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Polen gewinnt Elfmeterschießen : „Was für ein Match“

  • Aktualisiert am

Jubel an der Mittellinie: Polen gewinnt im Elfmeterschießen Bild: AFP

Das Achtelfinale zwischen Polen und der Schweiz ist ein Spiel mit verteilten Halbzeiten – und endet erst im Elfmeterschießen. Der Sieger ist mehr glücklich als verdient.

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          Wie entfesselt stürmten die Polen auf ihren goldenen Torschützen Grzegorz Krychowiak zu und nahmen ihn jubelnd in ihre Mitte. Der Profi vom FC Sevilla hat die Nerven behalten und seine Mannschaft mit dem entscheidenden Elfmeter erstmals bei einer Fußball-Europameisterschaft ins Viertelfinale geführt. Der WM-Dritte von 1974 und 1982 kam am Samstag gegen die Schweiz zu einem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen und feiert damit den größten Erfolg bei einer EM. „Was für ein Match. Das war sehr emotional. Wir haben alles gegeben“, meinte Polens Torhüter Lukasz Fabianski.

          Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:0) gestanden. Vor 38 842 Zuschauern im Geoffroy-Guichard-Stadion von Saint-Etienne erzielte der langjährige Dortmunder Bundesligaprofi Jakub Blaszczykowski den Führungstreffer für die Polen (39.), ehe Xherdan Shaqiri mit einem Traumtor (82.) der Ausgleich gelang. Die Schweizer scheiterten wie schon vor zwei Jahren bei der WM im Achtelfinale. Ausgerechnet der sonst so starke Granit Xhaka setzte den zweiten Elfmeter für die Schweizer weit links neben das Tor. Krychowiak zeigte keine Nerven verwandelte den entscheidenden Elfmeter eiskalt.

          Durch die Beine von Sommer: Polens Führungstor von Jakub Blaszczykowski. Bilderstrecke
          Durch die Beine von Sommer: Polens Führungstor von Jakub Blaszczykowski. :

          „Das ist sehr schade für die Jungs. Wir hätten am Ende eigentlich das Tor schießen müssen“, sagte der Schweizer Coach Vladimir Petkovic. Gladbachs Torhüter Yann Sommer konnte es kaum fassen: „Das geht mir sehr nahe. Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben maximal gefightet und hätten den Sieg verdient gehabt“.

          Im Duell der K.o.-Runden-Debütanten und Minimalisten, die beide mit nur zwei Treffern ins Achtelfinale eingezogen sind, setzten die Polen zunächst die Akzente. Bereits nach 20 Sekunden sorgten  Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik für Aufregung in Schweizer Strafraum. Nach einem Fehler von Johan Djourou kam zunächst Lewandowski in seinem 80. Länderspiel knapp gegen Sommer zu spät, Milik setzte den Nachschuss über das Tor.

          Die Schweizer, die vor zwei Jahren bei der WM in Brasilien im Achtelfinale an Argentinien scheiterten, setzten im Angriff wieder auf den bislang glücklosen Haris Seferovic. Der junge Breel Embol kam erst im zweiten Abschnitt dazu.

          Verbessert hat diese personelle Maßnahme das Angriffsspiel der Eidgenossen in der ersten Halbzeit aber nicht. Für Gefahr vor dem polnischen Gehäuse sorgten lediglich die Defensivakteure der Schweizer. Ein Rechtsschuss von Linksverteidiger Ricardo Rodriguez verfehlte das Tor knapp (25.), ein Kopfball von Fabian Schär landete in den Armen von Fabianski (35.).


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          In Blaszczykowski erzielte dann auch bei den Polen eher ein defensiverer Spieler die Führung. Nachdem sich Kamil Grosicki auf der linken Seite durchsetzen konnte und die Abwehrreihe der Schweizer düpierte, erzielte der völlig freistehende Mittelfeldspieler aus sieben Metern mit seinem zweiten Turniertreffer noch vor der Pause das 1:0.

          Erst nach dem Rückstand kam mehr Bewegung ins Offensivspiel der Schweizer. Der quirlige Shaqiri brachte Unruhe in die polnische Abwehr. Die immer stärkeren Schweizer kamen durch Seferovic zu einem Lattentreffer (79.), ehe Shaqiri mit einem sehenswerten Seitfallzieher von der Strafraumgrenze in der regulären Spielzeit noch zum 1:1 traf und somit die Verlängerung erzwang. Dort hätte Eren Derdiyok in der 113. und 118. Minute jeweils den Siegtreffer für die Schweiz erzielen können, doch Fabianski reagierte wieder reaktionsschnell.

          Beim Elfmeterschießen blieben die Polen souverän, Sommer hatte nur einmal die Finger am Ball und setzte seine Pechserie fort. Der Gladbacher Keeper konnte in zwei Jahren im Club von mehr als 20 Strafstößen nur einen parieren. „Wir hätten etwas Historisches schaffen können, das gelang uns nicht. Wir dürfen aber trotzdem stolz sein“, sagte Shaqiri.

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