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3:3 gegen Ungarn : Portugal rettet sich ins Achtelfinale

  • Aktualisiert am

Ronaldo der Retter: Als es nötig ist, trifft der Superstar Bild: AFP

Im bisher torreichsten Spiel der EM schafft Portugal nach dreimaligem Rückstand noch den Sprung ins Achtelfinale, wo Kroatien wartet. Cristiano Ronaldo trifft, als es am nötigsten ist - darf aber nicht befragt werden. Ungarn ist aber Gruppensieger.

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          Doppeltorschütze Cristiano Ronaldo klatschte sich erleichtert mit seinen Teamkollegen ab, nachdem er Portugals Horrorszenario des frühzeitigen EM-Knockouts gerade noch abgewendet hatte. Beim 3:3 (1:1) in einem atemraubenden Fußball-Spektakel gegen Gruppensieger Ungarn bewahrte der Superstar sein Team vor dem erstmaligen Vorrunden-Aus bei einer Europameisterschaft und darf vor dem Achtelfinale gegen die starken Kroaten weiter vom ersten Titel mit der Selecao träumen.

          Nach der Partie löste die Uefa Empörung bei Journalisten aus, indem sie bei der offiziellen Pressekonferenz keine Fragen der Reporter an Cristiano Ronaldo zuließ. Einzig ein Uefa-Medienvertreter stellte dem Superstar von Real Madrid am Mittwochabend eine einzige Frage. Der Sprecher begründete die Maßnahme nicht weiter. Der zweifache Torschütze Ronaldo war zuvor zum Spieler des Spiels gewählt worden und musste daher zur Pressekonferenz erscheinen. Ob Ronaldo vorher darum gebeten hatte, nicht von Journalisten gefragt zu werden, blieb offen. Als einzelne Journalisten ihre Fragen einfach in den Raum hineinriefen, deutete Ronaldo auf den portugiesischen Medienchef und sagte: „Die haben das entschieden, nicht ich.“

          Ronaldo hatte am Mittwochvormittag beim Morgenspaziergang der Portugiesen für Aufregung gesorgt, als er einem Reporter das Mikrofon aus der Hand riss und es wortlos in einen See warf. Dabei hatte der Mitarbeiter des TV-Senders des portugiesischen Blattes „Correio da Manha“ (CMTV) den 31-Jährigen nur höflich gefragt: „Ronaldo, bereit für das Spiel heute Abend?“

          Dramatisches Spiel

          55.514 Zuschauer in Lyon erlebten ein dramatisches Spiel, das vor allem für die Portugiesen zu einem Wechselbad der Gefühle wurde. Zoltán Gera (19. Minute) und Balázs Dzsudzsák (48./55.) brachten die schon vor dem Anpfiff für das Achtelfinale qualifizierten Ungarn dreimal in Führung. Nani (42.) und zweimal Ronaldo (50./62.) glichen dreimal aus.

          „Es war ein fantastisches Spiel. Wir haben noch einmal draufgelegt und immer an uns geglaubt. Das wurde belohnt. Für ganz Ungarn ist das ein Traum“, sagte Ungarns Trainer Bernd Storck. Ronaldo ist nunmehr der erste Spieler, der bei vier aufeinanderfolgenden Turnieren traf und mit insgesamt acht Endrundentoren auch der zweitbeste Schütze der EM-Geschichte hinter dem Franzosen Michel Platini (9). Zudem avancierte der Ausnahmekönner vom Champions-League-Sieger Real Madrid mit 17 Einsätzen zum alleinigen EM-Rekordspieler.

          Dzsudzsak müsste aus dem Hintergrund schießen - und er schießt. Tor! Ungarn führt 3:2 Bilderstrecke
          Dzsudzsak müsste aus dem Hintergrund schießen - und er schießt. Tor! Ungarn führt 3:2 :

          Auf dem Rasen ging der dreimalige Weltfußballer dann erst einmal durch die Hölle. Ronaldo lamentierte, Ronaldo schimpfte - und sackte in sich zusammen, als Gera die Ungarn mit einem satten 20-Meter-Schuss in Führung brachte. Mit 37 Jahren und 62 Tagen avancierte der Mann von Ferencvaros Budapest zum zweitältesten EM-Torschützen nach dem Österreicher Ivica Vastic (2008). Ungarns Torwart-Oldie Gabor Kiraly musste sich im ersten Durchgang lediglich nach einer knappen halben Stunde bei einem Ronaldo-Freistoß aus knapp 30 Metern strecken.

          Ansonsten konnte der Superstar keinen Schrecken verbreiten. Seine zumeist harmlosen Versuche begleiteten die ungarischen Fans mit höhnischem Beifall. Doch dann blitzte Ronaldos Können kurz vor der Pause doch noch auf: Mit einem herrlichen Pass ebnete er Nani den Weg zum 1:1. Für Ronaldos Sturmpartner war es bereits der zweite Treffer bei dieser Endrunde. Obwohl Ungarn-Trainer Storck die im Turnierverlauf bereits verwarnten Tamas Kadar, Laszlo Kleinheisler, Adam Nagy und Krisztian Nemeth aus Angst vor einer Sperre auf der Bank gelassen hatte, drehte der Außenseiter nach dem Wechsel erst richtig auf.


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          So geht’s!

          Gleich zweimal schlug Dzsudzsák aus der Distanz zu, beide Male wurde der Ball noch von einem Portugiesen abgefälscht. Doch die Freude über die neuerliche Führung währte jeweils nur kurz, weil Ronaldo doch noch seine Torflaute beendete. Zunächst traf er per Hacke zum 2:2, dann per Kopf zum 3:3. Auf der Gegenseite hatte Akos Elek mit einem Pfostenschuss Pech. So blieb es beim verdienten Remis, nach dem beide Mannschaften jubeln konnten.

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