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2:0 gegen Belgien : Italienische Cleverness bremst die hochgelobten „Roten Teufel“

Italienischer Jubel: Die Squadra Azzurra überlistet Belgien Bild: dpa

In der Weltrangliste liegt Belgien weit vor Italien: Auf dem Platz aber, auf dem die Wahrheit liegt, zeigt die reife „Squadra Azzurra“ den jungen „Roten Teufeln“, was eine Turniermannschaft ist. 

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          Es sollte das erste Topspiel dieser EM und der erste Leckerbissen im Eintopf einer arg verwässerten Vorrunde werden. Und es konnte sich sehen lassen, was Belgien und Italien am Montagabend den 56.000 Zuschauern im Grand Stade von Lyon boten. Hochtalentierte Feintechniker aus Belgien gegen fast abgeschriebene, bei großen Turnieren aber immer präsente Italiener – das entwickelte sich zu einem Duell auf Augenhöhe, das der Außenseiter durch Tore von Emanuele Giaccherini (32. Minute) und Graziano Pelle in der Nachspielzeit 2:0 gewannen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          „Es war ein hartes Spiel, wirklich umkämpft“, sagte der erschöpfte Giaccherini im Anschluss in der ARD. „Belgien war Favorit, aber wir haben alles daran gesetzt, dieses Spiel zu gewinnen. Es war fundamental für uns.“

          Die favorisierten Belgier erlebten ihr azurblaues Wunder und sind schon nach ihrem Auftaktspiel in dieser schwierigen Gruppe mit Italien, sowie Irland und Schweden, die sich am Nachmittag unentschieden trennten, in einer unangenehmen Situation. Sie drängten gegen Italien in der zweiten Halbzeit zwar mächtig auf den Ausgleich, mehr als zwei große Chancen für Jordan Lukaku (53.) und den eingewechselten Divock Origi (80.) sprangen aber nicht heraus.

          Der ebenfalls eingewechselte frühere Dortmunder Ciro Immobile verpasste in der 84. Minute das zweite Tor für Italien, das Pelle dann als Schlusspointe nachholte. „Es war ein sehr gutes Spiel für uns. Wenn Kompaktheit herrscht, kann man einiges erreichen“, sagte der Coach. „Aber wir behalten die Füße am Boden.“

          Gute Stimmung: Italienische Fans vor dem Anpfiff Bilderstrecke

          Die Belgier waren als Nummer zwei der Weltrangliste angetreten – und waren doch das erste Mal seit 16 Jahren bei einer Europameisterschaft dabei, und damals auch nur, weil sie gemeinsam mit den Niederlanden als Veranstalter auftraten. Die Italiener sind das Gegenteil, ein Dauerbrenner, man muss sie immer auf der Rechnung haben, auch wenn es in der Serie A, wie derzeit, ziemlich traurig zugeht und die großen Stars längst einen Bogen um das Land machen. Sie haben keinen Strategen mehr wie den fabelhaften Andrea Pirlo, diesen genialen Fadenzieher im Mittelfeld, aber sie haben immer noch diese Mischung aus Härte, Effizienz und taktischer Routine, die jedem Gegner das Spiel schwer macht.

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          Und die hochgelobten Belgier bekamen das am Montag in Lyon vom Anpfiff weg zu spüren. Vor Torwartlegende Gianluigi Buffon bot Trainer Antonio Conte mit Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini die Innenverteidigung von Juventus Turin auf, ein schlachterprobtes Bollwerk, das sich auch vom gefürchteten belgischen Offensiv-Dreieck aus Kevin de Bruyne (Manchester City), Eden Hazard (FC Chelsea) und Romelu Lukaku (FC Everton) nie aus der Ruhe und nur selten aus dem Gleichgewicht bringen ließ.


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          Die italienische Abwehr eine Bank, das Mittelfeld ohne die verletzten Marco Verratti und Claudio Marchisio ein Schatten weltmeisterlicher Zeiten, und der Angriff mit Eder und Pelle weitgehend unbekannt, aber alle zusammen taktisch und kämpferisch immer auf der Höhe. Allein im ersten Abschnitt liefen die Italiener sechs Kilometer mehr als ihre Gegner.



          Trainer Conte hatte vor der Partie noch aus dem Nähkästchen geplaudert. Um bei einer EM etwas zu erreichen, sagte er, müsse man gut vorbereitet sein: „Wie ein Chamäleon, dass sich verschiedenen Situationen anpasst.“ Und so spielten die Italiener. Unter Druck ihren bestens organisierten Zerstörerfußball mit einzelnen heftigen taktischen Fouls, bei Gelegenheit aber auch mutiges Pressing in der Offensive, wahlweise schnelle Konter oder hohe Bälle in die Spitze. Und ein solcher sorgte in der 32. Minute für die Führung: Bonucci hatte den Ball vom Mittelkreis nach vorn geschlagen, Verteidiger Alderweireld verschätzte sich, und Giaccherini vollendete zum 1:0 – ehe Pelle kurz vor Schluss für die Entscheidung sorgte.

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