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2:0 gegen Wales : Und plötzlich steht Portugal im EM-Finale

  • -Aktualisiert am

Paris, wir kommen. Cristiano Ronaldo und Portugal stehen im Finale. Bild: Reuters

Portugal besiegt Außenseiter Wales mit 2:0 und kämpft nun um den Titel bei dieser Fußball-EM. Entscheidender Mann im Halbfinale ist wieder einmal Cristiano Ronaldo.

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          Portugal hat sein erstes großes Ziel bei der Fußball-Europameisterschaft erreicht. Durch einen 2:0-Erfolg über den bis dahin glorreichen Außenseiter Wales qualifizierte sich die Mannschaft um Cristiano Ronaldo, den dreimaligen Weltfußballer des Jahres, für das Finale am Sonntag in Saint-Denis. Der Gegner wird an diesem Donnerstag in Marseille im Spitzenduell zwischen Gastgeber Frankreich und Weltmeister Deutschland ermittelt. Spielen die Portugiesen im Stade de France so schlecht wie am Mittwoch in der ersten Hälfte, dürften sie keine Chance haben. Spielen sie so ordentlich wie nach der Pause, als Ronaldo (51. Minute) und Nani (53.) die Tore schossen, sind sie zumindest wettbewerbsfähig.

          Immerhin: Gegen die diesmal nicht so stark wie bisher auftretenden Waliser gewannen die Portugiesen im sechsten Turnieranlauf ihr erstes Spiel über die reguläre Spielzeit von neunzig Minuten. „Wir wussten, dass es ein langer und harter Weg wird, aber wir wussten immer, dass wir es schaffen können. Ich hoffe, dass ihr mich am Sonntag Tränen der Freude weinen seht“, sagte Ronaldo und richtete noch ein paar Worte an seine Kritiker: „Ich bin jetzt 13 Jahre auf dem Niveau, die Statistiken lügen nicht.“

          Vorher schien es fast so, als ginge es hier um ein Duell Eins gegen Eins: Ronaldo gegen Bale, Superstar gegen Superstar, Real gegen Real. Dem hielt Gareth Bale, der Waliser in Madrid, entgegen, dass „es das Spiel Portugal gegen Wales ist, mehr nicht“. Mehr nicht? Schließlich lockte das Finale: für Portugal ein Turnierziel, das die Mannschaft 2004 bei der EM im eigenen Land schon einmal erreicht hat, ehe sie dann aber am griechischen Beton, angerührt vom Essener Trainer-Altmeister Otto Rehhagel, scheiterte. Damals schon dabei: Cristiano Ronaldo, der am Mittwoch als erster Spieler in der Geschichte der EM-Endrunden sein viertes Halbfinale bestritt.

          Ronaldo, bei Real Madrid zu einer Ikone des Weltfußballs geworden, wartete vor dem Duell mit dem Überraschungsteam des Turniers noch auf seinen ersten großen Auftritt in Frankreich. Die Lusitanier mussten verletzungsbedingt auf den unter Oberschenkelproblemen leidenden Abwehrchef Pepe verzichten, den Bruno Alves vertrat. Dazu fehlte in William Carvalho der Prellbock vor der zuletzt so stabilen Abwehr. Er saß eine Sperre wegen zweier Gelber Karten ab. Die Waliser mussten aus diesem Grund auf ihren unentbehrlichen Spielmacher Aaron Ramsey sowie auf den bewährten Innenverteidiger Ben Davies verzichten.

          Dem Optimismus der Briten, die bei ihrer ersten EM da ankamen, wohin es den großen Bruder England seit Jahren vergeblich drängt, konnten diese Ausfälle nichts anhaben. Und auch die Portugiesen, vielgescholten ob ihrer in den K.o.-Spielen allzu defensiven Spielweise, scherten sich nicht um ihre Kritiker.

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          „Es geht hier doch nicht darum, ob man schön oder hässlich spielt“, argumentierte Trainer Fernando Santos als Anwalt des Ergebnissports Fußball, „es geht nur darum, ob man noch hier oder schon zu Hause ist.“ Den Ehrgeiz und die Entschlossenheit, sich die große Chance nach zuvor dünnen Leistungen nicht entgehen zu lassen, sah man den Portugiesen in der ersten Hälfte nicht an.

          Ein, zwei hübsche Momente von Ronaldo – das war’s, was die wieder einmal weit unter ihren Möglichkeiten bleibende Mannschaft zu bieten hatte. Bei Wales leuchtete das eher simple Spiel nur dann, wenn Gareth Bale zu seinen Sololäufen ansetzte und sich in eine gute Schussposition bringen konnte. Ein sehenswerter Abschluss aber fehlte auch beim großen Außenseiter in den ersten 45 Minuten. Verständlich, dass die 50.000 Zuschauer im bei weitem nicht gefüllten Grand Stade de Lyon ihrem Unmut beim Halbzeitpfiff des schwedischen Schiedsrichters Jonas Eriksson freien Lauf ließen.

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          Portugal startete mit neuer Verve und Energie in die zweite Hälfte. Cristiano Ronaldo zeigte nun endlich die Weltklasse, die in ihm steckt und beendete in der 51. Minute die allgemeine Ereignislosigkeit, als er nach einem kurz ausgeführten Eckball und einer Flanke des Neu-Dortmunders Guerreiro viel höher als sein Gegenspieler Chester stieg und mit einem wuchtigen Kopfball unter die Latte das 1:0 erzielte (51.). Sein dritter Turniertreffer, alle in Lyon erzielt, wo er zuvor schon zweimal beim 3:3 gegen Ungarn erfolgreich war. CR7 stellte zudem den Uralt-Torrekord bei den Europameisterschaften von Michel Platini ein, der bei Frankreichs Triumph 1984 neunmal getroffen hatte. Ronaldo brauchte für diese Quote allerdings vier Turniere, was Platinis Leistung noch einmal aufwertet.

          Als kurz nach dem 1:0 Nani auf 2:0 erhöhte, als er Ronaldos Flachschuss ins Tor verlängerte (53.), stand auch schon fest, wer der erste Endspielteilnehmer im EM-Finale am Sonntag sein wird. Die Portugiesen müssen sich im Stade de France allerdings gewaltig steigern, wollen sie gegen Deutschland oder Frankreich eine Chance auf den Turniersieg haben. Immerhin: Sie überzeugten in Lyon zumindest während der zweiten Hälfte gegen einen schließlich nur noch tapferen Gegner, der von seinen Fans lautstark singend verabschiedet wurde.

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