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0:1 gegen Dänemark : Niederländischer Fehlstart

  • -Aktualisiert am

Akte Oranje: Die deutsche Mannschaft kennt jeden und jede Spielfinesse. Mit der Datenflut zum Sieg? Bild: AFP

So geht Fußball, ganz schön ungerecht: Die Niederländer sind überlegen, stellen sich aber zu dumm an, ihre vielen Chancen zu nutzen. Dänemark hingegen nutzt seine Möglichkeit durch Krohn-Dehli und siegt zum EM-Auftakt.

          Der erste Turnierfavorit bei der Fußball-Europameisterschaft ist sogleich auf die Nase gefallen. In der ostukrainischen Schwerindustrie- und Studentenhochburg Charkiw stellte sich der Weltmeisterschaftszweite Niederlande vor dem Tor der Dänen letztlich zu dumm an, um wenigstens eine seiner zahlreichen Gelegenheiten zu nutzen.

          Das machte Dänemark am frühen Samstagabend vor knapp 36.000 Zuschauern im Metalist-Stadion viel besser. Die eine kapitale Chance veredelte Michael Krohn-Dehli kühl zum 1:0-Erfolg für den Außenseiter (24. Minute). Für das Team von Trainer Bert van Marwijk steht nach der Auftaktniederlage in der Gruppe B schon das gesamte Turnier auf dem Spiel.

          Nur ein Sieg über Deutschland am Mittwoch an selber Stelle kann die Titelhoffnungen aufrecht erhalten. Bei der chronischen Streitlust im Nachbarland wird aber schon vorher Trainer van Marwijk neben einigen seiner Stars heftig in die Kritik geraten, mochten auch die Holländer am Samstag das bessere Team gewesen sein.

          Dänemark dagegen, gegen die Niederländer sehr abwehrstark, könnte nach dem Überraschungserfolg richtig aufblühen. Als nächstes trifft der Europameister von 1992 am Mittwoch in Lemberg auf Portugal.

          „Wenn wir so ein Spitzenteam schlagen wollen, müssen wir unseren höchsten Level erreichen. Das haben wir heute geschafft“, sagte der alterfahrene Dänen-Trainer Morten Olsen. „Wir waren auch die stärkere Mannschaft, das hat man in den letzten zehn Minuten gemerkt, da waren wir weniger müde.“

          Die Entscheidung in Charkiw: Michael Krohn-Delhi auf dem Weg zur Führung Bilderstrecke

          Viel Oranje und ein bisschen Rot-Weiß, so war die Farbverteilung im Stadion. Für die Elftal war schon diese Premiere „das wichtigste Spiel des ganzen Turniers“. So jedenfalls hatte sich van Marwijk vor der Begegnung mit den Dänen geäußert. Weil der niederländische Pragmatiker getreu seinem Naturell keine Experimente wagte, stellte er auch genau die Spieler auf, die für ihn seit längerem erste Wahl sind.

          Van Persie stürmte, Sneijder führte Regie, Robben rannte rechts drauflos, van Bommel und de Jong hauten dazwischen. Die Holländer hatten so zwar fünf große Gelegenheiten vor der Pause, trafen aber nicht einmal. Vor allem van Persie, gleich dreimal auf dem vermeintlich goldrichtigen Weg, vergab drei kapitale Chancen und glänzte nur als Anspieler.

          So geht Fußball, ganz schön ungerecht

          Näher dran am erlösenden Treffer war der von seinem Champions-League-Albtraum sichtlich erholte Münchner Bayern-Star Arjen Robben, doch sein Schuss (36.) knallte gegen den Pfosten. Die Underdogs aus dem europäischen Norden versuchten, auch unter Druck locker zu bleiben, hatten einen großen Moment – und nutzten ihn.

          Krohn-Dehli schüttelte Innenverteidiger Heitinga ab und schoss Torhüter Stekelenburg den Ball durch die Beine, fertig war das 1:0 für die Dänen. So geht Fußball, ganz schön ungerecht. Bei Halbzeit verstanden die Holländer die Welt nicht mehr – inklusive der Fans, die bei den „Wellen“, die durch das Stadion brandeten, konsterniert sitzen blieben.

          Huntelaar und van der Vaart werden eingewechselt

          Nach dem Wechsel sprangen die Niederländer wieder auf – aber entsetzt, weil das Oranje-Team weitere exzellente Gelegenheiten vergab. So langsam verrann die Zeit, so dass endlich Huntelaar, der Schalker Bundesliga-Schützenkönig, seine Chance bekam wie auch der ehemalige Hamburger van der Vaart (jeweils 71. Minute).

          Am 4-2-3-1-System aber rüttelte van Marwijk nicht. Van Persie rückte auf die zentrale Mittelfeldposition, der bis dahin eher uninspirierte Sneijder nach links. Das Elend der Holländer aber ging auch mit Klaas-Jan Huntelaar weiter, der sogleich eine Doppelchance vergab (74.).

          „Jetzt müssen wir gegen Deutschland gewinnen“

          „Wir haben auf diesem Niveau unglaublich viele Chancen gehabt“, bedauerte van Marwijk. „Jetzt müssen wir gegen Deutschland gewinnen. Das wird nicht einfach.“ Folge eines rundum verlorenen Abends für alle, die es in Charkiw mit den Holländern hielten.

          Niederlande - Dänemark 0:1 (0:1)

          Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel (85. Kuyt), Heitinga, Vlaar, Willems - Nigel de Jong (71. van der Vaart), van Bommel - Robben, Sneijder, Afellay (71. Huntelaar) - van Persie
          Dänemark: Andersen - Jacobsen, Kjær, Agger, Simon Poulsen - Kvist, Zimling - Rommedahl (84. Mikkelsen), Eriksen (74. Schöne), Krohn-Dehli - Bendtner
          Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
          Zuschauer: 35.900
          Tor: 0:1 Krohn-Dehli (24.)
          Gelbe Karten: van Bommel / Kvist, Simon Poulsen

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