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4:2 nach Elfmeterschießen : Italien fordert Deutschland

  • -Aktualisiert am

Cole scheitert an Buffon - das Ausscheiden Englands ist unvermeidlich Bild: AFP

Italien besiegt im EM-Viertelfinale England mit 4:2 nach Elfmeterschießen. Vom Punkt trifft Englands Young nur die Latte, dann pariert Buffon gegen Cole - und Diamanti verwandelt zum Sieg. Die überlegene Squadra Azzurra fordert nun die Deutschen heraus.

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          Die deutsche Nationalmannschaft bekommt es im EM-Halbfinale am kommenden Donnerstag in Warschau mit einem nervenstarken Gegner zu tun. Italien setzte sich im Elfmeterschießen 4:2 gegen England durch. Diamanti verwandelte den entscheidenden Strafstoß, nachdem Torwart Buffon gegen Cole pariert hatte. Zuvor waren Montolivo an seinen Nerven und Young an der Latte gescheitert, während Balotelli, Pirlo und Nocerino für Italien sowie Gerrard und Rooney für England getroffen hatten.

          Balotelli vergibt reihenweise beste Gelegenheiten

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Schon in den 90 Minuten der regulären Spielzeit hatte Italien genug Chancen besessen, die Begegnung für sich zu entscheiden. Doch De Rossi traf in der Anfangsphase nur den Pfosten und dann vergab vornehmlich Balotelli beste Gelegenheiten, so blieb es beim 0:0, das auch in der Verlängerung Bestand hatte. Die Engländer hatten eine gute Phase in der ersten Halbzeit, beschränkten sich ansonsten auf die Defensive. Einerseits, weil sie durch die Italiener gebunden wurden, anderseits, weil ihnen die Klasse im Offensivspiel fehlte, wenn nicht gerade einmal Rooney am Ball war. Aber auch vor Italien muss sich die deutsche Mannschaft nicht fürchten. Sollte sie Spielmacher Pirlo in den Griff bekommen, ist die Hauptsache geschafft.

          Es bedarf keines besonders hohen Grundniveaus, um ein unterhaltsames Fußballspiel zu inszenieren. Italien und England unterstrichen in ihrem Aufeinandertreffen im EM-Viertelfinale, dass sie über einige Spitzenkönner verfügen, aber als Mannschaft mit den Deutschen und Spaniern derzeit nicht mithalten können. Immer wieder störten Ungenauigkeiten die Kombinationen, immer wieder versandete eine Aktion, weil den Spielern die Ideen ausgingen, wohin sie denn laufen oder den Ball spielen könnten. Dazu kam die eine oder andere Schwäche in der Ballbehandlung, was bei den Italienern überraschte.

          Neun große Torchancen

          Doch beide Offensivreihen schafften es in den ersten 45 Minuten, für Aufregung im Stadion zu sorgen, neun große Torchancen zählten die Statistiker. Ausgehend von Pirlo und De Rossi im zentralen Mittelfeld erarbeite sich Italien ein deutliches Plus an Tormöglichkeiten. Die beiden Feldspieler mit der größten Erfahrung bestimmten den Rhythmus und waren immer wieder in der Lage, ihre Mitspieler mit einem überraschenden Zuspiel in Position zu bringen. Die Stürmer Balotelli und Cassano hatten allerdings nicht ihren besten Tag erwischt. Die beiden Angreifer bewegten sich zwar gut, aber wenn es beim Torschuss zum Schwur kam, gerieten sie ins Stottern. Balotelli zögerte wieder einmal zu lange, als er nach einem Steilpass frei auf den englischen Torwart Hart zulief. Bis er sich sortiert hatte, war der gewiss nicht schnelle englische Abwehrchef Terry dazwischengefahren.

