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1:0 gegen Portugal : Perfekt zum Sieg gezittert

Der Stoff, aus dem Träume sind: Mario Gomez trifft zum deutschen Sieg Bild: dpa

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beginnt das EM-Turnier ohne großen Schwung. Aber dank eines effizienten Mario Gomez reicht es gegen Portugal zum 1:0-Sieg. Die Deutschen haben bei zwei Lattentreffern des Gegners Glück.

          Wie schwierig es ist, mit den eigenen Ansprüchen und hohen öffentlichen Erwartungen eines Titelfavoriten umzugehen, hat die deutsche Fußball-Nationalelf in der durchwachsenen Vorbereitungszeit auf diese Europameisterschaft erfahren müssen. Von diesen Unsicherheiten über die eigene Leistungskraft hat sich die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw jedoch erst einmal befreien können.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine ordentliche, aber keinesfalls dominante Leistung langte zum umkämpften 1:0-Sieg am Samstag in Lemberg. Gekrönt wurde der Erfolg durch das entscheidende Tor von Mario Gomez in der 72. Minute. Er hing allerdings am Ende am seidenen Faden – die Portugiesen mit dem Superstar Cristiano Ronaldo wehrten sich.

          Wenn auch verbesserungswürdig, ist das ein perfekter Start in der Gruppe B, die man jetzt zusammen mit Dänemark anführt. Die Ausgangsposition für die nächste Partie am Mittwoch in Charkiw gegen die Niederländer (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) ist vielversprechend, steht der Gegner, der am Samstag ebenfalls 0:1 gegen die Dänen unterlag, doch nun schwer unter Druck.

          Zuerst einmal wurde in Lemberg vor mindestens 10.000 angereisten deutschen Fans das Rätsel gelöst, wie viel Vertrauen der Bundestrainer in die kleine Fraktion der körperlich noch nicht auf der Höhe befindlichen Spieler hatte.

          Es ergab sich ein unterschiedliches Bild: Seinen Mittelfeldmotor Bastian Schweinsteiger, zuletzt behindert von einer Wadenverletzung, schickte er in die schwere Auftaktbegegnung, wohl mit der Absicht, den defensiven Teil im Mittelfeld zu stabilisieren, warnte Löw doch vor den schnellen Offensivattacken der Portugiesen.

          Bilderstrecke

          Auf den anderen fraglichen Positionen sah das schon anders aus. Überraschenderweise verzichtete er auf Innenverteidiger Per Mertesacker, mit dem eigentlich fest gerechnet worden war, und brachte dafür an der Seite Holger Badstubers den Dortmunder Mats Hummels.

          Mertesacker lief aufgrund einer Verletzung aus der Saison seiner Bestform noch hinterher, schien aber auf einem guten Weg, bis er am Donnerstag im Trainingslager bei einer Übung mit Jerome Boateng zusammenstieß und das Training vorzeitig abbrechen musste.

          Genauso war offenbar Miroslav Klose noch nicht so weit, dass Löw diesmal dem Münchner Stürmer Mario Gomez ganz und gar vertraute. Sonst blieb alles so, wie erwartet – auch Boateng war der Chefbeauftragte zum Abblocken von Cristiano Ronaldo auf der rechten Bahn.

          Patricio hält gegen Gomez und Podolski

          Für Gomez als einzigen Stürmer war das eine einzigartige Chance, spielte doch bei den vergangenen zwei Turnieren immer Klose im Angriff. Und außerdem ist vielen Fans immer noch Gomez’ unglücklicher Auftritt bei der EM vor vier Jahren präsent.

          Aber der Münchner, die vergangenen Jahre der beste deutsche Bundesligatorschütze, zeigte sofort, was er von sich in diesem Turnier erwartet. Gleich in der zweiten Minute hätte er auf eine Flanke von Boateng fast zur Führung eingeköpft, doch der portugiesische Torwart Rui Patricio hielt den druckvollen Kopfball – wie sieben Minuten später auch einen Schuss von Lukas Podolski.

          Müllers Schuss geht am Torpfosten vorbei

          Beide Teams tasteten sich konzentriert ab, keine Seite wollte zu viel Risiko eingehen und schon so früh in Rückstand geraten. Die deutsche Elf setzte erst einmal auf Sicherheit, was zwar richtig war, vergaß allerdings im richtigen Moment das eigene Spiel schnell voranzubringen. Zu statisch die Vorwärtsbewegung, zu langsam die Seitenwechsel.

