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Nach 2:2 gegen Tschechien : „Das ist eine Art von Terror“

  • Aktualisiert am

Beim Spiel gegen Tschechien prügeln sich kroatische Fans untereinander. Bild: dpa

Beim EM-Spiel gegen Kroatien feiern die Tschechen ein starkes Comeback. Doch das 2:2 interessiert im Anschluss nur wenig. Für die Ausschreitungen einiger kroatischer Fans findet Nationaltrainer Cacic deutliche Worte.

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          Geheimfavorit Kroatien hat bei der Fußball-EM in Frankreich einen wichtigen Sieg verschenkt. Gegen eigentlich hoffnungslos unterlegene Tschechen spielten die Stars um Luka Modric und Ivan Rakitic nach einer 2:0-Führung nur 2:2 (1:0). Der Ausgleichstreffer der Tschechen durch Tomas Necid fiel erst in der Nachspielzeit und unmittelbar nach einer gut fünfminütigen Spielunterbrechung.

          Kroatische Fans hatten zuvor Knallkörper und bengalische Feuer auf das Spielfeld geworfen und sich wüste Schlägereien untereinander geliefert. Binnen weniger Minuten wurde aus einem kroatischen Fußball-Fest ein ganz bitterer Abend für das lange Zeit dominierende Team. Die Disziplinarkommission der Uefa wird am Samstag ihre Ermittlungen zu den Vorkommnissen im kroatischen Fanblock aufnehmen, sobald sie den Spielbericht erhalten hat.

          „Wenn wir uns auf den Rängen nicht anständig benehmen können, dann haben wir es auf dem Feld vielleicht auch nicht verdient“, sagte Kroatiens Ivan Rakitic nach dem Spiel im ZDF. Rakitic entschuldigte sich nach dem Spiel bei der Uefa und beim Gegner. Verärgert musste er sich zurückhalten, die Randalierer im kroatischen Fanlager nicht übel zu beschimpfen: „Es gibt Worte, die darf man im Fernsehen nicht sagen.“ Aber er suchte auch die Schuld bei seiner Mannschaft: „Wir hätten das dritte Tor erzielen müssen. Wir dürfen keine Ausreden suchen.“ Ivan Perisic meinte auf die Frage, ob die Zwischenfälle den Sieg gekostet hätten: „Ja, ich denke schon.“

          Kroatiens Trainer Ante Cacic war auf der Pressekonferenz anschließend außer sich. „Ich nennen das eine Art von Terror. Das sind für mich keine Fans, ich nenne sie Hooligans“, sagte er. „Aber 90 Prozent der kroatischen Fans schämen sich auch dafür.“ Die Spieler seien sehr enttäuscht.

          Ein Feuerwehrmann entfernt zahlreiche Leuchtraketen vom Spielfeld Bilderstrecke

          Binnen weniger Minuten wurde so aus einem kroatischen Fußball-Fest ein ganz bitterer Abend für dieses lange Zeit so dominierende Team. Die Kroaten um ihre Stars Rakitic vom FC Barcelona und Luka Modric vom Champions-League-Sieger Real Madrid sahen am Freitag lange wie sichere Sieger aus. Die Tschechen um ihren Spielmacher Tomas Rosicky kamen in Saint-Étienne bis zum Anschlusstreffer kaum zu zählbaren Angriffen. Sie haben nun wieder noch eine Chance auf das Achtelfinale.


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          Wie schon beim 1:0-Sieg gegen die Türkei beherrschten die Kroaten ihren Gegner zunächst in allen Belangen. Immer wieder angetrieben von Modric und Rakitic erarbeiteten sich die Kroaten jede Menge Spielanteile. Das Team von Trainer Ante Cacic war klar überlegen: Mehr Ballbesitz und gewonnene Zweikämpfe, mehr Torschüsse. Dass die Tschechen in der letzten Viertelstunde noch einmal zulegen konnten, lag auch an der schlechten Chancenverwertung.

          Für hässliche Bilder sorgten dann in der 86. Minute kroatische Fans, die Bengalos auf den Platz warfen – ähnliche Szenen wie schon im Spiel gegen die Türkei. Der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg unterbrach das Spiel. Polizei marschierte vor dem Block auf, wo sich Kroaten untereinander Schlägereien lieferten. Kroatische Spieler versuchten, ihre Anhänger zur Vernunft zu bringen.

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          In der 37. Minute hatte der frühere Wolfsburger und -Dortmunder Ivan Perisic, der sich über halblinks in den Strafraum dribbelte und nach einem Übersteiger frei zum Schuss kam: Perisic versenkte den Ball unhaltbar für Petr Cech unten rechts im Tor. Nach dem Treffer versuchten die Tschechen, sich bis zum Pausenpfiff zu wehren. Aber da war schon klar, dass es mit dem klaren Auftrag von Tschechiens Trainer Pavel Vrba nichts wird: „Eines ist sicher: Wir müssen mehr angreifen und mehr nach vorne spielen.“ Vor allem Spielmacher Tomas Rosicky, der die letzte Saison beim FC Arsenal wegen Verletzung fast komplett gefehlt hatte, spielte schwach.

          Allerdings stand die Abwehr um Kroatiens Kapitän Darijo Srna insgesamt auch sicher. Srna, einer der besten im Team, spielte nur fünf Tage nach dem Tod seines Vaters und vier Tage, nachdem er bei der Beerdigung in seiner Heimat war, wieder von Anfang an. „Es war der letzte Wunsch meines Vaters, dass ich heute wieder spiele“, sagte Srna.

          Als die Tschechen zu Beginn der zweiten Halbzeit versuchten, sich aus der Umklammerung zu lösen, passierte dann ein schwerer Fehler des ehemaligen Herthaners Roman Hubnik. Seinen Fehlpass fing Marcelo Brozovic ab und spielte den Ball schnelle weiter an Rakitic, der Cech mit einem Lupfer überwand (59. Minute). Nur einmal sah die kroatische Hintermannschaft schlecht aus, als Rosicky eine geniale Flanke auf Milan Skoda spielte und dieser Kroatiens Torhüter Danijel Subasich mit einem präzisen Kopfball erstmal im Turnier überwand (76. Minute).

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