepräsident Rainer Koch, aus dem Kreis der europäischen Topvereine BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke teil. Im Anschluss will das Uefa-Exekutivkomitee angeführt von Uefa-Präsident Aleksander Ceferin in einer Videoschalte die Ergebnisse beraten – und eine Entscheidung treffen.

          Die Hintergründe: Ein EM-Eröffnungsspiel in Rom in weniger als drei Monaten ist nicht vorstellbar. Italien ist abgeriegelt, an Fußball derzeit in kaum einem europäischen Land zu denken. Auch nicht in München – die bayerische Landeshauptstadt war als Ausrichter von drei Gruppenspielen und einem Viertelfinale ausgewählt worden. Außerdem wurden Amsterdam, Kopenhagen, Bilbao, St. Petersburg, Bukarest, Budapest, Baku, Glasgow, Dublin und London als Gastgeber bestimmt. Alle werden von der Uefa-Entscheidung betroffen sein und entsprechend mitreden wollen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Sommer eine perfekte EM spielen, die ist vermutlich keine Zahl mehr vor dem Komma. Das ist jedem klar“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Im Grunde gibt es – von der kompletten Absage des Turniers abgesehen – zwei Szenarien, die aber jeweils weitere Probleme mit sich bringen.

          Die Winter-EM: Diskutiert wird laut übereinstimmenden Medienberichten über die Verlegung des paneuropäischen Turniers in den kommenden Herbst/Winter. Das Championat würde dann fast genau zwei Jahre vor der WM 2022 in Qatar ausgetragen werden. Dafür müssten aber fast alle europäischen Ligen ihren bereits festgezurrten Zeitplan für die Saison 2020/21 ändern und die Spielzeit für die EM unterbrechen. Noch komplizierter ist das momentan, weil niemand mit Sicherheit sagen kann, ab wann und wie wieder regulär gespielt werden kann. Für die Qatar-WM muss der Fußball-Kalender aber ohnehin umgeschmissen werden, auch wenn eine weniger abrupte Umstellung geplant war.

          Die Sommer-EM: Logisch erscheint die Verlegung ins nächste Jahr. Alle Teilnehmer und Gastgeber hätten ähnliche Voraussetzungen wie es sie in diesem Sommer gegeben hätte. Nur würde die EM mit der neuen Klub-WM des Weltverbandes Fifa kollidieren, die im Sommer 2021 in China ihre Premiere feiern soll. Die Uefa müsste hart mit Fifa-Präsident Gianni Infantino verhandeln, der seit Monaten mit millionenschweren Preisgeldern um die Topklubs wirbt. Lenkt er ein und verschiebt sein eigenes Turiner, könnte die Uefa der Fifa mit der Abstellung mehrerer Topklubs entgegenkommen.

          Die Vorteile: Unabhängig davon, ob die EM in den Winter oder Sommer verlegt wird – die nationalen Ligen hätten einen Monat mehr Zeit, einen Weg aus der Coronavirus-Krise zu finden. Gleiches gilt für die Champions League und Europa League. Für die Europapokal-Wettbewerbe stehen spanischen Medien zufolge Final-Four-Turniere im Mai zur Diskussion, um Ersatz-Slots für die Ligen zu schaffen. „Ich gehe davon aus, dass die nationalen Ligen mit dem morgigen Tag mehr Flexibilität haben“, sagte Seifert am Montag. Statt Ende Mai müsste erst Ende Juni Schluss sein, die meisten Spielerverträge enden am 30. Juni.

          Ob das ausreicht, ist aktuell aber nicht abzuschätzen. Die Krisenlage ändert sich ständig. Experten rechnen zudem nicht damit, dass die steigenden Temperaturen im Sommer zu einer erheblichen Verbesserung beitragen. Möglicherweise wird die EM also verlegt, und es wird trotzdem in den Ligen kein Fußball gespielt. Dann könnten sogar auch Forderungen nach einer Anpassung der Saisons in den wichtigsten europäischen Ligen an das Kalenderjahr laut werden. Auf der Rechnung haben sollte man zudem mögliche Zwischenlösungen der Uefa. Möglicherweise wird die EM nach der Videoschalte nur auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben, sodass der Europa-Verband mehr Zeit für Absprachen mit den Ligen und der Fifa hat.

          Eine EM in Russland? Vor einer möglichen Verschiebung der EM hat sich Russland als Ersatz-Gastgeber ins Gespräch gebracht. „Wir sind für einen Schulterschluss bereit“, sagte der Chef des Organisationskomitees für die EM 2020 in St. Petersburg, Alexej Sorokin, russischen Sportmedien zufolge. „Wir müssen zunächst aber darüber diskutieren, wie das Format aussehen könnte und wie viele Spiele stattfinden könnten.“ Die endgültige Entscheidung werde die Europäische Fußball-Union treffen, meinte Sorokin. „Es besteht einfach die Bereitschaft Russlands, in der schwierigen Situation zu helfen, in der sich die Organisatoren womöglich befinden.“ Ähnlich hatte sich zuvor Vize-Regierungschef Dmitri Tschernyschenko geäußert. In Russland gibt es nach offizieller Darstellung im Vergleich zu anderen Ländern vergleichsweise wenige Corona-Fälle. In der nordrussischen Millionenmetropole St. Petersburg sollten vier EM-Spiele ausgetragen werden. Im Sommer 2018 war Russland Gastgeber der vom Weltverband Fifa organisierten Weltmeisterschaft.

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