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3:0 gegen Irland : Geheimfavorit Belgien meldet sich zurück

  • -Aktualisiert am

Lukaku (links) erzielte das erste Tor für Belgien im Turnier Bild: AFP

Auch gegen Irland wirkt der Geheimfavorit lange im Geheimen – doch dann dreht Lukaku in Halbzeit zwei für Belgien auf. Das Achtelfinale ist plötzlich wieder greifbar.

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          Belgien hat sich bei der Fußball-Europameisterschaft eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach der ernüchternden 0:2-Auftaktniederlage gegen Italien gewann das Team von Trainer Marc Wilmots am Samstag in Bordeaux gegen Irland 3:0, und damit ist einer der Favoriten dieser Europameisterschaft nach seinem Stolperer zum Auftakt wieder im Rennen. Die Iren, die sich gegen den Favoriten tapfer wehrten, letztlich aber überfordert waren, haben im letzten Gruppenspiel Italien zum Gegner, ihre Chancen, erstmals die K.o.-Runde einer EM zu erreichen, haben sich weitgehend verflüchtigt.

          „Es geht nicht um Leben und Tod in diesem Spiel, aber es ist eine sehr wichtige Partie“, hatte Marc Wilmots, der belgische Coach, vor der Partie gesagt, und diesmal klang die Leben-und-Tod-Rhetorik im Zusammenhang mit einem Fußballspiel noch etwas dümmlicher als sonst. Denn die Meldung war bedrohlich: Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Belgien am Freitag und Samstag waren die Sicherheitskräfte davon ausgegangen, einen Anschlag verhindert zu haben, womöglich beim Spiel der Belgier gegen Irland. In Bordeaux hatte das rund um die Partie für noch strengere Sicherheitsmaßnahmen und noch mehr Polizeipräsenz gesorgt, nicht aber für Unruhe unter den Fans. Die Stimmung im Stadion war blendend, grün gegen rot, die Belgier leicht in der Überzahl, aber die Iren mit tagsüber gut geölten Stimmen und markigen Fangesängen ein ebenbürtiger Gegner.

          Wichtig, wie Wilmots sagte, war die Partie tatsächlich, nicht nur für das belgische Team, auch für seinen Trainer, der nach dem ideenlosen Auftritt seiner Mannschaft gegen Italien in der Heimat heftig kritisiert worden war. Die Zeitungen schrieben von „einem begrenzten Trainer“ und womöglich dem falschen Mann für den belgischen Luxuskader. Kapitän Eden Hazard verteidigte den ehemaligen Schalker, Kosename „Kampfschwein“, mit den Worten: „Er versucht, uns gut Fußball spielen zu lassen. Manchmal gelingt uns das nicht. Aber er steht ja nicht auf dem Platz.“

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          Und der zweite Torschütze: Axel Witsel :

          Anstoß, und schon hatten es die Belgier eilig, auf dem Platz und auf den Tribünen. Sie waren angespannt, nervös, das spürte man, ein frühes Tor sollte her zur Beruhigung, die Mannschaft begann stürmisch, und ihre Fans pfiffen wie wild, wenn sich der irische Torhüter Darren Randolph bei einem Abstoß mal zwei Sekunden Zeit nahm. Die erste große Chance für den Favoriten hatte Hazard in der 19. Minute, als er eine verunglückte Kopfballabwehr der irischen Abwehr zum Anlass nahm, aus 13 Metern aufs Tor zu schießen, brandgefährlich, aber einen Meter zu hoch. Die Iren? Standen zunächst gut in der Abwehr, wie schon gegen Schweden. Laufstark, zu jedem Zweikampf bereit. Mit weit geschlagenen Bällen oder zügigen Kontern waren sie punktuell in der Lage, die belgische Abwehr zu beschäftigen. In der 25. Minute lag der Ball dann erstmals im irischen Tor, ohne Folgen noch, denn Yannick Carrasco, der ihn zuvor an die Latte geköpft und im zweiten Versuch im Tor unterbracht hatte, war deutlich im Abseits gestanden.

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          Die Roten mühten sich, die Roten griffen an, der Ball lief über viele Stationen, aber die goldene Generation des belgischen Fußballs um die stürmischen Hazard, de Bruyne und Lukaku brauchte auch gegen Irland einen langen Anlauf, um ihre Klasse auf den Platz zu bringen. Erst kurz nach der Halbzeit hatte das Zittern ein Ende. Lukaku zog von der Strafraumgrenze ab, und der Ball passte genau zwischen den Pfosten und Torhüter Randolphs Fingerspitzen: 1:0. Der Bann war gebrochen. Jetzt mussten die Iren aufrücken, mussten dem Gegner mehr Spielraum lassen, jetzt begann Belgien Fußball zu spielen, locker und leicht, präzise und schnell, da blitzte immer wieder die ganze Klasse auf, die in dieser Mannschaft steckt. Als Axel Witsel in der 61. Minute per Kopf das 2:0 folgen ließ, ging es für die Iren nur noch darum, das Ergebnis halbwegs im Rahmen zu halten. Sie kassierten noch das 3:0 von Lukaku in der 70. Minute, dann war der belgische Spuk vorbei, und Wilmots blickte zufrieden drein. Wie hatte Hazard doch gesagt: „Er versucht, uns gut Fußball spielen zu lassen.“ Diesmal war der Versuch geglückt.

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