https://www.faz.net/-hfm-70oyw

2:1 gegen Dänemark : Benders Beförderung

  • -Aktualisiert am

Der Mann, der die deutsche Mannschaft erlöste: Lars Bender trifft zum 2:1 Bild: AFP

Podolski und Bender treffen zum 2:1-Sieg gegen Dänemark. Deutschland zieht nach drei knappen Siegen ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft ein. Gegner am Freitag ist Griechenland.

          Auftrag ausgeführt, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat das Viertelfinale der Europameisterschaft als Gruppenerster erreicht. Der Leverkusener Lars Bender beseitigte mit seinem Siegtreffer in der 80. Minute zum 2:1 über Dänemark alle Zweifel. Die waren zwischenzeitlich nach dem dänischen Ausgleichstreffer durch Krohn-Dehli (24. Minute) aufgekommen. Das deutsche Team begann hervorragend und wurde durch das 1:0 von Lukas Podolski belohnt.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          In der zweiten Halbzeit kontrollierte dann das DFB-Team die Partie, ohne den Glanz der ersten Minuten zu verbreiten. Aber keine Frage, der Sieg war hochverdient. Mittelfeld und Abwehr verrichteten ihre Arbeit hoch konzentriert, dennoch war der dänische Stürmer Bendtner nicht immer unter Kontrolle zu bringen. Bender, der den Gelbgesperrten Boateng als rechter Außenverteidiger vertrat, machte seine Sache nach einer wackeligen Anfangsphase ordentlich und wurde am Ende sogar zum großen Beruhigungsfaktor. Im Viertelfinale geht es nun am Freitag in Danzig gegen Griechenland.

          Die deutschen Spieler machten ihr Versprechen von Anfang an wahr. Von wegen abwarten, von wegen taktieren, sie wollten ihre gute Ausgangsposition in der Gruppe B nicht verwalten, sondern mit Toren so schnell wie möglich die Verhältnisse endgültig klären. Sie entfachten einen Sturmwirbel, der die Dänen zunächst überforderte. Bis Podolski in der 19. Minute der Führungstreffer gelang, hatte das Team von Bundestrainer Löw schon vier Torgelegenheiten verpasst. Die größte war Thomas Müller schon nach sechs Minuten vor die Füße gefallen. Doch fünf Meter vor dem dänischen Tor traf der Bayern-Profi den Ball nicht richtig. Torwart Andersen konnte den Ball unter seinem Körper begraben.

          Das Tor zum Viertelfinale: Andersen geschlagen, Bender glücklich Bilderstrecke

          Es war eine einzige Freude zuzusehen, wie die Deutschen sich in der Offensive bewegten. Khedira eröffnete die Lücken am häufigsten, aber auch Müller und Schweinsteiger beteiligten sich an den Spielzügen. Gomez kam zwar zunächst nicht zum Abschluss, aber er schuf die Räume im Strafraum, die die Kollegen benötigten. Und der Mittelstürmer alter Prägung kombinierte fast schon in Klose-Manier fleißig mit. Ohne seinen körperlichen Einsatz wäre der Ball in der 19. Minute auch nicht zu Podolski gekommen. Nach Müllers Hereingabe drängte er den dänischen Abwehrspieler im Zweikampf dergestalt ab, dass der Ball quer durch den Fünfmeterraum rollte. Aus dieser Distanz hatte der freistehende Podolski auch mit seinem nicht gerade bevorzugten rechten Fuß keine Mühe, das 1:0 zu erzielen.

          Doch die Dänen schlugen zurück

          Deutschland trumpfte auf, Deutschland führte, die Niederlande führte, der Weg ins Viertelfinale schien ein Spaziergang zu werden. Doch die Dänen hatten nicht vor, sich auf die Opferrolle zu beschränken. Ihre ganze Körpersprache drückte aus, dass sie weiter an sich glaubten, obwohl sie ihren Gegnern unterlegen waren. Schon gegen eindrucksvolle Portugiesen hatten sie einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Bei aller Anerkennung dänischer Unverdrossenheit – der Ausgleich fiel völlig überraschend. Und wie so oft im Fußball nutzte das schwächere Team einen Standard. Die Eckenvariante war offensichtlich einstudiert. Der hünenhafte Bendtner hielt sich weit hinter dem Fünfmeterraum auf, köpfte den Ball ins Zentrum zurück, wo Krohn-Dehli ihn ebenfalls mit dem Kopf ins deutsche Tor weiterleitete.

