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1:1 gegen Frankreich : Hodgsons Viererketten machen dicht

  • -Aktualisiert am

Englische Wucht: Lescott trifft energisch per Kopf zum zwischenzeitlichen 0:1 Bild: dapd

Der Fußball-Klassiker hält nicht, was er verspricht: Ängstliche Franzosen und taktisch kluge Engländer trennen sich in einem ereignisarmen Spiel mit 1:1. Frankreich findet gegen das englische 4:4:2-System kaum Mittel.

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          Hauptsache, nicht verlieren: Unter diesem wenig attraktiven Leitmotiv begegneten sich die Fußball-Nationalmannschaften aus Frankreich und England bei ihrem ersten Europameisterschaftsauftritt. 48.000 Zuschauer in der nicht ausverkauften Donezker Donbass-Arena mussten sich an diesem Montagabend mit einem Geduldsspiel zum Auftakt der Begegnungen in der Gruppe D begnügen. Die sowohl von den favorisierten Franzosen wie auch von Engländern bevorzugte Fehlervermeidungsstrategie ging auf Kosten der Spannung und der Qualität.

          Lescott (30. Minute) und Nasri (39.) erzielten die Treffer. Ob Frankreich nach seinem 22. Spiel in Serie ohne Niederlage eine Chance auf den Titel hat, wie viele glauben? Eine Antwort auf diese Frage gibt vielleicht die nächste Begegnung am Freitag gegen die Elf des EM-Mitausrichters Ukraine. England dagegen erwies sich schon an diesem Montag stabiler, widerstandsfähiger und taktisch klüger als viele geglaubt hatten. Zumindest das Viertelfinale scheint für beide Mannschaften erreichbar.

          Heiße Temperaturen, kühler Fußballsport

          Heiß, heißer, Donezk: So präsentiert sich die ostukrainische Millionenstadt dieser Tage. Bei schwülem Wetter und Temperaturen von rund dreißig Grad nahmen deshalb die Mannschaften Frankreichs und Englands am frühen Montagabend ihre schweißtreibende Arbeit bei der Europameisterschaft auf. Die Franzosen, einer der heißen Tips auf den Titelgewinn, hatten deshalb vorgesorgt. Bei Halbzeit umhüllten sie ihre Profis mit Kühlwesten. Für Frankreich war das Duell mit dem alten Rivalen jenseits des Kanals der Beginn einer groß angelegten Wiedergutmachungstour zwei Jahre nach dem in jeder Hinsicht unrühmlichen frühen Abschied von der Weltmeisterschaft in Südafrika. Der neue Trainer Laurent Blanc, Welt- und Europameister als Spieler, hatte schon bei der Vorbereitung auf sein erstes großes Turnier als sportlich Verantwortlicher hohe Erwartungen geweckt. 21 Begegnungen nacheinander war die Équipe Tricolore vor dem polnisch-ukrainischen Sommerfest unbesiegt geblieben. „Wir haben uns zuletzt viel Selbstbewusstsein angeeignet“, hob der Coach am Tag vor dem Ernstfall hervor, „wenn wir die Gruppenphase überstehen, ist alles möglich.“

          Angriffslustiger Beginn der Engländer

          Kollege Roy Hodgson, seit dem 1. Mai der neue Mann auf der englischen Bank, war schon froh, nicht noch weitere Hiobsbotschaften verdauen zu müssen. Lampard verletzt, Cahill verletzt, Barry verletzt: Gleich drei Stammspieler waren kurz vor der EM ausgefallen, und dazu fehlte der bis zum dritten Gruppenspiel gesperrte Stürmerstar Wayne Rooney. Doch der 64 Jahre alte Hodgson, in seiner langen Trainerkarriere weltweit herumgekommen, bewahrte die Contenance und bewies britische Gelassenheit. Der Gentleman im grauen Anzug hatte sein Team binnen kurzem hinter sich gebracht, und mit dieser Ge- und Entschlossenheit traten die Spieler auch auf. Von vornherein mutiger, flotter und angriffslustiger als die lange zuwartenden Franzosen, beschwor England ein paar bedrohliche Momente für den Favoriten herauf.

          Gerrard tritt den Freistoß, Lescott köpft ein

          Young, zweite Spitze hinter Welbeck, hatte in der bis dahin besten Szene Milner mit einem sehenswerten Steilpass freigespielt, der umkurvte Torwart Lloris, schob den Ball aber aus zu spitzem Winkel am Tor vorbei (15.). Auf altbritisch-klassische Weise fiel nach einer halben Stunde das Führungstor für die aktivere Mannschaft: Gerrards Freistoß veredelte Innenverteidiger Lescott von Meister Manchester City, begünstigt durch Diarras Stellungsfehler, mit einem wuchtigen Kopfball zum 1:0. Erst danach legte Frankreich einen Zahn zu und schlug zurück. Diarra scheiterte noch mit einem Kopfball an Torhüter Hart (36.), ehe drei Minuten später der am Montag stärkste Individualist auf dem Platz, Nasri, in der Premier League Lescotts Mannschaftskamerad und am Montag der bis zur Pause umtriebigste Franzose, ließ Hart mit einem plazierten Flachschuss aus 17 Metern keine Chance.

          Französische Präzision: Nasri gleicht mit einem genauen Schuss ins rechte Toreck zum 1:1 aus Bilderstrecke

          Die Franzosen hatten sich lange mit Andeutungen ihrer Klasse begnügt, nun waren sie endlich konkret geworden in einer Auseinandersetzung, die allmählich besser wurde. Die Halbzeitpause hatte die eisgekühlten Franzosen nicht erfrischt. Wie schon im ersten Teil der ersten Hälfte setzten die defensiv wohlorganisierten und offensiv gut aufeinander abgestimmten Engländer die wenigen nennenswerten Akzente. Frankreich, auch der Münchner Bayern-Star Ribéry, wirkte wie zu Beginn zu kompliziert in seinen Aktionen. Blancs Mannschaft suchte vergebens nach der einen großen Lücke im englischen Abwehrverbund. Erst in der 65. Minute riskierte Karim Benzema, eine stürmische Größe bei Real Madrid, seinen ersten Schuss, den Hart aber mühelos parierte. Ein Signal für eine nennenswerte Schlussoffensive war daraus nicht abzuleiten. Am Ende hatten sich beide Teams um das 1:1 bemüht. Es wurde ihnen gewährt. Um mehr zu erreichen, muss demnächst mehr kommen.

          Frankreich - England 1:1 (1:1)

          Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexes, Evra - A. Diarra - Ca´baye (84. Ben Afra), Malouda (85. Martin) - Nasri, Ribéry - Benzema.
          England: Hart - G. Johnson, Lescott, Terry, A. Cole - Gerrard, Parker (78. Henderson) - Milner, Oxlade - Chamberlain (77. Defoe) - A. Young - Welbeck (90. Walcott).
          Schiedsrichter: Rizzoli (Italien).
          Tore: 0:1 Lescott (30.), 1:1 Nasri (39.).
          Zuschauer: 48.000 (in Donezk).
           

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