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Deutschland im Halbfinale : Elfmeter-Drama gewonnen, Italien-Trauma besiegt

Der Moment des puren Glücks: Deutschland gewinnt im Elfmeterschießen. Bild: dpa

Die deutsch-italienische Fußballgeschichte ist um ein Drama reicher: Das EM-Viertelfinale wird erst nach dem 18. Elfmeter entschieden. Hector gelingt der entscheidende Treffer. Deutschland baut seine Serie trotz dreier Fehlschüsse aus.

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          Was als Spiel der Fesseln und Ketten begann, wurde am Ende doch noch ein großes Fußballdrama. Und was für eines. Ein weiteres Kapitel in der Geschichte der packenden deutsch-italienischen Duelle bei großen Turnieren. Mit einem bis zu allerletzt völlig offenen Ausgang. Dass ein Elfmeterschießen über das sportliche Schicksal einer deutschen Mannschaft entscheiden musste, hatte es seit dem WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien nicht mehr gegeben.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Und die Deutschen zeigten sich dabei nicht so zuverlässig wie gewohnt. Von neun Schützen trafen drei nicht, Müller scheiterte mit einem schwachen Schuss an Buffon, Özil traf den Pfosten, Schweinsteiger schoss drüber. Das machte aber nichts, weil zwei Italiener, Zaza und Pelle, das Ziel verfehlten - und Neuer zwei Mal hielt: gegen Bonucci und Darmian. Im neunten Versuch haben die Deutschen nach je neun Elfmetern es also endlich geschafft, die Italiener bei einem großen Turnier zu bezwingen - es geht mit dem Halbfinale weiter, am Donnerstag in Marseille gegen Frankreich oder Island. Mats Hummels wird dann gesperrt fehlen, aber das wird zu verschmerzen sein nach so einem Drama.

          Verdienter Sieger

          Die Deutschen waren ein glücklicher, aber auch ein verdienter Sieger. Weil sie viel mehr für das Spiel getan hatten, sich allerdings lange nicht durchsetzen konnten. Es war das von Joachim Löw erwartete „zähe“ Spiel. Weil beide Teams so viel Energie darauf verwendeten, den Gegner zu kontrollieren, dass für eigene Akzente nicht mehr viel Kapazität blieb. Langweilig anzusehen war das nicht, aber Offensivszenen blieben lange Zeit eine Rarität in Bordeaux.

          Spiel gegen Italien : Das deutsche Team siegt im Elfmeterkrimi

          Dann hatte Mario Gomez einen sehenswerten Auftritt als Türöffner für die Deutschen. Sein Geistesblitz war es, der über die Zwischenstation Jonas Hector zum 1:0 durch Mesut Özil in der 65. Minute führte. Und später hätte Gomez beinahe noch selbst einen Treffer erzielt, doch Buffon parierte seinen Schuss mit der Hacke aus kurzer Distanz noch spektakulär - es wäre wohl die Entscheidung gewesen.

          In der 72. Minute musste Gomez dann angeschlagen ausgewechselt werden, so wie früher im Spiel auch schon Sami Khedira. Auch da sah es nach dem von den Deutschen ersehnten Sieg aus. Doch ein unnötiges Handspiel des bis dahin ebenso wie Mats Hummels exzellent verteidigenden Jerome Boateng versetzte die Squadra Azzurra noch einmal in die Lage, gleichziehen zu können, was sie durch den von Leonardo Bonucci verwandelten Strafstoß auch tat (78.). In der Verlängerung dann hatte der für Gomez eingewechselte Draxler noch einmal eine gute Chance, doch es blieb beim 1:1 - das finale Drama folgte.

          Aus vier mach drei: Löws Umstellung in der Abwehrformation war zu Beginn schon eine Überraschung. Weil das bedeutete, dass der beste Mann des Achtelfinales wieder zuschauen musste. Draxler rein, Draxler raus - so schnell kann es bei Löw gehen, wenn der Plan es erfordert. In der Theorie gab es einiges, was für die Variante Dreierkette sprach, nicht zuletzt der Praxistest beim 4:1 gegen Italien im März in München. Ob die Maßnahme aber auch unter echten Wettkampfbedingungen Wirkung zeigen würde, musste sich erst noch erweisen.

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