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Fußball-Nationalmannschaft : DFB-Chefs gegen Absage des Holland-Spiels

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„Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen“: DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. Bild: dpa

Nach den Anschlägen von Paris kehrt der DFB-Tross nach Deutschland zurück. Die Spieler werden in ihre Heimatorte geschickt. Nun wird debattiert, ob das Spiel gegen Holland abgesagt werden soll.

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          Nach Ligapräsident Reinhard Rauball hat sich auch sein Kollege als DFB-Interimschef, Rainer Koch, für eine Austragung des Testländerspiels der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag (20.45 Uhr / Live im ZDF und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) gegen Holland in Hannover ausgesprochen. „Natürlich haben wir bei allem die Vorgaben der Sicherheitsbehörden zu beachten. Grundsätzlich sehe ich den DFB und die Nationalmannschaft aber auch in der gesellschaftspolitischen Verantwortung, das klare Zeichen auszusenden, dass unser Rechtsstaat dem Terror nicht weichen darf“, sagte Koch am Samstag nach der Rückkehr der DFB-Auswahl aus Paris.

          „Eine finale Entscheidung über die Austragung des Spiels werden wir morgen gemeinsam treffen“, betonte Koch. Paris war am Freitagabend von einer Terrorserie erschüttert worden. Nach neuesten Erkenntnissen starben dabei mindestens 127 Menschen (Alle aktuellen Informationen finden Sie in unserem Liveblog). Die Nationalmannschaft und ihre Betreuer mussten aus Sicherheitsgründen die ganze Nacht in den Katakomben des Stade de France ausharren. Erst am Samstagmorgen ging es zum Flughafen Charles de Gaulle. Vor der Arena war es am Freitagabend während des Spiels zu Explosionen mit vier Toten gekommen.

          Vor Koch hatte sich auch Rauball geäußert und gegen eine Absage der Partie am Dienstag gegen die Niederlage ausgesprochen. „Es gibt noch keine Entscheidung, aber ich bin dafür, dass gespielt wird“, sagte der DFB-Interimspräsident der Deutschen Presse-Agentur und ergänzte: „Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen.“ Das Testspiel von EM-Gastgeber Frankreich am Dienstag im Londoner Wembley-Stadion gegen England soll ausgetragen werden. Das berichtete die Sportzeitung „L'Équipe“ auf ihrer Internetseite mit Berufung auf den Französischen Fußballverband FFF. Nur im Falle einer konträren Entscheidung der Sicherheitsbehörden müsste die Partie ausfallen.

          In der Nacht wurde auch bekannt, dass Frankreichs Nationalspieler Antoine Griezman nach dem Ende der Partie gegen Deutschland um das Leben seiner Schwester bangte. Sie gehörte nach Angaben des 24-Jährigen zu den Besuchern in der Konzerthalle in Paris, in der mindestens 70 Menschen bei einem Attentat getötet wurden. „Gott sei Dank hat meine Schwester aus dem Bataclan rauskommen können“, schrieb Griezman in der Nacht auf Samstag bei Twitter.

          Am Vormittag landete das DFB-Tross mit Lukas Podolski (links) und Antonio Rüdiger wieder in Frankfurt. Bilderstrecke

          IOC-Präsident Thomas Bach verurteilte die Terroranschläge als „barbarische und feige Taten“. „Dies ist nicht nur ein Angriff auf die Menschen in Frankreich und Paris, dies ist ein Angriff auf die Menschheit und alle humanitären und olympischen Werte“, betonte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees in einer IOC-Mitteilung. Er habe dem französischen Präsidenten François Hollande ein Kondolenzschreiben geschickt und angeordnet, die olympische Fahne auf halbmast zu setzen. „In diesen dunklen Zeiten sollten wir uns an die einende Kraft des Sports erinnern, der Menschen und Gemeinschaften zusammenführen kann, um Frieden und Versöhnung zu bringen. Heute werden alle wohlwollenden Menschen sagen: Wir sind alle Franzosen.“

          In Briefen an die Spitzen des deutschen und des französischen Fußballverbandes drückte Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou seine Anteilnahme aus. „Mit Bestürzung und schockiert haben wir von den schrecklichen Terroranschlägen, welche sich gestern in Paris und in der Nähe des Stade de France während des Spiels Frankreich-Deutschland ereignet haben, Kenntnis nehmen müssen“, hieß es in dem Schreiben des Kameruners am Samstag. Er drücke „allen Mitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes sowie allen Fans, welche im Stadion anwesend waren, die Solidarität der internationalen Fußballgemeinschaft“ aus, schrieb Hayatou an das DFB-Präsidium. In dem Schreiben an den französischen Verbandschef Noël Le Graët betonte Hayatou zudem sein Mitgefühl mit den Familien der Opfer.

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