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Schweiz gegen Albanien : Das Bruder-Duell der Xhakas

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Großer und kleiner Bruder: Granit (r.) und Taulant Xhaka vor dem Bruderduell Bild: Picture-Alliance

Granit und Taulant Xhaka sind zusammen in der Schweiz augewachsen. Der eine spielt jedoch für ein anderes Land. Der Bruderkampf wird am Samstag (15 Uhr) zum besonderen helvetisch-albanischen Treffen bei der EM.

          Dieses Duell hätten sie am liebsten vermieden. Nun aber kommt es zum ersten Bruderkampf bei einer Europameisterschaft. „Was jetzt passiert“, sagt Granit Xhaka, „haben wir uns beide nicht gewünscht.“ Vor allem, weil sich Granit und Taulant Xhaka an diesem Samstag in Lens beiM Spiel der Schweiz gegen Albanien (15 Uhr/ live in ZDF und F.A.Z.-Liveticker) dort duellieren werden, wo die meisten Impulse gesetzt werden: im defensiven Mittelfeld.

          Der 23 Jahre alte Granit, vor wenigen Wochen für die Ablösesumme von 45 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal gewechselt, ist einer der Anführer im Team der Schweiz, das seit Jahren regelmäßig bei den großen Turnieren dabei ist; sein zwei Jahre älterer Bruder, ein solider Vorarbeiter beim FC Basel, hat nach einer Reihe von Spielen in den Nachwuchsnationalmannschaften der Schweiz 2014 die Seiten gewechselt und haut sich seitdem mit Erfolg für Albanien rein.

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          Der bevorstehende Zweikampf zweier innig miteinander verbundenet Brüder weckt ein ähnliches Interesse wie die innerfamiliären Fußball-Auseinandersetzungen zwischen den Boateng-Brüdern Kevin und Jerome bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014, bei denen Jerome und die deutsche Nationalmannschaft jeweils auf Kevins ghanaisches Team trafen.

          Erste EM für Albanien

          Mit einem 3:0 in Armenien am 11. Oktober 2015 schafften die Albaner erstmals die EM-Qualifikation. Taulants Bruder Granit, sonst der Mann für die großen Geschichten in der Familie Xhaka, blickte fast ein wenig neidisch nach Tirana, wo 40 000 Fans ihre Helden feierten und Staatspräsident Bujar Nishani alle Spieler mit dem Nationalorden auszeichnete. Dass darunter auch Taulant Xhaka war, hatte damit zu tun, dass die Schweiz den Bruder des in der Bundesliga gefeierten Granit Xhaka nicht für die A-Mannschaft berief.

          „Ich wollte Nationalspieler werden, Albanien hat mehr Interesse gezeigt“, sagt Taulant Xhaka, der seinen schweizerischen Pass behielt und über seinen Nationalitätenwechsel sagt: „Es ist keine Entscheidung gegen die Schweiz.“ Taulant wird vielleicht sogar noch einmal woanders Farbe bekennen: für das Kosovo, de facto inzwischen ein unabhängiger Balkan-Staat, der im Mai als 210. Mitglied in den Internationalen Fußball-Verband (Fifa) und die Europäische Fußball-Union (Uefa) aufgenommen wurde. Was Bruder Granit ausschloss („ich habe mich einmal für die Schweiz entschieden, und das wird auch so bleiben“), hält sich Taulant offen. Schließlich stammt die Familie Xhaka aus der kosovarischen Hauptstadt Prishtina, von wo die Eltern der Brüder 1990 in die Schweiz flohen.

          Die Xhakas stehen sinnbildlich für die vielen Verwerfungen im längst zerbrochenen ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien. Papa Ragip Xhaka ist jedenfalls stolz. „Ein Sohn für Albanien, einer für die Schweiz, das ist das perfekte Spiegelbild unserer Familie.“

          Hart, aber nicht unfair

          Taulant Xhaka hat schon angekündigt, wie er die Kraftprobe mit Bruder Granit angehen will: „Ich werde hart spielen, aber nicht unfair.“ Granit sagt: „Es ist Gott sei Dank nur ein Fußballspiel.“ Auf die Frage, ob beide so etwas wie eine Wette für diese ganz besondere helvetisch-albanische Begegnung abgeschlossen hätten, antwortet der jüngere Xhaka mit einem Scherz: „Dass wir in der zweiten Minute beide vom Platz fliegen.“ Wenn es um Rote Karten geht, können beide aus Erfahrung mitreden. Im Xhaka-Vergleich gilt Taulant als der noch aggressivere der Brüder, während Granit sich eher mal zu Jähzornshandlungen hinreißen lässt. Beide werden sich hüten, die Vorurteile gegen die gelegentlich sehr robuste Spielweise der Brüder ausgerechnet in Lens zu bestätigen. Schließlich sagt Granit: „Wir sind unzertrennliche Brüder und die besten Freunde. Wir schreiben uns jeden Tag und sind immer füreinander da - in guten wie in schlechten Zeiten.“

          In Mönchengladbach zum Star geworden: Granit Xhaka war Arsenal 45 Millionen Euro wert

          Er bewundert seinen Bruder: privat. „Was Taulant sagt, ist Gesetz.“ Taulant bewundert im Gegenzug auch den in Mönchengladbach gereiften Granit. „Er hat mehr Talent als ich, ist eine Persönlichkeit und könnte bei jedem Topklub spielen. Ich war immer der Lausbub, Granit der Ruhige und Seriöse. Er hat mir immer geholfen, Termine einzuhalten, und geschaut, dass ich nichts vergesse. Eigentlich war er der große Bruder.“

          Hart, aber nicht unfair: Taulant Xhaka (r.) will Einsatz zeigen

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