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3:1 gegen Belgien : Der nächste Streich von Wales

  • -Aktualisiert am

So feiert Wales! Bild: Reuters

Das kleine Wales stürmt ins EM-Halbfinale: Williams, Robson-Kanu und Vokes treffen beim 3:1-Sieg gegen das hoch gehandelte Belgien. Jetzt wartet Portugal auf den EM-Neuling.

          Es ist die EM in Frankreich, aber es sollte das Heimspiel für Belgien werden. Lille, zwanzig Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, wirkte an diesem Freitag wie ein Magnet auf die Nachbarn. Schätzungen zufolge hatten sich rund 100.000 Belgier in die nordfranzösische Kapitale aufgemacht, um den „Roten Teufeln“ so etwas wie himmlischen Beistand zu leisten. Im Stade Pierre Mauroy waren zwar offiziell nur 12.000 Fans der Mannschaft von Trainer Marc Wilmots zugelassen. Sie hörten sich aber nach mehr an. Anfangs, als dieser Abend ganz nach dem Wunsch der Belgier verlief und das Team durch einen Distanzschuss durch Nainggolan 1:0 in Führung gegangen waren (13. Minute). Dem Ausrufezeichen folgten jedoch viele Fragezeichen und die große Enttäuschung zum Ende.

          Nicht der Favorit und Weltranglistenzweite gewann dieses Viertelfinalspiel, sondern die fabelhaften Waliser Außenseiter, angeführt von ihrem bei Real Madrid in die Weltklasse aufgestiegenen Fußballhelden Gareth Bale und dem großartigen Aaron Ramsey vom FC Arsenal. Ramsey bereitete die ersten beiden Treffer zu einem allseits bestaunten 3:1-Sieg durch Kapitän Williams (31.) und Robson-Kanu (55.) vor und war am Ende doch traurig, weil er nach seiner zweiten Gelben Karte in diesem Turnier für das Halbfinale gegen Portugal in Lyon am Mittwoch gesperrt ist. Ihm war aber auch zum Jubeln zumute, weil der eingewechselte Vokes mit einem wuchtigen Kopfball den Endstand erzielte (86.). „Don‘t send me home“, besangen die Waliser den größten Abend ihrer Fußballhistorie.

          Überwältigende Freude nach überragendem Spiel: Die Spieler aus Wales  lassen es laufen! Bilderstrecke

          Die Belgier, offensiv zuzeiten brillant, scheiterten an ihrer schwachen Defensive, die sich zwei Schnitzer zu viel leistete. Diesen Malus konnte auch ihr Star Eden Hazard, genesen von einer Oberschenkelverhärtung, nicht wettmachen. Er hatte sich in Lille als Spieler des OSC zwischen 2005 und 2012 wohler gefühlt als am Freitag, als die belgische Party ins nordfranzösische Regenwasser fiel.

          Das größte Manko der Belgier konnte Wilmots mit der Zweitbesetzung für die Abwehrstammkräfte Vertonghen (für ihn war die EM nach einem doppelten Bänderriss im Knöchel vorzeitig beendet) und Vermaelen (gesperrt nach zwei Gelben Karten) nicht wettmachen. Die unerfahrenen Denayer und Jordan Lukaku, den Bruder des Mittelstürmers Romelu Lukaku, erwiesen sich auf der linken Seite als hohes Sicherheitsrisiko.

          Positiv denkend wie immer, hatten sie sich dagegen in der letzten noch verbliebenen britischen Mannschaft frischen Mut gemacht. Bale sagte „das größte Spiel in unserer Geschichte“ voraus, und so trat das Team auch auf – nach einer Anfangsphase, in der die Belgier ihren Gegner mächtig unter Druck gesetzt hatten. Doch mit dem 1:0 im Rücken ließen sie es schleifen und bauten so den Außenseiter auf. Die Waliser, die immer wieder über die rechte Seite angriffen, auf der Denayer und Jordan Lukaku mühelos überspielt wurden, verschafften sich Meter für Meter auch psychologische Vorteile.


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          Der Ausgleich durch einen Kopfballtreffer von Williams nach einem Eckstoß des mitreißenden Ramsey war logisch. Er belohnte eine Mannschaft mit großer Moral, viel Geschick und der richtigen Strategie gegen die nur in der Offensive überzeugenden Belgier.

          Wilmots reagierte, ersetzte zur Pause den allzu offensiven Carrasco durch den defensiven Mittelfeldspieler Fellaini, der auch den unsicheren Kantonisten auf der linken Seite helfend beistehen sollte. Doch eben dieser Profi mit dem Struwwelpeter-Look ließ sich im Verein mit Rechtsverteidiger Meunier in der 55. Minute entscheidend ausspielen. Wieder hatte Ramsey den Treffer mit seiner vierten Torvorbereitung dieses Turniers in die Wege geleitet, als er Robson-Kanu in Position brachte: Der Zweitligastürmer des FC Reading drehte sich einmal kurz vorbei an den beiden verdutzten Belgiern und schloss dann mit einem Schuss ins linke Eck zum 2:1 für die furchtlosen Waliser ab (55.). Und das in einer Phase, in der sich die Belgier gerade zu berappeln schienen.

          Als dann auch noch mitten hinein in den belgischen Endspurt der eben eingewechselte Vokes das 3:1 erzielte, feierten und sangen nur noch die Waliser – während die Belgier starr vor Entsetzen die Europameisterschaft verlassen mussten.

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