          Gerade Podolski verlor sich auf der linken Bahn zunehmend. Zwischendurch blitzte mal eine gute Idee auf, meist war der agile Özil beteiligt oder Khedira, der sich mehr als Schweinsteiger nach vorne orientierte. In der 40. Minute hätte der ebenfalls engagierte Thomas Müller die große Chance, sein strammer Schuss ging allerdings am linken Torpfosten vorbei.

          Hummels wurde zur Entdeckung des Abend

          Die Portugiesen, bei denen Superstar Ronaldo durch die gute Abwehrarbeit der Deutschen selten gefährlich ins Spiel eingreifen konnte, erarbeiteten sich bis zur Pause nur eine einzige Torchance - und die hatte es aber in sich (45. Minute).

          Aus dem Abwehrgewühle im Strafraum zirkelte Abwehrmann Pepe einen Ball aus etwa elf Metern genau unter die Latte, doch prallte dieser genau auf die Linie und wurde dann weggeschossen. Schnell zeigte sich im deutschen Spiel, dass Hummels, der zuvor nur eine mäßige EM-Vorbereitung absolviert hatte, zur Entdeckung des Abends wurde. Aufmerksam bis in die Haarspitzen, dirigierte der Mertesacker-Ersatz die Abwehr, schritt im richtigen Moment ein, wenn Ungemach drohte.

          Boateng rettet gegen Ronaldo in höchster Not

          Gleich nach der Pause klärte er zweimal in brenzliger Situation per Kopf. Auf ihn konnte sich die deutsche Elf verlassen. Auch Boateng hielt sich gegen Ronaldo unbeschadet, klärte in der 64. Minute in höchster Not vor dem Star.

          Die Portugiesen zeigten sich sehr stabil und immer auf dem Sprung nach vorne. Im zentralen Mittelfeld organisierten sich die kämpferischen sowie sehr laufstarken Raul Meireles und Joao Moutinho. In der Abwehrzentrale hielten die kantigen Pepe und Bruno Alves dicht. Nani war das eher unauffällige Pendant von Ronaldo auf der rechten Außenbahn.

          Dank an Neuer, Hummels und Badstuber

          Vom einzigen Stürmer Helder Postiga kam nicht viel, er fiel nur durch einen üblen Tritt gegen Torwart Manuel Neuer auf (12.). Um mehr Schwung ins eigene Spiel zu bringen und um noch etwas zu versuchen, wollte Löw nach 72 Minuten eigentlich Klose einwechseln, als Khedira von rechts auf Gomez flankte und dieser zur Führung einköpfte.

          Der Bann war gebrochen, die deutsche Elf nahm Schwung auf, doch die Portugiesen gaben nicht auf. Im Minutentakt arbeiteten sie sich ab der 81. Minute noch fünf gefährliche Chancen heraus, einmal prallte eine verunglückte Flanke von Nani sogar noch auf die Latte. Doch der Aufmerksamkeit Neuers, Hummels’ und dann auch Badstuber war es zu verdanken, dass es beim 1:0 blieb.

          Deutschland - Portugal 1:0 (0:0)

          Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/27 Länderspiele) - Boateng (Bayern München/23/22), Hummels (Borussia Dortmund/23/15), Badstuber (Bayern München/23/21), Lahm (Bayern München/28/87) - Khedira (Real Madrid/25/28), Schweinsteiger (Bayern München/27/91) - Müller (Bayern München/22/28 - 90.+4 Bender/Bayer Leverkusen/23/7), Özil (Real Madrid/23/34 - 87. Kroos/Bayern München/22/27), Podolski (1. FC Köln/27/98) - Gomez (Bayern München/26/53 - 80. Klose/Lazio Rom/34/117)
          Portugal: Rui Patricio (Sporting Lissabon/24/12) - Pereira (Sporting Lissabon/28/15), Bruno Alves (Zenit St. Petersburg/30/51), Pepe (Real Madrid/29/40), Coentrão (Real Madrid/24/23) - Miguel Veloso (CFC Genua/26/25) - Raul Meireles (FC Chelsea/29/57 - 80. Varela/FC Porto/27/7), João Moutinho (FC Porto/25/44) - Nani (Manchester United/25/55), Hélder Postiga (Real Saragossa/29/50 - 70. Nélson Oliveira/Benfica Lissabon/20/4), Cristiano Ronaldo (Real Madrid/27/91)
          Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
          Zuschauer: 30.000
          Tor: 1:0 Gomez (72.)
          Gelbe Karten: Badstuber, Boateng / Coentrão, Hélder Postiga

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