          Schuss von De Rossi klatscht an den Pfosten

          De Rossi kam der italienischen Führung schon in der dritten Minute am nächsten. Sein Gewaltschuss aus 30 Metern Torentfernung klatschte an den Pfosten. Aber auch England hatte seine Chancen. Immer wenn Rooney an den Ball kam, gewannen die Aktionen an Niveau. Einen spektakulären Flugkopfball setzte der Star von Manchester United etwas zu hoch an, das Zuspiel mit der Hacke zu seinem Klubkollegen Welbeck gelang perfekt. Doch das 21 Jahre alte Sturmtalent schob den Ball mit der Seite über das Tor. Die größte englische Gelegenheit machte Italiens Torwartlegende Buffon zunichte. Einen Schlenzer von Johnson aus sechs Metern Torentfernung wehrte er mit einer Hand ab.

          Kein Halten mehr: Der entscheidende Elfmeter schlägt im Tor ein und die Italiener spurten los... Bilderstrecke

          Die ungewohnte italienische Abwehrschwäche hatte ihren Grund: Trainer Prandelli musste seine Viererkette wegen einigen Ausfällen neu zusammenstellen. Abate, Barzagli, Bonucci und Balzaretti verfügen zwar im Schnitt über die Erfahrung von 28 Jahren, haben aber nur im Schnitt 15 Länderspiele bestritten. Keiner der vier war für seine Position vor der EM erste Wahl. In der zweiten Halbzeit nahmen ihnen die Vorderleute zunächst alle Arbeit ab. Sie verlagerten das Geschehen ganz in die englische Spielhälfte. Mit der gefürchteten Effektiviät früherer Jahre hätte Italien dieses Viertelfinale bis zur 60. Minute für sich entschieden. Doch De Rossi verzog aus sechs Metern, Balotelli traf aus ähnlicher Distanz den Ball nicht richtig und Montolivo donnerte den Abpraller über die Latte. Auch bei Balotellis Fallrückzieher war das 1:0 möglich, der Ball flog knapp über die Latte.

          Abseitstor durch Nocerino

          Der englische Trainer Hodgson reagierte auf die plötzlich eindeutigen Verhältnisse auf dem Spielfeld. Für Welbeck und Millner brachte der 64-jährige die Offensivkräfte Carroll und Walcott ins Spiel, die im Gruppenspiel gegen Schweden je ein Tor erzielt hatten. Und prompt meldete sich England zurück. Young war es, der die erste Schusschance seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit vergab. Es sollte die letzte bis zur 90. Minute bleiben, als Rooney sein Glück mit einem Fallrückzieher probierte - der Ball flog über das Tor. Auch die Italiener hätten sich die Verlängerung sparen können, wenn Terry nicht Nocerinos Schuss im letzten Moment geblockt hätte. Die folgende Zugabe von 30 Minuten wird nicht lange im Gedächtnis bleiben. Italien hatte zwei Gelegenheiten und erzielte durch Nocerino ein Abseitstor, aber ansonsten wollten sich beide Teams vor allem keine Blöße mehr geben und vertrauten ihrer Stärke im Elfmeterschießen. Die Italiener zu Recht.

          England - Italien 2:4 i.E. (0:0)

          England: Hart - Johnson, Terry, Lescott, Cole - Gerrard, Parker (94. Henderson) – Milner (60. Walcott), Rooney, Young - Welbeck (60. Carroll)
          Italien: Buffon – Abate (90. + 1. Maggio), Barzagli, Bonucci, Balzaretti - Marchisio, Pirlo, De Rossi (80. Nocerino) - Montolivo - Balotelli, Cassano (78. Diamanti)
          Schiedsrichter: Proenca (Portugal)
          Tore: keine in 120 Minuten
          Elfmeterschießen: 0:1 Balotelli, 1:1 Gerrard, Montolivo verschießt, 2:1 Rooney, 2:2 Pirlo, Young verschießt, 2:3 Nocerino, Buffon pariert gegen Cole, 2:4 Diamanti
          Gelbe Karten: - / Barzagli, Maggio
          Zuschauer: 64.340 (in Kiew)

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