          Dieser unvermutete Rückschlag hatte zehn Minuten lang eine lähmende Wirkung auf die deutschen Spieler. Nichts mehr gelang, wo vorher Esprit sprühte, da saß nun tiefe Verunsicherung. Der Scherenschlag von Gomez in der 33. Minute misslang zwar, aber diese kleine Torchance war das Zeichen für die zweite deutsche Angriffswelle. Bis zur Pause hätten Podolski per Freistoß, Khedira per Flachschuss und Gomez das 2:1 erzielen können. Aber entweder verzogen sie knapp oder sie wählten wie im Fall von Gomez die falsche Lösung. Statt den Ball direkt zu verwerten, wollte ihn der Bayern-Stürmer annehmen und gab dabei Kjaer die Chance dazwischen zu fahren.

          Kontrollierte Offensive und ein Konter

          Die deutsche Mannschaft hatte 45 Minuten lang vieles richtig gemacht und dennoch die frühe Entscheidung verpasst. Dieses unangenehme Gefühl, dass etwas schieflaufen könnte, verstärkte sich zu Beginn der zweiten Halbzeit. In Charkiw hatte Portugal längst ausgeglichen und in Lemberg verstärkten die Dänen ihre Angriffsbemühungen. Was die Mannschaft von Trainer Morten Olsen in der 51. Minute vortrug, hatte beängstigendes Niveau. Simon Poulsens Hereingabe in den Strafraum nach schönen Flankenlauf nahm der bärenstarke Bendtner auf. Er verteidigte den Ball gegen Hummels, legte ihn auf Jakob Poulsen zurück, der alle Zeit der Welt hatte, ihn aus zehn Metern ins deutsche Tor zu schießen. Doch der Schuss berührte nur den Außenpfosten.

          Nach diesem Warnschuss suchten Löws Spieler nicht mehr mit letztem Risiko den Weg zum Tor, wo doch auch das Unentschieden zum Gruppensieg reichte. Schürrle sorgte nach seiner Einwechslung für Podolski in der 63. Minute noch für etwas Belebung, aber alles in allem ging es den Deutschen nun um kontrollierte Offensive. Die Dänen, die nach dem 2:1-Fürhungstreffer der Portugiesen gegen die Niederlande unbedingt das Siegtor erzielen mussten, kamen kaum noch einmal gefährlich in die Nähe des deutschen Strafraums. Als sie dann ihre Deckung ein wenig entblößten, um etwas mehr Druck zu entfachen, nutzten die Deutschen ihren ersten Konter zur Entscheidung.

          Dänemark - Deutschland 1:2 (1:1)

          Dänemark: Andersen - Jacobsen, Kjær, Agger, Simon Poulsen - Jakob Poulsen (82. Mikkelsen), Kvist - Zimling (78. Christian Poulsen), Eriksen, Krohn-Dehli - Bendtner
          Deutschland: Neuer - Bender, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller (84. Kroos), Özil, Podolski (64. Schürrle) - Gomez (74. Klose)
          Schiedsrichter: Velasco (Spanien)
          Tore: 0:1 Podolski (19.), 1:1 Krohn-Dehli (24.), 1:2 Bender (80.)
          Gelbe Karten: keine
          Zuschauer: 32.990 in Lwiw

          Weitere Themen

          Deutsche Junioren hellwach zum ersten Sieg

          U-21-EM : Deutsche Junioren hellwach zum ersten Sieg

          Der Auftakt verläuft ein wenig holprig, dann zeigt der Titelverteidiger bei der U-21-EM seine Klasse. Deutschland besiegt Dänemark im ersten Spiel. Beim 3:1-Erfolg ist ein Spieler beim DFB-Nachwuchs überragend.

          Topmeldungen

          EZB-Chef Draghi : Das Ende von „Super Mario“

          EZB-Präsident Mario Draghi demonstriert noch einmal seine Stärke. Doch längst sind Kräfte am Werk, die die Macht der Notenbanken aushöhlen. Werden mit dem Ende der Ära Draghi die Karten neu gemischt?

          Aktien im Handelskrieg : Keine Angst vor Trump!

          Der Handelskrieg zwischen Amerika und China spitzt sich weiter zu. Das macht es auch gefährlich für Anleger. Doch es gibt Aktien, die dagegen immun sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.