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4:0 gegen Irland : „Tiki-taka“ besiegt „Kick and Rush“

Die Spanier können ja doch öfter als einmal im Spiel treffen: Silva und Torres beim Jubel Bild: dpa

Im Duell zweier unterschiedlicher Spielkulturen setzen sich die spanischen Welt- und Europameister mit 4:0 gegen die rustikalen Iren, die damit ausgeschieden sind, durch. Vor allem die „echte Neun“ der Iberer sticht heraus.

          Im strömenden Regen von Danzig hat sich der Welt- und Europameister Spanien seine Chance auf das Viertelfinale bei der Europameisterschaft erhalten. Das 4:0 in der Gruppe C gegen die vermeintlich schwächste Elf aus Irland war zwar keine spielerisch berauschende Partie, aber wenigstens stimmte das Ergebnis für den Titelfavoriten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwei Treffer erzielte Angreifer Fernando Torres. Dennoch müssen die Spanier weiter um den Einzug in die nächste Runde zittern, sind doch neben den Kroaten auch noch die Italiener im Rennen um die Topplätze. Fest steht nur, dass die Iren keine Chance mehr haben bei diesem Turnier.

          Zuerst einmal interessierte vor dem Anpfiff, ob der spanische Trainer Vicente Del Bosque an seiner Idee festhielt, eine Mannschaft ohne richtigen Angreifer ins Spiel zu schicken wie beim Remis-Auftakt gegen Italien. So war eine Diskussion im Lande um den Sinn des Spiels mit der „falschen Neun“ entbrannt, bei dem die vorderen drei der insgesamt sechs Mittelfeldspieler abwechselnd in die Spitze stoßen.

          Fernando Torres hatte zwar in der ersten Partie nach seiner Einwechselung einige hochkarätige Chancen vergeben, aber zumindest gezeigt, wie wichtig diese Vollstreckerposition auch für das vermeintlich spielstärkste Fußballteam in diesem Wettbewerb sein kann. Also ließ sich der Stoiker Del Bosque offenbar doch bewegen und brachte Torres gegen die Irländer von der ersten Minute an. Die Entscheidung erwies sich als vollkommen richtig. Dafür blieb Mittelfeldspieler Cesc Fabregas draußen.

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          Was die Mannschaft des italienischen Trainer-Oldies Giovanni Trapattoni einbringen konnte gegen die Fußballmacht Spanien, war die Einsatzbereitschaft und der Kampfgeist, mit dem die Iren schon die Kroaten herausgefordert hatten. Hinter ihnen stand im Danziger Stadion die Mehrzahl der 38.000 Zuschauer.

          Neben den deutschen Fans sind die aus Irland bei dieser EM am reiselustigsten. Doch sie wurden schnell enttäuscht: Torres nutzte gleich zu Beginn eine Schwäche der irischen Innenverteidigung, die einen eigentlich schon geklärten Ball vertändelte und an den spanischen Angreifer verlor. Torres zog nach rechts und überwand mit einem strammen Schuss aus dem Strafraum Torwart Shay Given zum 1:0.

          Die hohe Kunst des sauberen, schnellen Flachpasses

          Die Spanier dominierten sofort die Partie, ließen den Ball laufen. Sie zeigten wie gewohnt die hohe Kunst des sauberen, schnellen Flachpasses, vor allem im offensiven Teil des Mittelfelds mit Andres Iniesta oder Spielmacher Xavi.

          Weil die überforderten Iren sich zeitweise weit in ihre Hälfte zurückzogen, wurde es für den Weltmeister um den Sechzehnmeterraum ziemlich eng. Die Spanier fanden in der ersten Halbzeit kaum Mittel, diesen Riegel zu überwinden, wirkten gelegentlich sogar umständlich mit ihren Versuchen. Schüsse von Iniesta (23.) und Xabi Alonso (26.) konnten das Resultat nicht verbessern.

          Trapattonis Mannschaft bricht völlig in sich zusammen

          Die Iren rannten und rannten auf dem glitschigen Untergrund. Aber ihr Einsatz lief doch mehr und mehr ins Leere. Der kombinationsstarke Gegner überforderte sie zunehmend. Schon gleich nach der Pause trafen wieder die Spanier (49.), David Silva war mit einem Schuss aus dem Gewühl im Strafraum erfolgreich.

          Danach brach Trapattonis irische Mannschaft völlig in sich zusammen. Erst bediente Xavi nochmals Fernando Torres zum 3:0 (70.), der schließlich im Alleingang vollendete. Dann traf der für Torres eingewechselte Mittelfeldmann Fabregas auch noch aus spitzem Winkel von rechts (83.).

          Spanien - Irland 4:0 (1:0)

          Spanien: Casillas - Arbeloa, Sergio Ramos, Piqué, Jordi Alba - Busquets, Xabi Alonso (65. Javi Martínez) - David Silva, Xavi, Iniesta (80. Santi Cazorla) - Torres (74. Fàbregas)
          Irland: Given - O’Shea, Dunne, St. Ledger, Ward - Duff (76. McClean), Whelan (80. Green), Andrews, McGeady - Keane, Cox (46. Walters)
          Schiedsrichter: Proença (Portugal)
          Zuschauer: 39.150
          Tore: 1:0 Torres (4.), 2:0 David Silva (49.), 3:0 Torres (70.), 4:0 Fàbregas (83.)
          Gelbe Karten: Javi Martínez, Xabi Alonso / Keane, Whelan, St. Ledger

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