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0:2 gegen Frankreich : Der deutsche Traum vom EM-Titel platzt im Halbfinale

Der Anfang vom Ende: Bastian Schweinsteiger (links) verschuldet einen Handelfmeter. Bild: Reuters

Rien ne va plus – nichts geht mehr für den Weltmeister. Zwei Tore von Griezmann treffen die deutsche Elf entscheidend im Halbfinale. Frankreich kann sich nun im Endspiel gegen Portugal mit dem EM-Titel krönen.

          4 Min.

          Der deutsche Traum vom Titel starb in einer leidenschaftlichen französischen Fußballnacht. Das Halbfinale von Marseille war ein großes Spiel, in dem sich die Weltmeister bis zum Schluss verzweifelt gegen die Niederlage stemmten, alles versuchten und alles gaben, aber am Ende nach zwei Toren von Antoine Griezmann (45. Minute, Elfmeter, 72.) als untröstliche und unglückliche Verlierer dastanden. Gastgeber Frankreich feierte mit dem 2:0 gegen Deutschland den größten Triumph seit dem WM-Titel im eigenen Land vor knapp zwanzig Jahren.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Sonntag kann das Team von Trainer Deschamps in St. Denis gegen Portugal nun auch den EM-Titel holen. Es war am Ende die stärkere Offensivkraft, die Torjägerqualität Griezmanns und die Durchsetzungskraft, die Frankreich zum verdienten Sieger machte. Den Deutschen fehlte an diesem Abend neben ihren Gesperrten und Verletzten (Hummels, Khedira und Gomez) vor allem Vollstreckerstärke, und auch Fortüne. Ohne die Form und die Tore von Thomas Müller, das zeigte sich nun, als es gegen die beste Mannschaft des Turniers drauf ankam, war den Deutschen eine diesmal entscheidende Qualität abhanden gekommen, die niemand ausgleichen konnte.

          Es hat schon viele große Fußballduelle zwischen Deutschen und Franzosen gegeben, sportliche Dramen, unvergessen auch nach Jahrzehnten. Und schon nach wenigen Minuten war im Stade Velodrome klar, dass auch die Spieler von heute an diesem Abend in Marseille alles daran setzten, ein Spiel für die Erinnerung zu schaffen. Die Gastgeber startete mit einer Vehemenz und Fulminanz, wie man es bei diesem Turnier noch nicht gesehen hatte.

          Der Weltmeister hatte seine liebe Not und Mühe, der französischen Energie zu widerstehen, um in neuer Mittelfeld-Formation nicht sofort Überblick und Ordnung zu verlieren. Einer solchen Wucht hatten sich die Deutschen noch nie bei der Europameisterschaft entgegenstemmen müssen, wie in den ersten zehn Minute. Es war ein Fehler Schweinsteigers, dessen Kopfball beim Gegner landete, der den ersten Angriff der Gastgeber nach zwei Minuten einleitete. Aber Can blockte die Flanke, die aus diesem ersten Konter entstand, zum Eckball ab. Damit hatte die neue deutsche Doppels-Sechs gleich ihren ersten, wenngleich gemischten Auftritt.

          Schon in der siebten Minute war die Führung der Franzosen ganz nahe. Griezmann setzte zu einem unwiderstehlichen Solo an, dem Özil und Höwedes nicht gewachsen waren. In den Strafraum eingedrungen, fehlte es dem Stürmer von Atletico Madrid an Präzision. Seinen Schuss in die rechte Ecke konnte Neuer deswegen gerade noch mit einer Hand abwehren. Nach gut zehn Minuten ebbte der Druck der Franzosen allmählich ab, die Deutschen verschafften sich mit Ballbesitz-Fußball zunächst etwas und dann immer mehr Luft.

          Nach einer Viertelstunde war das Spiel mindestens ausgeglichen, sogar mit mehr Vorteilen für den Weltmeister. Eine Chance von Müller, der zentralen aber auch in dieser Partie im Abschluss wirkungslosen Spitze, nach einer schönen Kombination über Kimmich und Can (13.); ein gefährlicher Schuss von Can, den Loris mit einer Hand noch von der Linie kratzte (14.), und ein weiterer, aber leicht zu haltender Schuss von Müller (15.) waren Zeichen der sich verändernden Gewichte.

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