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2:0 gegen die Ukraine : Ein Auftaktsieg für die Sparversion des Weltmeisters

Zäher Beginn

Bevor es losging, strahlten die Deutschen eine bemerkenswerte Gelassenheit, man könnte fast sagen, Lässigkeit aus. Mats Hummels erfüllte hinter der Bank reichlich Selfie-Wünsche, das Trainerteam mit Löw, Thomas Schneider und Marcus Sorg parlierte in modischen dunkelgrauen T-Shirts an der Seitenlinie. Auf dem Feld jedoch gestaltete sich die Sache zunächst eher zäh. Löws Team fehlten Tempo und Präzision, so dass zum einen das Kombinationsspiel nicht in Gang kam, zum anderen lange Bälle reihenweise weit an den Empfängern vorbeisegelten.

Es gab auch eine frühe Schrecksekunde zu überstehen. Nachdem Mustafi einen Zweikampf an der Außenlinie schon gewonnen hatte, wurde er den Ball doch wieder los, und von der 16-Meter-Linie kam Konopljanka zu einem Schuss – Neuer musste sich ein erstes Mal ganz schön strecken (5.). Das konnte bei weitem nicht das Deutschland sein, dass Löw auf dieser Bühne hatte vorzeigen wollen.

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Es half ein Mittel, das über die Jahre betrachtet einen eher mühsamen Weg in das deutsche Repertoire gefunden hat: ein Standard. Den von Kroos getretenen Freistoß von der halbrechten Seite wuchtete Mustafi ins Netz. Löws Griff erwies sich somit früh als ein glücklicher. Und man konnte schon anfangen, sich Gedanken zu machen, was das für Hummels bedeuten würde, der ja in dieser Woche wieder voll ins Geschehen eingreifen soll.

Fadenscheinigkeit vor der Pause

Doch was die Deutschen danach bis zur Pause boten, war phasenweise von einer solchen Fadenscheinigkeit, dass sich womöglich einige ihrer Sache für den Donnerstag nicht sicher sein sollten. Eine exzellente Chance besaß Löws Team zwar noch, als Khedira, von Kroos freigespielt, frei vor dem Torwart scheiterte (29.). Doch sonst wurde es in dieser Phase beunruhigend. So gut wie kein konstruktives Aufbauspiel, keine Autorität – und bisweilen haarsträubendes Durcheinander in der Defensive. Wieder war Neuer gefordert, als er einen Kopfball von Jewhen Khatscheridi über die Latte lenkte (27.). Und die Deutschen hatten zwei Mal großes Glück: einmal, als Boateng nach einem eigenen Fehler noch auf der Linie rettete (37.), und einmal, als Jarmolenko im Abseits stand (39.). Ein gefährlicher Ball nach dem anderen flog in den letzten Minuten der ersten Hälfte durch den deutschen Strafraum. Der Pausenpfiff von Schiedsrichter Atkinson verschaffte eine dringend nötige Atempause.


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So geht’s!

Nach der Pause wirkten die Deutschen präsenter, robuster. Löw hatte auf Wechsel zunächst verzichtet. Draxler und Kroos schossen gleich mal gefährlich aufs Tor, auch Khedira versuchte es später noch einmal. Insgesamt sah es jetzt nach vorne besser aus, hin und wieder blitzte das kombinatorische Können vergangener Tage auf. Doch eine Wette auf einen guten Ausgang blieb immer noch eine riskante Angelegenheit, dafür sorgte die eine oder andere Schludrigkeit in der Defensive. In der Schlussphase gab es noch Herzschlag-Momente hüben wie drüben. Erst vergab Özil die Chance zum 2:0, dann leistete sich Mustafi um ein Haar ein kapitales Eigentor. Dann brachte Löw nach 90 Minuten Schweinsteiger für Götze, es war der zweite Wechsel, nachdem zuvor Schürrle für Draxler gekommen war. Und der Kapitän meldete sich eindrucksvoll zurück.



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