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Randale bei der EM : Stoppt die Krawallbrüder!

Rückkehr mit Sorgen: Die Nationalmannschaft trainiert in St. Denis Bild: dpa

Die Rückkehr der deutschen Nationalmannschaft nach Paris ruft den Terror vom 13. November in Erinnerung. Aber auch die Randale, an denen auch deutsche Fans beteiligt sind, sorgen für Beunruhigung. Auch die Spieler sollten sich dazu deutlich äußern.

          Der 13. November, heißt es, sei kein Thema mehr. Wann immer in den vergangenen Tagen die Sprache auf die Rückkehr ins Stade de France kam, antworteten die Nationalspieler mit einer Stimme: Sie seien hier, um sich auf das Sportliche zu konzentrieren. Lediglich eine Interviewaussage von Jerome Boateng, seine Familie nicht im Stadion wissen zu wollen, sorgte für so etwas wie einen kleinen Bruch - als Boateng in der Pressekonferenz am Dienstag danach gefragt wurde, versuchte er den Konnex zu den Anschlägen von Paris zu vermeiden.

          Die Routine, die längst wieder Einzug gehalten hat, ist stark. Wo am Anfang bei manchem vielleicht nur eine dünne Haut war - die Reaktionen waren ganz verschieden -, hat sich inzwischen eine emotionale Schutzschicht gebildet, die vielleicht nicht völlig imprägniert, aber die potentiell traumatischen Ereignisse zumindest merklich absorbiert. Die Dienste des Teampsychologen, Hans-Dieter Hermann, waren zuletzt in dieser Sache nicht mehr explizit gefragt.

          Auch Deutsche randalierten

          Die Gedanken jedoch, da kann man sicher sein, werden da sein, wenn die Spieler, Trainer und Betreuer an diesem Donnerstagabend zum Spiel gegen Polen (21 Uhr/ live in ZDF und F.A.Z.-Liveticker) ins französische Nationalstadion einlaufen, es geht nicht anders. Dennoch ist es richtig, jetzt über Tore und Taktik zu reden und möglichst wenig über Terror. Normalität ist nicht, wenn man froh ist, dass am Ende nichts passiert. Sondern wenn man das Spiel spielen oder schauen kann wie ein ganz normales.

          Einen unauffälligen Abend muss man sich noch aus einem ganz anderen Grund wünschen. Die Randale, die eine Gruppe deutscher Fußball-Touristen beim ersten Spiel in Lille angezettelt hat, war ein Schandfleck, der auch dadurch kein bisschen kleiner wird, dass es anderswo bei dieser EM schon weitaus schlimmer zuging. An einem Tag, an dem eine deutsche Delegation den 1998 schwer verletzten Gendarmen Daniel Nivel empfing, der also für Versöhnung stehen sollte, war das ein Zeichen, das höchst alarmierend war. Es deckte sich mit den Befürchtungen der Szenebeobachter in Deutschland.

          Frankreich ist nicht optimal vorbereitet

          Die Partie gegen Polen ist nun eines von fünf Vorrundenspielen, das von den Veranstaltern als besonders krawallgefährdet eingestuft wurde. Aus der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) kommt die Prognose, dass wie in Lille mit rund 300 potentiellen deutschen Gewalttätern zu rechnen sei.

          Bundestrainer Joachim Löw versucht es mit Ablenkung

          Nach vielem, was zu hören und zu lesen ist, haben sich die Gastgeber nicht optimal auf diese unerwünschten Besucher vorbereitet. Nicht nur der frühere Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmut Spahn, schüttelte vernehmlich den Kopf. Auch die besonnenen Experten von der Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS) beklagten mangelnde Abstimmung mit den französischen Behörden. Und den Wunsch von DFB-Chef Reinhard Grindel, wonach „die deutsche Polizeidelegation vielleicht etwas aufgestockt wird, um noch gezielter den französischen Polizeibehörden Hinweise auf einzelne Gewaltbereite zu geben“, kann man als diplomatische Kritik verstehen.

          Auch wenn es in erster Linie Sache der Behörden ist, so gut es geht handfest einzuschreiten: Zu diesem Thema sollten, wenn es eines bleibt, auch die Nationalspieler ihre Stimme erheben - selbst wenn zu befürchten ist, dass sie auf taube Ohren stoßen.

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